Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

»Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung« - Gründung Fraunhofer-Projektgruppe

18.07.2011
Neuer LOEWE-Schwerpunkt: Die hessische Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz LOEWE hat die Förderung des Schwerpunkts »Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung« an der Goethe-Universität Frankfurt entschieden.

Damit verbunden ist die Gründung einer Fraunhofer-Projektgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Gerd Geisslinger.

Der neue LOEWE-Schwerpunkt hat zum Ziel, die an der Goethe-Universität Frankfurt am Main auf den Gebieten Wirkstoffforschung, präklinische und klinische Modellentwicklung und klinische Forschung vorhandene Expertise zusammenführen und weiter zu entwickeln. Die Fraunhofer-Projektgruppe, die in Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Aachen und der Goethe-Universität aufgebaut wird, soll die gemeinsamen Bemühungen von Wirtschaft und Wissenschaft zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der Arzneimittelforschung in Deutschland koordinieren, um die Entwicklungskosten von Arzneimitteln unter marktwirtschaftlichen Kriterien zu senken.

Wertschöpfung der deutschen Pharmaforschung steigern

Die Arzneimittelforschung besitzt eine enorme gesundheits- und wirtschaftspolitische Bedeutung. Aufgrund der demographischen Entwicklung werden langfristig sowohl die Krankheitshäufigkeit in der Bevölkerung wie auch der Bedarf an bezahlbaren innovativen Arzneimitteln steigen. Die Fraunhofer-Projektgruppe wird auf den Themenschwerpunkten translationale Arzneimittelforschung, Entwicklung pharmakologischer Modelle zur Vorhersagbarkeit von Sicherheit und Wirksamkeit, Epigenetik, Biomarker und klinische Forschung zum direkten Nutzen für Unternehmen und zum Vorteil der Gesellschaft arbeiten. »Die Umsetzung relevanter Forschungsergebnisse in die klinische Anwendung funktioniert bisher in Deutschland nicht zufriedenstellend«, beurteilt Geisslinger, Leiter des Instituts für Klinische Pharmakologie an der Goethe-Universität Frankfurt, die gegenwärtige Situation. Im Gegensatz zu amerikanischen Universitäten hätten deutsche Hochschulen in den vergangenen zehn Jahren de facto keine Rolle bei der Entdeckung innovativer Arzneimittel gespielt. Um die im europäischen Vergleich strukturbedingt niedrige Wertschöpfung der deutschen Pharmaforschung nachhaltig zu steigern, bedarf es neuer, institutioneller Modelle für anwendungsorientierte Arzneimittelforschung. Zur Deckung des Innovationsbedarfs setzt die pharmazeutische Industrie zunehmend auf Kooperationen mit Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Kräfte bündeln

Der LOEWE-Schwerpunkt bündelt die am Pharmastandort Frankfurt am Main vorhandene Forschungsexpertise in der Medizin und den Biowissenschaften. Die neue Fraunhofer-Projektgruppe bietet zusammen mit dem Mutter-Institut IME in Aachen und der Fraunhofer-Projektgruppe »Bio-Ressourcen« in Giessen der pharmazeutischen Industrie Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen und die Wirkstoff-Evaluierung in der präklinischen und klinischen Forschung an. Der Verbund ermöglicht erhebliche Synergieeffekte entlang der Wertschöpfungskette bis zur Durchführung klinischer Studien der Phase II. Dies wird maßgeblich dazu beitragen, dem Wissens- und Wirtschaftsstandort Deutschland in der translationalen Arzneimittelforschung eine Vorreiterrolle in Europa zu sichern. »Das Potenzial hierzu gründet sich auf unsere international sichtbare akademisch-wissenschaftliche und klinische Expertise sowie die hohe Dichte an pharmazeutischen Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet«, erklärt Gerd Geisslinger.

Das übergeordnete Ziel des LOEWE-Schwerpunkts »Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung« ist es, in Kooperation mit der Industrie vorhersagende präklinische und klinische Modelle zu entwickeln, um möglichst früh Aussagen über die Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneistoffen treffen zu können und damit die Erfolgsraten der klinischen Entwicklung drastisch zu steigern. Künftige Fortschritte sind abhängig von einem umfassenden Verständnis der komplexen molekularen Signalwege von bisher nicht oder nur unzureichend behandelbaren Erkrankungen. Innovative Arzneimittelforschung orientiert sich deshalb zunehmend an der Aufklärung molekularer Signalnetzwerke (»Signaling«). Die systematische Erforschung pathophysiologisch relevanter Signalwege kann Wesentliches zum Verständnis von bisher unzureichend therapierbaren Erkrankungen beitragen. Das wissenschaftliche Konzept der Fraunhofer-Projektgruppe in Frankfurt orientiert sich deshalb an den langjährigen, exzellenten Vorarbeiten von Wissenschaftlern des Zentrums für Arzneimittelforschung, -entwicklung und -sicherheit (ZAFES) auf diesem Gebiet. Geplant sind fünf Forschungsprojekte, in denen es unter anderem darum geht, ein nebenwirkungsarmes schmerz- und entzündungshemmendes Medikament zu entwickeln. Eine weitere Substanz soll auf ihre Wirksamkeit zur Behandlung der Multiplen Sklerose geprüft werden. Voruntersuchungen haben gezeigt, dass der Wirkstoff gut verträglich ist und sich auch in hoher Dosierung für eine Dauerbehandlung eignen könnte. Die Studien beginnen mit einem Mausmodell und sollen – gemeinsam mit den Projektpartnern – bis zur klinischen Prüfung fortgeführt werden.

Marion Horn | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie