Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Impulse in der Stammzellforschung

17.04.2008
Embryonale Stammzellen mit Erbgut ausschließlich von männlicher oder weiblicher Seite sind schon länger im Fokus der Forschung.

Jetzt ist es Wissenschaftlern des Instituts für Medizinische Strahlenkunde und Zellforschung (MSZ) der Universität Würzburg in der Arbeitsgruppe um den Biologen Professor Albrecht Müller gelungen zu zeigen, dass embryonale Stammzellen der Maus, die Erbinformation ausschließlich von männlicher Seite enthalten, normale Vorläuferzellen des Nervengewebes bilden können. Damit könnten sie zur Alternative zu den "normalen" embryonalen Stammzellen werden, deren Verwendung ethisch umstritten ist. Die Erkenntnisse sind in der Fachzeitschrift "Stem Cells" publiziert.

Benötigt werden solche Zellen insbesondere von der regenerativen Medizin. Sie forscht daran, geschädigte oder kranke Gewebe und Organe durch eine Transplantation von Zellen zu heilen. Diese sollen entweder fehlende Zellen ersetzen oder sich passgenau in geschädigtes Gewebe integrieren. Dazu brauchen die Mediziner Zellen, die zum einen zum Immunsystem des Empfängers passen und nicht abgestoßen werden und zum anderen dort ganz spezifische Funktionen übernehmen können. Bislang sind die embryonalen Stammzellen viel versprechende Kandidaten als Quelle für solche therapeutisch verwendbaren Zellen.

Als eine Alternative zu den normalen embryonalen Stammzellen verwendeten die Würzburger Wissenschaftler embryonale Stammzellen mit ausschließlich männlicher Erbinformation. Gewonnen werden die Stammzellen, die nur die genetische Information von weiblicher oder männlicher Seite enthalten, im Reagenzglas. Nach einer künstlichen Befruchtung - noch bevor die beiden Zellkerne von Eizelle und Samenzelle verschmelzen - entnimmt man den Kern der Eizelle und ersetzt ihn durch einen zweiten männlichen aus einer weiteren Samenzelle von demselben Spender.

Diese Zelle enthält dann nur noch die Erbinformation vom Spender der Samenzellen. Sie entwickeln sich zwar zu frühen Embryonen weiter, diese sind mit dem rein männlichen Erbgut aber nur bedingt entwicklungsfähig und nicht lebensfähig und sterben nach wenigen Tagen ab. Die Entwicklung geht jedoch weit genug, dass embryonale Stammzellen mit ausschließlich männlicher Erbinformation entnommen werden können.

Diese von den Würzburger Forschern verwendeten Stammzellen haben entscheidende Vorteile gegenüber normalen embryonalen Stammzellen: Weil sie nur die Gene des Spenders der Samenzellen in sich tragen, passen sie gut zu dessen Immunsystem und werden nicht abgestoßen. Außerdem werden bei der Erzeugung dieser Art von Stammzellen keine lebensfähigen Organismen zerstört, erklärt Albrecht Müller. Gerade der zweite Punkt unterscheidet diese Zellen von herkömmlichen embryonalen Stammzellen und macht diese Zellen vom ethischen Standpunkt her deutlich unproblematischer.

Mit der Erkenntnis, dass diese Art von Stammzellen bei der Maus in der Lage ist, sich zu Vorläufern von Nervenzellen zu spezialisieren, ist ein großer Schritt nach vorne getan, sagt der Biochemiker Timo C. Dinger, der sich mit dieser Arbeit zur Zeit promoviert. Und die Arbeit der Projekt-Partner an der University of Pennsylvania zeigt, dass die Zellen vielseitig entwicklungsfähig sind. So ist es dort gelungen, aus ihnen auch Blutstammzellen zu erzeugen, die normal funktionieren und keine Abnormalitäten zeigen.

In der weiteren Arbeit müsse man nun klären, was diese Zellen mit ausschließlich männlichem Erbgut alles können, sagt Timo C. Dinger, zum Beispiel, ob sie sich in geschädigtes Nervengewebe der Maus funktionell integrieren lassen.

In den USA ist man bereits einen Schritt weiter: Dort haben Wissenschaftler der International Stem Cell Corporation schon ähnliche menschliche Stammzellen dieser Art entwickelt - in diesem Fall Stammzellen mit rein weiblicher Erbinformation, nur mit den Genen der Eizell-Spenderinnen. Diese müssen jetzt ähnliche Tests durchlaufen wie die Maus-Stammzellen.

"Androgenetic Embryonic Stem Cells form Neural Progenitor Cells in vivo And in vitro" Timo C. Dinger, Soon Won Choi, Guadelupe Camarero, Vroni Hornich, Albrecht M. Müller (alle Universität Würzburg) Sigrid Eckardt, Satoshi Kurosaka, K. John McLaughlin(alle University of Pennsylvania). Stem Cells, online publiziert am 27.03.2008, DOI: 10.1634/stemcells.2007-0877

Gefördert wurde dieses Projekt durch das Würzburger DFG-Graduiertenkolleg "Molecular Basis of Organ Development in Vertebrates" (GRK 1048). http://www.gk-1048.uni-wuerzburg.de/

Weiterführende Informationen bei: Prof. Dr. Albrecht M. Müller, T (0931) 201-45846, albrecht.mueller@mail.uni-wuerzburg.de

Margarete Pauli | idw
Weitere Informationen:
http://www.gk-1048.uni-wuerzburg.de/
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Erbinformation Samenzelle Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden
06.12.2016 | Universität Osnabrück

nachricht Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert
06.12.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften