Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein kleiner Flitzer, der wahre Größe zeigt

05.08.2013
Maschinenbauer der TU Chemnitz entwickeln das Interieur für den Elektro-Einsitzer Colibri, der schon bald den Markt für städtische Individualmobilität erobern könnte

Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein liegen voll im Trend. Das hat längst auch die Automobilbranche erkannt und setzt nun zunehmend auf Elektromobilität. Doch auf den deutschen Straßen sind Elektroautos bisher eine Seltenheit - möglicherweise weil die bisherigen Modelle nur wenig überzeugen. Die einen sind zu groß und zu teuer, die anderen zu unsicher, die nächsten stark vom Wetter abhängig und unkomfortabel.

Mit dem Einsitzer "Colibri" bereitet gerade die Innovative Mobility Automobile GmbH aus Jena ein Elektrofahrzeug für die Serienproduktion vor, das hinsichtlich solcher Beanstandungen punkten kann. "Der Colibri ist ziemlich einzigartig mit seinem flexiblen und modularen Fahrzeugkonzept. Zum einen bietet er den von normalen PKW gewohnten Komfort- und Sicherheitsstandard sowie sportliche Fahrleistungen. Somit hebt er sich von anderen Fahrzeugen der Klasse L7e wie beispielsweise Quads oder dem ebenfalls elektrischen Renault Twizy ab.

Gleichzeitig ist er, dank konseque ntem Leichtbau, deutlich verbrauchsärmer und damit wirtschaftlicher sowie umweltfreundlicher als andere Elektroautos. Durch das geringere Gewicht von insgesamt 440 Kilogramm genügt eine kleinere Batterie für eine Reichweite von 110 Kilometern. All diese Eigenschaften machen den Colibri bedarfsgerecht für die typischen Mobilitätsanwendungen im urbanen Raum", erklärt Robert Wetzel, Produktmanager bei Innovative Mobility, und fügt hinzu: "Neben Stadtverwaltungen und Carsharing-Anbietern ist der Colibri auch sehr interessant für Liefer- und Pflegedienste. Auch für typische Berufspendler ist er eine attraktive Lösung."

Entwickelt wurde der Colibri im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Themenfeld "Schlüsseltechnologien für die Elektromobilität (STROM)" geförderten Verbundprojekts aus dem multidisziplinären Zusammenwirken von mittelständischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Beteiligt ist die Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der Technischen Universität Chemnitz unter Leitung von Prof. Dr. Lothar Kroll. Deren Mitarbeiter entwerfen unter Einbeziehung externer Designvorgaben mit dem Sitz, der Kofferraumstruktur, den Verkleidungselementen und der Pedalerie die komplette Innenausstattung des Elektroflitzers.

Dabei stehen die Wissenschaftler vor der Herausforderung, trotz des kleinen Fahrzeuges einen hohen Komfort und maximale Sicherheit zu garantieren. Wie dies dem Team um Robert Stelzer und Marcus Hartenstein gelungen ist, zeigt sich am Beispiel des Sitzes. "Der Fahrer nimmt im Colibri zwischen den hochgezogenen Seitenschwellern eine tie fe Sitzposition ein. Im Falle eines Seitencrash wäre er auf diese Weise optimal geschützt. Um dennoch einen möglichst bequemen Ein- und Ausstieg in das Fahrzeug gewährleisten zu können, ist die Sitzfläche mit der Hilfe eines elektrischen Verstellmechanismus nach oben und unten schwenkbar", erklärt Robert Stelzer, Mitarbeiter der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung.

Die verschiebbare Pedalerie des Colibris ist ebenfalls ein Entwicklungsschwerpunkt des Forscherteams der TU Chemnitz. So sieht das Fahrzeugkonzept in Verbindung mit dem schwenkbaren Sitz anpassungsfähige Pedale vor, um eine mit der jeweiligen Körpergröße abgestimmte komfortable Fahrposition zu ermöglichen. Darüber hinaus sind die Forscher der TU Chemnitz für die Entwicklung und Herstellung des Kofferraumes verantwortlich: "Den Kofferraumboden haben wir als thermoplastisches Sandwichbauteil aus umgeformten und verpressten Organoblechhalbzeugen hergestellt. Das Ziel war dabei, nicht nur eine belas tungsgerechte Kofferraumstruktur aus Kunststoff zu schaffen, sondern den späteren Fahrzeugnutzern auch möglichst viel Stauraum zur Verfügung zu stellen", so Robert Stelzer. Auch diese Vorgabe ist den Chemnitzer Wissenschaftlern in der Umsetzung geglückt. So bietet das Kofferraumvolumen von 180 Litern Platz für zwei Getränkekisten und eine zusätzliche Tasche.

Wer nun selbst Besitzer eines Colibris werden möchte, muss sich noch ein wenig gedulden. Anfang März 2013 wurde der straßentaugliche Prototyp des Colibri auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt, an dessen Abschluss unmittelbar die Serienentwicklung anknüpfte. Aktuell evaluiert Innovative Mobility Automotive GmbH (IMA) mögliche Partner und Lieferanten für die Auftragsfertigung.

Robert Wetzel erläutert: „Die Produktion beginnt noch in 2015, aber durch die überaus positive Kundenresonanz liegen uns schon jetzt mehr als 500 Vorbestellungen vor. Neue Bestellungen werden daher wohl erst in 2016 bedient werden können.“

Weitere Informationen zum Colibri gibt es unter http://www.innovative-mobility.com, Telefon 03641 67 52 77 oder per E-Mail Colibri@innovative-mobility.com

Auskunft zur Entwicklung des Colibri-Innenraumes geben Marcus Hartenstein, Telefon 0371 531-39483, E-Mail marcus.hartenstein@mb.tu-chemnitz.de, und Robert Stelzer, Telefon 0371 531-37811, E-Mail robert.stelzer@mb.tu-chemnitz.de.

Hinweis für die Medien: In der Pressestelle der TU Chemnitz können Sie honorarfrei ein themenbezogenes Foto anfordern. Motiv: Projektmitarbeiter Robert Stelzer von der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz testete auf der Hannover Messe 2013 den Bedienkomfort des Elektro-Einsitzers Colibri. Das Interieur haben die TU-Wissenschaftler mitgestaltet. Foto: Marcus Hartenstein. Dieses Foto finden Sie auch im Ordner "Forschung" des Online-Bildarchivs der Pressestelle: http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/bilder

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de
http://www.innovative-mobility.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht RFID-Technologie: Digitalisierung in der Automobilproduktion
02.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF

nachricht Wenn dein Auto weiß, wie du dich fühlst
20.12.2017 | FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics