Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Basler Forschende finden neuen Mechanismus in der Immunabwehr

12.09.2013
Forschende von Universität und Universitätsspital Basel haben einen bisher unbekannten Mechanismus entdeckt, mit dem das menschliche Immunsystem eindringende Mikroben rasch findet und eine rechtzeitige Immunantwort einleitet. Ihre Studie, kürzlich in der Fachzeitschrift «Nature Immunology» erschienen, eröffnet neue Wege etwa in der Bekämpfung von Tumoren.

Das Immunsystem bekämpft Mikroben mithilfe verschiedener Strategien, von denen die frühe Aktivierung der Immunabwehr zu den wichtigsten gehört. Dieser Mechanismus beruht auf einer schnellen Erkennung der mikrobiellen Substanzen oder der bereits durch eine Infektion gereizten Zellen. Das Immunsystem wird als Erstes stimuliert, indem eine spezielle Zellklasse namens Gamma-Delta-Lymphozyten aktiviert werden.


Bindet an Antigenen an und aktiviert Immunabwehr: Das neu entdeckte Protein Butyrophilin 3A1.
Foto: Departement Biomedizin

Die Gamma-Delta-Lymphozyten wurden vor über 30 Jahren entdeckt und spielen auch in der Wachstumskontrolle von Tumorzellen eine entscheidende Rolle. Obwohl sie einen essenziellen Teil der Immunantwort bilden, ist ihr Aktivierungsmechanismus bisher nicht vollständig identifiziert worden.

Neue Therapieansätze
Das Team von Prof. Gennaro De Libero von Universität und Universitätsspital Basel hat nun das beteiligte Protein Butyrophilin 3A1 entdeckt, und zwar mittels eines breiten Spektrums an Technologien, darunter molekularer, genetischer, immunologischer, biophysikalischer und struktureller Kristallografie. Das Protein Butyrophilin 3A1 bindet an mikrobielle Substanzen (Antigene) und aktiviert dadurch die menschlichen Gamma-Delta-Zellen.

Diese leiten anschliessend eine Immunabwehr ein, um die von den eindringenden Mikroben verursachte Infektion zu beseitigen. Die Studie zeigt zudem, dass Butyrophilin 3A1 auch Antigene bindet, die von Tumorzellen in grosser Anzahl produziert werden. Dies führt ebenfalls zu einer Aktivierung der Gamma-Delta-Zellen, was die Vernichtung der Tumorzellen zur Folge hat.

Das verbesserte molekulare Verständnis der Antigen-Erkennung durch die Gamma-Delta-Zellen, auf denen die Immunantwort beruht, eröffnet neue Therapieansätze. Die Möglichkeit nämlich, die Antwort dieser Zellen zu regulieren, könnte etwa zu neuen Impfstrategien führen. Zusätzlich eröffnen die Erkenntnisse neue Wege zur Bekämpfung von Tumoren. Mit diesen Zielen befasst sich die Basler Forschungsgruppe in laufenden Projekten.

Originalbeitrag
Stefano Vavassori, Anil Kumar, Gan Siok Wan, Gundimeda S Ramanjaneyulu, Marco Cavallari, Sary El Daker, Travis Beddoe, Alex Theodossis, Neal K Williams, Emma Gostick, David A Price, Dinish U Soudamini, Kong Kien Voon, Malini Olivo, Jamie Rossjohn, Lucia Mori & Gennaro De Libero (2013)
Butyrophilin 3A1 binds phosphorylated antigens and stimulates human ?? T cells 


Nature Immunology, Published online 18 August 2013 | doi:10.1038/ni.2665

Weitere Auskünfte

Prof. Dr. Gennaro De Libero und Dr. Lucia Mori, Universität Basel/Universitätsspital Basel, Departement Biomedizin, Tel. +41 61 265 23 27, E-Mail: Gennaro.delibero@unibas.ch, lucia.mori@unibas.ch

Christoph Dieffenbacher | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23872678

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise