Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Australische Forscherin weiß Krebszellen zu überlisten

06.08.2013
„Krebszellen sind Meister der Manipulation und für ihr eigenes Überleben programmiert,“ sagt die Professorin für Pharmazie und Pharmazeutische Wissenschaften an der University of Technology Sydney, Mary Babawy.

Bebawy ist Krebsexpertin – seit 18 Jahren erforscht sie die Mehrfachresistenz von Krebszellen gegen Arzneimittel. Gefördert durch den Cancer Council New South Wales und dem National Health and Medical Research Council verleiht ihre Forschung dem Kampf gegen Krebs neue Impulse.

Anstatt auf Heilung der Patienten allein durch Medikamente zu setzen, entschlüsseln Babawy und ihr Team aus sieben Postgraduierten und zwei Doktoranden den Code, der Krebszellen daran hindert, ihr gefährliches Resistenzwissen an andere Zellen weiter zu geben.

Bebawy und ihr Projektpartner Professor Georges Grau, Lehrstuhlinhaber der Gefäßimmunologie an der Sydney University Medical School, entdeckten, dass Krebstumore spontan winzige Mikrobläschen (Vesikel) ausschütten, auch Mikropartikel genannt, welche Resistenzproteine in sich tragen.

„Diese Vesikel dienen als Überträger, die Proteine mit sich führen und diese Proteine dann an einer wirkstoffempfänglichen Zelle abladen. Innerhalb von Stunden wird diese Zelle folglich multiresistent und reagiert nicht mehr auf pharmazeutische Behandlung,“ sagt Bebawy.

Diese Vesikel tragen zudem genetische Informationen in sich, die sie an andere Zellen weitergeben, sodass deren genetisches Material verändert wird und die Zellen zu einem Wust multiresistenter Zellen mutieren.

„Die ursprüngliche Zelle verändert sich derart, dass sie wie eine resistente Zelle aussieht. Wir haben das durch wirklich verrückte Experimente bestätigt, in denen wir Vesikel aus der Brust entnommen haben und mit Leukämiezellen zusammengeführt haben und vice versa Leukämievesikel mit Brustzellen zusammenführten. Das Ergebnis war eine vollständige Kopie des transkriptionalen Plans. Das hat ernsthafte Konsequenzen für die Übertragung schädlicher Merkmale in Krebszellenpopulationen.“

Krebs ist eine der meisten Todesursachen in Australien. Aktuelle Statistiken besagen, dass bei jedem zweiten Australier bis zum 85. Lebensjahr Krebs diagnostiziert werden wird. Krebszellen verhielten sich, laut Bebawy, in gewisser Weise wie Ameisen: wenn ein Weg versperrt sei, fänden sie eine alternative Route: „Multiresistenz ist ein großes Problem für Krebspatienten, weil Tumore die Wirkung von Chemotherapie umgehen können und somit den Erfolg der Behandlung beeinflussen.“

„Es wird viel im Bereich der Arzneimittelentwicklung geforscht und es gibt tausende von Molekülen, die Anti-Krebs-Eigenschaften in sich tragen. Das Problem bei diesen Molekülen ist, dass sie nur kurzzeitig wirken und der Patient danach einen Rückfall erleidet. Das ist einer von vielen Gründen, weshalb wir Krebs nicht besiegen können.“

Bebawy ist der Ansicht, dass ein neuer Ansatz in der Krebsbehandlung gefunden werden muss und dass ihre Forschung diesen liefert.

„Man muss dem Krebs einen Schritt voraus sein, was sehr schwierig ist. Ich bin dem Cancer Council überaus dankbar, der die Wichtigkeit dieser Forschungsrichtung anerkannt hat. Ich habe dort diese verrückte Idee präsentiert, dass Krebszellen Vesikel ausschütten und dass diese Vesikel als schädliche Überträger der Krebsinformationen dienen. Was anfangs schwer zu veröffentlichen war, hat sich nun als ein völlig neues Forschungsfeld entpuppt.“

„Es ist ein wesentliches Forschungsfeld, denn es ist sinnlos, Medikamente gegen Krebs zu entwickeln, wenn der Krebs diese einfach verändert und sich an deren Wirkweisen anpasst. Wir müssen die Wirkwege der Medikamente besser verstehen und diese Aufgabe habe ich mir gestellt. Ich wäre glücklich, wenn wir Wissenschaftler einen kleinen Teil dazutun könnten, das auf dieses Wissen in Zukunft aufgebaut werden kann.“

Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle
Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593
oder
Associate Professor Mary Bebawy
University of Technology Sydney, Pharmacy
Email: Mary.Bebawy@uts.edu.au
Phone: +61 2 9514 8305
Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist das gemeinnützige Studierendensekretariat aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Europa, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Weitere Informationen:

http://www.ranke-heinemann.de
http://www.ranke-heinemann.at
http://www.ranke-heinemann.tv

Sabine Ranke-Heinemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ranke-heinemann.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Live-Verfolgung in der Zelle: Biologische Fussfessel für Proteine
19.06.2018 | Universität Basel

nachricht Tag it EASI - neue Methode zur genauen Proteinbestimmung
19.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics