Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nein sagen nicht nötig

19.12.2007
Die Partnerwahl bei Mausmakis auf Madagaskar verläuft außergewöhnlich. Nach einer wilden Nacht mit bis zu sieben Paarungen mit unterschiedlichen Männchen erkennt der Körper der Weibchen, wer der beste Vater für die Kinder ist.

Nina Schwensow und Simone Sommer, zwei Forscherinnen des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), und ihr Kollege Manfred Eberle, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen, berichten darüber in der aktuellen Ausgabe der "Proceedings of the Royal Society of London".

Bei den Mausmakis in den Trockenwäldern Westmadagaskars ist jedes Weibchen nur eine einzige Nacht pro Jahr empfänglich. Für die männlichen Mausmakis bedeutet dies eine kampfreiche Zeit. Was dabei passiert, haben Nina Schwensow und Simone Sommer, zwei Forscherinnen des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und ihr Kollege Manfred Eberle, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen dokumentiert.

Bis zu vierzehn Männchen suchen ein einzelnes Weibchen auf, und die Weibchen paaren sich scheinbar wahllos mit bis zu sieben Männchen während der besagten Nacht. Wer aber wird schließlich Vater? Die überraschende Antwort darauf veröffentlichte das Team in der aktuellen Ausgabe der "Proceedings of the Royal Society of London": Demnach muss es körpereigene Mechanismen bei den Weibchen geben, die nach der Paarung beeinflussen, welche Spermien erfolgreich sind. Bei der Wahl der Sexualpartner hatten die Weibchen erstaunlicherweise keinerlei Vorlieben gezeigt. Bei dieser zu den kleinsten Primaten zählenden Halbaffenart sind die Männchen körperlich nicht überlegen und können deshalb für gewöhnlich keine Paarung erzwingen.

... mehr zu:
»Leibniz-Institut »Paarung »Weibchen

"Die Schwangerschaft und das Säugen der Jungen sind sehr anstrengend", erklären die Biologinnen Nina Schwensow und Simone Sommer vom IZW. "Der Energieaufwand lohnt sich für das Weibchen mehr, wenn die Jungtiere beste Chancen haben, durch eine gute genetische Ausstattung kräftig und gesund zu sein." Unter Wissenschaftlern gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Weibchen den Vater ihrer Nachkommen daher sehr sorgfältig auswählen und somit die Überlebenswahrscheinlichkeit ihrer Jungen steigern. Eine besondere Rolle spielen dabei die so genannten MHC-Gene. MHC steht für "Major Histocompatibility Complex". Die Gene dieser Gruppe sind ein wichtiger Bestandteil des körpereigenen Immunsystems, indem sie Krankheitserreger identifizieren und die Immunreaktion auslösen. Da die MHC Immungen-Austattung eines Artgenossen über den Geruch wahrgenommen werden kann, könnte sie gleichzeitig als Selektionsmerkmal bei der Partnerwahl herangezogen werden.

Doch so eine Wahl scheint bei den Grauen Mausmakis (Microcebus murinus) nicht stattzufinden, denn die Paarung erfolgt ohne eine nachweisbare Vorauswahl der Geschlechtspartner. In der Nacht des Jahres scheinen die Weibchen also nicht wählerisch zu sein, denn die Forscher stellten keine Unterschiede beim Vergleich der angenommenen und verschmähten Sexualpartner im Hinblick auf die MHC-Gen-Ausstattung und physischer Körpermerkmale fest.

Allerdings: Welcher der Mausmaki-Männchen letzten Endes der Vater der Jungen wurde, stand eindeutig im Zusammenhang mit den Immungenen. "Die Väter hatten deutlich variablere Immungene, als die per Zufallssimulation zugeordneten, potentiell erreichbaren Männchen", sagt Schwensow. "Darüber hinaus sind die MHC-Gene der Väter auch stark verschieden von der Mutter, dies könnte letztendlich eine optimale Immunkompetenz für den Nachwuchs gewährleisten." Die Auswahl der Partner geschieht für die Maki-Weibchen also erst nach der Paarung über körperinterne Selektionsprozesse. Erstmals konnten durch die Untersuchung der madagassischen Mausmakis diese so genannten kryptischen und erst nach der Paarung stattfindenden Selektionsmechanismen bei wildlebenden Primaten nachgewiesen werden.

Die Gründe für die späte Partnerwahl sind für die Forscher noch rätselhaft. Sie hängen vermutlich aber eng mit dem Ablauf des Paarungsaktes zusammen, da die Mausmaki-Männchen zur Paarungszeit in so großer Überzahl beim empfänglichen Weibchen erscheinen. Studienleiterin Simone Sommer sagt: "Vermutlich ist es für die Weibchen zu kräftezehrend, mehrere Paarungswillige abzuwehren." Promiskuität im Zusammenspiel mit einer Nachauslese der Partner scheint also die am besten funktionierende Methode zu sein, die genetische Konstitution des Nachwuchses zu optimieren.

Weitere Informationen:
Nina Schwensow, 030 / 5168-313 (schwensow@izw-berlin.de)
Prof. Dr. Simone Sommer, 030 / 5168-315 (sommer@izw-berlin.de)

Josef Zens | idw
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Leibniz-Institut Paarung Weibchen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers
26.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck
26.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie