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Santiago de Chile als Labor der Megastadt von morgen

17.03.2009
Bundesministerin Schavan besuchte Helmholtz-Forscher

Im Rahmen der Initiative "Risk Habitat Megacity" untersuchen deutsche und chilenische Forscher zurzeit, welche Chancen und Risiken die Megastädte Lateinamerikas für ihre weitere Entwicklung bieten.

Forschungsministerin Annette Schavan besuchte die Wissenschaftler vergangene Woche im Rahmen ihrer Lateinamerikareise und informierte sich aus erster Hand über den Stand des Projektes. Wissenschaftler aus fünf Helmholtz-Zentren erforschen zusammen mit chilenischen Kollegen der Universidad de Chile, der Pontificia Universidad Catolica und der UN-Kommission CEPAL die Dynamik und Komplexität des Wachstums der Hauptstadt Santiago de Chile.

In Lateinamerika ist die Verstädterung ähnlich weit fortgeschritten wie in Europa - schon mehr als drei Viertel der Einwohner leben in Städten.

Andererseits ist der Übergang in eine Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft noch nicht vollzogen: So tragen zum Beispiel in Chile vor allem Kupferabbau und Fischfarmen zur Wirtschaftskraft des Landes bei. Auch deshalb ist Santiago de Chile ein geradezu ideales Labor für die interdisziplinär angelegte Helmholtz-Initiative. "Santiago ist vielen Megastädten in Schwellenländern Jahrzehnte voraus, hier können wir einen Blick in die Zukunft werfen", erklärt der Projekt-Koordinator Dr. Dirk Heinrichs vom UFZ.

Während ihrer Lateinamerikareise hat sich Forschungsministerin Annette Schavan nun vor Ort ein Bild von der Arbeit der Wissenschaftler gemacht. Gemeinsam mit einer deutschen Delegation besuchte sie mit der Kommune Peñalolén einen Ort, an dem sich gleich mehrere Forschungsfelder der Helmholtz-Initiative veranschaulichen ließen. Hier begrüßten sie gemeinsam die leitende deutsche Wissenschaftlerin Sigrun Kabisch und der Bürgermeister der Kommune Rogelio Zuñiga und beschrieben die hiesige, komplexe Problemlage. Anschließend konnten vier deutsche und chilenische Doktoranden ihre konkreten Projekte zu Hochwasserrisiken, innovativer Regenwassernutzung, der Existenz unterschiedlicher Baustrukturen in unmittelbarer Nachbarschaft und den daraus resultierenden sozialen Spannungen vorstellen. Gleichzeitig wurde der Bezug zur praktischen Umsetzung der Forschung deutlich: "Wir zeigen gerne was wir haben und was uns fehlt, damit man uns sagen kann, was wir besser machen können", erklärte ein Lokalpolitiker. Die Ministerin zeigte sich von der engen Verbindung von Wissenschaft und Praxis beeindruckt: "Hier geht Forschung unmittelbar ein in so etwas wie kommunalpolitische Entwicklungspläne und manches von dem, was hier untersucht wird, ist dann natürlich auch sehr gut übertragbar auf andere Megacities."

Ein Ziel der Initiative sind realistische Szenarien für verschiedene Entwicklungswege, in denen u. a. der Ressourcenverbrauch an Fläche, Energie und Wasser berücksichtigt werden. Zu deren Diskussion sind für Anfang April Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen zu einem Workshop in Chiles Hauptstadt eingeladen. Letztlich sollen gemeinsam Handlungsempfehlungen für die Entscheidungsträger erarbeitet werden. Ein Schwerpunkt des Projektes liegt darüber hinaus in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Neben zwölf lateinamerikanischen Doktoranden promovieren derzeit acht deutsche Nachwuchswissenschaftler verschiedener Fächer über den "Risiko-Lebensraum Megastadt". Durch ihre Mitarbeit erhalten sie die Möglichkeit, disziplinübergreifend in einem groß angelegten, internationalen Projekt Erfahrungen zu sammeln.

Santiago hat mit zahlreichen Umweltproblemen zu kämpfen. Dazu gehören die Verschmutzung der Flüsse, eine schlechte Luftqualität, Probleme bei der Abfallbeseitigung, Defizite im öffentlichen Personennahverkehr und eine starke Verkehrsbelastung. In der Region um die Hauptstadt Chiles leben rund sechs Millionen Menschen. Das sind etwa 40 Prozent aller Chilenen. Die Stadt ist das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Santiago de Chile liegt in einem Talkessel, umgeben von den Gipfeln der Anden am Fluss Rio Mapocho.

Ende 2010 sollen einzelne Elemente einer Strategie für eine nachhaltige Entwicklung in Santiago vorgelegt werden. Im weiteren Verlauf wollen die Projektpartner von 2010 bis 2013 auch andere Städte Lateinamerikas in die Forschung mit einbeziehen und gewonnene Lösungsansätze auf ihre Übertragbarkeit prüfen. Eine vergleichende Studie über den Entwicklungsstand von sechs großen Metropolen Lateinamerikas wie Sao Paulo, Mexico-City, Bogota, Lima, Buenos Aires und Santiago de Chile ist zusammen mit der UN-Wirtschaftskommission CEPAL ebenfalls in Arbeit.

Weitere fachliche Informationen:
PD Dr. Sigrun Kabisch, Dr. Dirk Heinrichs
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1237, -1739
http://www.ufz.de/index.php?de=1645
http://www.ufz.de/index.php?de=5637
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de
Weiterführende Links:
Helmholtz-Initiative "Risk Habitat Megacity":
http://www.risk-habitat-megacity.ufz.de/
International Conference
"Megacities: Risk, Vulnerability and Sustainable development"
7-9 September 2009, Leipzig, Germany
http://www.megacity-conference2009.ufz.de/
Stadtverwaltung Santiago de Chile:
http://www.municipalidaddesantiago.cl/
Regionalregierung:
http://www.gobiernosantiago.cl/
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Tilo Arnhold | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=17807

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