Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Afrikanische Flughunde verfrachten gefährliches Virus

30.07.2009
Henipaviren gehören zu den gefährlichsten Krankheitserregern beim Menschen. Bisher waren sie nur in Australien und Asien bekannt.

Einer aktuellen Studie der Universität Bonn zufolge könnten Henipaviren aber auch in Afrika für Gehirn- und Hirnhautentzündungen verantwortlich sein. Die Forscher fanden bei einer dort weit verbreiteten Fledermausart enge Verwandte der asiatischen Henipaviren.

Ob diese ebenfalls Menschen gefährlich werden können, ist momentan allerdings noch unklar. Die Studie, an der auch das Fledermauszentrum Noctalis in Bad Segeberg beteiligt war, ist in der Fachzeitschrift PLoS ONE erschienen (doi:10.1371/journal.pone.0006367).

Die asiatischen Hendra- und Nipahviren (zusammengefasst: Henipaviren) werden in die höchste Risikogruppe 4 eingeordnet, zusammen mit dem Ebola-, Marburg- und Lassavirus. Beim Menschen verursachen sie eine Gehirnentzündung (Enzephalitis), die in vielen Fällen zum Tode führt. "Diese Viren sind erst seit gut zehn Jahren bekannt", sagt Professor Dr. Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. "Weil man davon ausging, dass sie nur in Australien und Asien vorkommen, wurden Menschen in Afrika bisher noch nicht darauf getestet."

Möglicherweise war das ein Fehler, wie die Entdeckung von Drostens Team im westafrikanischen Ghana nun zeigt. Denn Henipaviren haben einen viel größeren geografischen Verbreitungsraum als gedacht. Zwar kommen in Afrika keine Fledermäuse der Gattun Pteropus vor, die die Viren in Asien übertragen. Dafür ist aber der Palmenflughund (Eidolon helvum) auf dem afrikanischen Kontinent weit verbreitet. Die vergleichsweise großen, fruchtfressenden Fledermäuse hängen tagsüber in riesigen Kolonien von tausenden bis zu einer Million Exemplaren an Bäumen. Nachts machen sie sich auf Futtersuche. Dem Regen folgend, legen Palmenflughunde im Jahresverlauf bis zu 2.000 Kilometer zurück, um geeignete Nahrungsgründe zu erschließen. Auf diesem Weg erfüllen die Tiere auch eine bedeutende ökologische Rolle bei der Verbreitung von Pflanzensamen.

Frappierender Befund

Im Kot der Palmenflughunde haben die Bonner Forscher um Christian Drosten per Genanalyse Viren entdeckt, die den asiatischen Henipaviren verwandtschaftlich sehr nahe stehen. "Das ist ein frappierender Befund, wenn man bedenkt, wie weit verbreitet Eidolon helvum in Afrika ist", meint Drostens Mitarbeiter Dr. Jan Felix Drexler. Dazu komme, dass in afrikanischen Großstädten riesige Schwärme lebten und die Einwohner praktisch überall dem Kot ausgesetzt seien. "In der zweitgrößten ghanaischen Stadt Kumasi gibt es nach unserer Studie mindestens 300.000 Flughunde", sagt Drexler. Doch noch ist überhaupt nicht klar, ob das afrikanische Virus auch auf den Menschen übertragen werden kann. "Angesichts der Gefährlichkeit der asiatischen Henipaviren müssen wir nun dringen eine Antwort auf diese Frage finden", betont Drosten.

Lohnende Forschung an Mensch und Fledermaus

Das Forscherteam, zu dem auch Ghanaische Kollegen gehören, plant deshalb eine systematische epidemiologische Untersuchung von Menschen in Ghana. Weil bei vielen Gehirn- und Hirnhautentzündungen bei Menschen in Afrika keine Ursache gefunden wird, lohne es sich jetzt, Kranke mit bestimmten Symptomen speziell auf Infektionen mit dem Henipahvirus zu testen. Auch für Patienten nach einer Afrikareise ergäben sich neue Möglichkeiten der medizinischen Diagnostik.

Kontakt:
Prof. Dr. Christian Drosten
Institut für Virologie
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-11055
E-Mail: drosten@virology-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.virology-bonn.de
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise