Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alzheimer: Neuartige Bilder von Ablagerungen im Gehirn könnten Entwicklung von Therapien erleichtern

16.04.2013
Über den Zusammenhang zwischen der Ablagerung von Eiweißen im Gehirn und der Ausprägung der Alzheimer-Krankheit ist trotz intensiver Forschung noch wenig bekannt.

Nun haben australische Wissenschaftler die Anhäufung des beta-Amyloids (A-beta, Aβ) mit hoher Präzision sichtbar gemacht und mit dem Hirnvolumen und der geistigen Leistungsfähigkeit verglichen.

„Die dabei festgestellten Zusammenhänge erleichtern die Vorhersage des Krankheitsverlaufs und könnten in Zukunft helfen, den optimalen Zeitpunkt für verschiedene Therapien zu ermitteln“, beurteilt Professor Richard Dodel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Co-Direktor der Klinik für Neurologie der Universität Marburg.

„Der Nutzen solcher bildgebender Verfahren für die Wissenschaft wird damit erneut eindrucksvoll belegt.“ Gleichzeitig betont er aber, dass sich diese Methoden noch im Forschungsstadium befänden. Er warnt vor einem Routineeinsatz dieser bildgebender Verfahren zur Früherkennung oder Risikoabschätzung bei Gesunden.

Krankheitsentstehung in Zeitlupe

Es dauert mehrere Jahrzehnte, bis Ablagerungen des Eiweißes A-beta im Gehirn das Gedächtnis und die geistige Leistungsfähigkeit so sehr beeinträchtigen, dass die Diagnose Alzheimer gestellt werden kann. Diesen langsamen Prozess im Detail zu verstehen, war Ziel der Australian Imaging Biomarkers & Lifestyle Forschungsgruppe (AIBL). Unter der Leitung von Colin Masters von der Universität Melbourne gewannen die Forscher 200 Freiwillige, die jeweils in Abständen von etwa 18 Monaten untersucht wurden.
Teil dieser Untersuchungen war auch eine spezielle Art der Bildgebung, nämlich eine Positronenemissionstomografie (PET) zum Nachweis der „Pittsburgh compound B“. Diese Verbindung wird den Freiwilligen in die Blutbahn gespritzt und lagert sich im Gehirn an die A-beta-Plaques an, sodass deren Menge bestimmt werden kann. 145 Studienteilnehmer waren zu Beginn gesund gewesen, 36 hatten eine leichte kognitive Störung und 19 litten bereits unter der Alzheimer-Krankheit.

Geschwindigkeit der Ablagerungen verlangsamt sich

Mit ihren Untersuchungen konnte die AIBL-Gruppe einerseits bestätigen, dass Alzheimer-Patienten von Beginn an die meisten A-beta-Ablagerungen hatten, Gesunde den niedrigsten Wert aufweisen und Menschen mit leichten kognitiven Störungen dazwischen liegen. In der Nachverfolgung, die durchschnittlich fast vier Jahre dauerte, sammelte sich das A-beta bei 82 Prozent der Studienteilnehmer weiter an, bei den restlichen 18 Prozent aber nicht.

Zu den interessanten Ergebnissen zählt Professor Dodel, dass die Ablagerung des A-beta nicht gleichmäßig verläuft, sondern erst zunimmt, dann ein Plateau erreicht und schließlich wieder abnimmt. „Bemerkenswert ist auch, dass viele gesunde Personen bereits eine erhöhte Menge an Amyloid aufweisen, ebenso Patienten mit einer leichten kognitiven Störung, der MCI.“ Bei gesunden Personen, die A-beta schnell anhäuften, verschlechterte sich auch die geistige Leistungsfähigkeit schneller. Ist dagegen die Alzheimer-Krankheit erst einmal ausgebrochen, gibt es keinen Zusammenhang mehr zwischen einer hohen Menge von A-beta im Gehirn und der Abnahme des episodischen Gedächtnisses.

„Diese Beobachtungen werden Konsequenzen haben für die Planung klinischer Studien“, erwartet Dodel. Beispielsweise könnte man mittels PET-Scan Menschen auswählen, die A-beta schnell anhäufen. Schon lange, bevor es zu den ersten Gedächtnisproblemen kommt, könnte getestet werden, ob Arzneimittelkandidaten die Abbauprozesse verlangsamen. Erst die Zukunft wird zeigen, ob solch eine Strategie erfolgreich sein kann. Zeit zum Eingreifen aber bliebe genug, wie Masters und Kollegen berechnet haben: Vom Beginn der Ablagerungen bei gesunden Menschen bis zum Ausbruch der Alzheimer-Krankheit dauert es nämlich 31 Jahre, so die Schätzung der Australier.

Quellen

Villemagne V et al: Amyloid β deposition, neurodegeneration, and cognitive decline in sporadic Alzheimer's disease: a prospective cohort study. Lancet Neurol. 2013 Apr;12(4):357-67.

Schneider LS. Quantifying an amyloid β model for Alzheimer's disease. Lancet Neurol. 2013 Apr;12(4):327-8.

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen

Prof. Dr. med. Richard Dodel
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Klinik für Neurologie
Baldingerstrasse, 35043 Marburg
Tel.: +49 (0) 6421 58 66251, Fax.: +49 (0) 6421 58 65474
E-Mail: dodel@med.uni-marburg.de

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Frank A. Miltner, c/o albertZWEI media GmbH
Englmannstr. 2, 81673 München
E-Mail: presse@dgn.org, Tel: +49 (0) 89 46148622

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 7400 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.
http://www.dgn.org

1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang H. Oertel
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter

Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel: +49 (0)30-531437930, E-Mail: info@dgn.org

Ansprechpartner für die Medien
Frank A. Miltner, Tel: +49 (0)89-461486-22, E-Mail: presse@dgn.org

Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise