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Bärtierchen - Auf der Suche nach Überlebenskünstlern

14.10.2009
Uni Stuttgart koordiniert neues Projekt zur Biodiversität von Bärtierchen

Weltweit arbeiten Wissenschaftler an der Erfassung der Biodiversität der unterschiedlichen Tierarten. Klassische Methoden der Gattungs- und Artbestimmung stoßen jedoch besonders bei Tieren, die kleiner als einen Millimeter sind, teilweise an ihre Grenzen.

Ein guter Ansatz sind hier genomische Identifikationssysteme, mit denen sich kleine Sequenzen eines Gens vergleichen lassen. Inzwischen haben Spezialisten einen genetischen Marker gefunden, mit dem fast alle Arten innerhalb der Tiergruppen eindeutig unterschieden werden können und der als Standardsequenz akzeptiert ist. Damit ist es erstmals gelungen, ein weltweit standardisiertes Arbeiten mit einem Barcode zur Identifizierung von Arten einzuführen.

In der öffentlich zugänglichen internetbasierten Datenbank "Barcode of Life Database" sind mittlerweile über 650.000 dieser Sequenzen von Tierarten erfasst. Weltweit arbeiten viele Wissenschaftler im Rahmen des " Consortium for the Barcode of Life" an der Erfassung der Biodiversität der Vögel, Fische, Schmetterlinge oder beispielsweise Schwämme. Nun kommen auch die als Überlebenskünstler in Trockenheit und Kälte bekannten Bärtierchen hinzu. Dr. Ralph Schill vom Biologischen Institut der Universität Stuttgart koordiniert ein gerade angelaufenes, weltweites Projekt, in dem erstmals alle vorkommenden Bärtierchen erfasst werden.

Bisher 1.000 Bärtierchenarten bekannt
Bärtierchen oder auch Tardigraden sind 0,2 bis 1,0 mm große Organismen, die vor allem im Süßwasser und in Lebensräumen wie Moosen und feuchten Böden nahezu weltweit vorkommen. Bisher sind etwa 1.000 Arten bekannt. "Da jedes Jahr mehrere neue entdeckt werden", so Ralph Schill, "wird es aber wohl mindestens doppelt so viele Arten geben. Besonders wenig weiß man über die marinen Arten, die als sehr ursprünglich angesehen werden". Bärtierchen besitzen die Fähigkeit, selbst in extremen Lebensräumen wie zum Beispiel in Grönland oder der Antarktis zu überleben und sowohl hohe Temperaturen als auch lange Trockenperioden zu überstehen. Die Überlebenskünstler, die auch schon eine Exkursion in den Weltraum überstanden haben, können je nach den Umgebungsbedingungen einfrieren oder eintrocknen und so ihre Vitalität bewahren. Den dahinter stehenden Mechanismen verdanken die Tiere vor allem das große Interesse aus dem Bereich der biotechnologischen und medizinischen Forschung.
Bärtierchen beim Beutefang
"Das neue Projekt 'tardigradebarcoding.org` soll erstmals alle weltweit vorkommenden Bärtierchen erfassen und mit vielen Zusatzinformationen in der neuen, öffentlich zugänglichen Datenbank hinterlegen", erläutert Ralph Schill. Auf der Homepage befinden sich neben allgemeinen Informationen, den ersten Sequenzen und dem Vorkommen der jeweiligen Arten auch mehrere kurze Videoclips, die die Überlebenskünstler erstmals beim Beutefang, der Eiablage und Häutung zeigen. Wissenschaftler und interessierte Laien, die das Projekt unterstützten möchten, können gerne mit Ralph Schill an der Universität Stuttgart Kontakt aufnehmen. Besonders ist der Stuttgarter Biologe an der Zusendung von Moosen, in denen eventuell Bärtierchen zu finden sind, mit genauer Herkunftsbezeichnung interessiert.
Kontakt und weitere Informationen bei Dr. Ralph Schill,
Biologisches Institut der Universität Stuttgart
Tel. 0711/685-69143,e-mail: ralph.schill@bio.uni-stuttgart.de

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://tardigradebarcoding.org
http://www.boldsystems.org/

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