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Antibiotika-Resistenz in E. coli

16.10.2014

Multi-resistente Bakterien sind eine globale Bedrohung für die menschliche Gesundheit. Ein Ausweg besteht darin, die komplexen Abwehrmechanismen der Bakterien auf molekularer Ebene zu entschlüsseln. Eine internationale Forschergruppe unter Leitung der Goethe-Universität ist nun ein weiterer Schritt zur Aufklärung der Antibiotika-Resistenz bei dem Darmbakterium Escherichia coli gefunden.

E. coli besitzt in seiner doppelten Zellmembran eine Pumpe, die eingedrungene toxische Substanzen wie Antibiotika wieder nach außen befördern kann. Diese Pumpe, das AcrB-Protein, besteht aus zwei Bereichen. Bereits vor einigen Jahren hat die Arbeitsgruppe von Prof. Martin Pos am Institut für Biochemie der Goethe-Universität die Funktionsweise der Pumpe in der Domäne zwischen den zwei Membranen, dem Periplasma, aufgeklärt. Sie arbeitet wie die Darmperistaltik oder eine Quetschpumpe. „Es handelt sich um einem Zyklus mit drei Phasen, entsprechend drei verschiedenen Konformationen der Proteinpumpe“, erläutert Martin Pos.

Zunächst wird das Antibiotikum erkannt und locker gebunden, im nächsten Zustand im inneren der Pumpe fest gebunden, und im dritten durch das Protein hindurch gequetscht und nach außen entlassen. Nun hat die Gruppe auch die Funktion der Transmembrandomäne aufgeklärt: Sie befindet sich in der innere Membran der Gram-negativen E. coli Zelle und liefert die Energie für den Antibiotika-Transport. Auch diese Domäne durchläuft während des Transportes einen Zyklus mit drei Phasen.

Der „Treibstoff“ für die AcrB-Pumpe sind Protonen, die über die Transmembrandomäne in die Zelle aufgenommen werden. Wie das funktioniert, hat die Arbeitsgruppe von Pos herausgefunden, in dem sie zunächst die drei-dimensionale Struktur mehrerer Varianten der AcrB Pumpe mittels Röntgenstrukturanalyse analysierte.

In Computersimulationen machte die Arbeitsgruppe von Dr. José Faraldo-Gómez vom National Institute of Health (NIH) in den USA, der vorher am Max-Planck Institut für Biophysik in Frankfurt war, den Mechanismus sichtbar. „Der Protonentransport induziert eine Bewegung ähnlich wie beim Zylinder eines Kolbenmotors“, erläutert Martin Pos. „Und obwohl die Transmembrandomäne weit entfernt liegt von der Domäne, welche die Antibiotikamoleküle nach außen transportiert, sieht es so aus, als wären die alternierenden Zyklen der beiden Domänen strikt gekoppelt“

Die Erkenntnisse, die im Rahmen des Sonderforschungsbereichs „Transport und Kommunikation durch biologische Membranen“ an der Goethe Universität und der europäischen „Innovative Medicines Initiation“ (IMI) gewonnen wurden, liefern möglicherweise neue Ansätze im Kampf gegen multiresistente Bakterien. IMI ist Europas größte public-private-Initiative mit dem Ziel, die Entwicklung besserer und sicherer Medikamente voran zu treiben.

„AcrB ist ein Modellprotein, welches sehr nahe Verwandte hat in anderen multiresistenten pathogenen Bakterien, wie zum Beispiel Acinetobacter baumannii. Beim Menschen gibt es auch verwandte Proteine, die möglicherweise nach einem ähnlichen Mechanismus funktionieren. Sie transportieren jedoch nicht Antibiotika, sondern spielen eine wesentliche Rolle bei der Regulation des Cholesterin-Gehalts in den Zellen oder der Entwicklung des Embryos“, so Pos über die weiteren Anwendungsfelder des Forschungsergebnisses.

Publikation:
Eicher, T., Seeger, M. A.., Anselmi, C., Zhou, W., Brandstätter, L., Verrey, F., Diederichs, K., Faraldo-Gómez, J. D.*, Pos, K. M.* (2014) Coupling of remote alternating-access transport mechanisms for protons and substrates in the multidrug efflux pump AcrB. eLife 3:e03145.
http://elifesciences.org/content/3/e03145

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.muk.uni-frankfurt.de/52436692

Bildtext:
Oben: AcrB-Pumpe, mit deren Hilfe E.Coli-Bakterien eingedrungene Antibiotika (grün) aus der Zelle befördern. Antrieb ist ein Gradient aus Protonen (H+). Dabei wird die freigesetzte Energie von der Transmembrandomäne (schwarz umrandet) durch zwei Helices (rot) zu der Antibiotika-transportierenden Domäne übertragen. Unten: Die Transmembrandomäne in ihren drei verschiedenen Zuständen.

Informationen: Prof. Klaas Martinus Pos, Institut für Biochemie und Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 29251, pos@em.uni-frankfurt.de
www.biochem.uni-frankfurt.de/index.php?id=7 und http://www.sfb807.de/klaas-martinus-pos.html

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 2014 feiert sie ihren 100. Geburtstag. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto „Wissenschaft für die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.“

Mehr Informationen unter http://www2.uni-frankfurt.de/gu100

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Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 – 2 92 28, Telefax (069) 798 – 763 12531, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
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Dr. Anne Hardy | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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