Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wohnen in der Stadt: "Wir werden weniger, älter, ärmer und bunter"

18.11.2008
Wohnen in der Stadt war Thema einer Fachtagung in Erfurt. Dabei wurden Trends und Erfahrungen diskutiert.

Trends zum Thema Wohnen in der Stadt und Erfahrungen aus Leipzig, München und Wien haben 80 Stadtplaner und Wissenschaftler aus dem gesamten Bundesgebiet am 14.11. auf Einladung des Instituts für Stadtforschung (ISP) der Fachhochschule Erfurt im Mercure Hotel Am Dom Erfurt diskutiert.

"Für das Wohnen in der Stadt spricht, dass Siedlungsstrukturen mit hoher Dichte deutlich geringere Kosten für die öffentlichen Haushalte verursachen als locker stehende Einfamilienhäuser", leitete Professorin Heidi Sinning, Leiterin des ISP; die Tagung ein. Das ISP veranstaltete die Tagung gemeinsam mit der Universität Kassel und in Kooperation mit dem Informationskreis für Raumplanung (IfR).

Professorin Christiane Thalgott, Präsidentin der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung und frühere Stadtbaurätin in München, widerlegte zudem das Klischee von überteuerten Stadtwohnungen und dem günstigen Wohnort im Umland der Städte. Es gibt bereits einen Trend zum Rückzug in die Städte, in Fachkreisen "Reurbanisierung" genannt.

Leipzig verzeichnet seit einiger Zeit wieder einen leichten Einwohnerzuwachs, allerdings stehen 14% der Wohnungen in der Stadt immer noch leer, so dass selbst historisch wertvoller Bausubstanz der Abriss droht. Den Umgang der Leipziger Stadtentwicklung damit erläuterte Martin zur Nedden, Bürgermeister und Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bau der Stadt Leipzig. Er stellte innovative, bundesweit beachtete Strategien vor: So hat Leipzig in einer integrierten Stadtentwicklung das Konzept der Wächterhäuser entwickelt, ein Selbstnutzerprogramm aufgelegt, das die Eigentumsbildung im Altbaubestand fördert, und mit Hilfe von "Zwischennutzungen" mehr Grün und Erholung in die Stadt geholt.

Ein Kontrast ist die österreichische Bundeshauptstadt. Dr. Wolfgang Förster, Leiter der Abteilung Wiener Wohnbauforschung, zeigte, dass für die dortige Wohnungspolitik vor allem der öffentlich geförderte Wohnungsbau wichtig ist. Die Stadt versucht, Rahmenbedingungen und Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu erkennen und gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Aspekte zu vernetzen. Dazu zählt, gesellschaftlich benachteiligten Gruppen Wohnraum anzubieten, die Anforderungen des Klimaschutzes zu berücksichtigen, in den Quartieren Arbeitsplätze zu schaffen und die Wohnqualität zu steigern.

Ein Schwerpunkt der Tagung war die Frage der Kostenwahrheit bei der Wohnstandortwahl. Welche tatsächlichen Kosten fallen an, wenn man in der Stadt wohnt oder in das Umland zieht? Hintergrund ist, dass Bau- und Umzugswillige oft nur kurzfristige Kosten für das Haus und das Grundstück betrachten, sie aber Mobilitätskosten, Zeitaufwand für zurückzulegende Wege oder ihre sich verändernden Bedarfe an Infrastruktureinrichtungen außer Acht lassen. Bezieht man diese mit ein, kann die Stadt trotz höherer Miete oder Grundstückskosten langfristig deutlich kostengünstiger und attraktiver sein. Das ISP der Fachhochschule Erfurt stellte dazu die Ergebnisse des Forschungsprojekts "KomKoWo - Kostenwahrheit bei der Wohnstandortwahl" vor, welches das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms REFINA "Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement" gefördert hat. Unter Leitung von Professor Heidi Sinning hat das ISP eine Entscheidungshilfe zur Wohnstandortwahl für Privathaushalte entwickelt.

Nähere Infos: Prof. Sinning Tel.: 0361 6700 -375, sinning@fh-erfurt.de

Roland Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-erfurt.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Wirbel als Räder der Natur
28.03.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Stadtplanung im Klimawandel: HafenCity Universität Hamburg entwickelt Empfehlungen
24.03.2017 | HafenCity Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE