Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Quartiertypologie - Ein neues Bild der Schweizer Städte

22.12.2008
Das NFP 54 legt eine städtische Quartiertypologie vor

Eine im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Nachhaltige Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung" (NFP 54) erarbeitete Quartiertypologie ermöglicht, die Quartiere der Schweizer Städte analog zu den Gemeinden darzustellen und in ihrer demografischen und städtebaulichen Entwicklung zu beobachten. Ein Resultat besagt, dass die Städte bezüglich der sozialen Durchmischung grosse Unterschiede aufweisen.

Die Auswertung statistischer Daten auf der Ebene der Gemeinde, wie sie für zahlreiche Analysen verwendet wird, kann die innere Struktur der bevölkerungsreichen Stadtgemeinden nicht abbilden. So erscheint in der kartografischen Darstellung die Stadt Zürich als "Wasserkopf" am Ende des Zürichsees, obwohl die Unterschiede innerhalb der Stadt weit grösser sind als in den benachbarten Agglomerationsgemeinden.

Mit dem Ziel, die städtischen Quartiere bei der statistischen Analyse wie die Gemeinden zu behandeln, hat das Forschungsteam um Martin Schuler von der ETH Lausanne eine Quartiertypologie entwickelt. Sie umfasst 13 Kategorien, darunter die Typen metropolitanes Cityquartier, touristisches und reiches Quartier. Die Anwendung der Typologie auf die 17 grössten Schweizer Städte bringt Überraschendes zu Tage. Im Norden Zürichs beispielsweise zeichnet sich auf der Achse Glatttal-Zürich-Limmattal deutlich ein dichtes Arbeitsplatzgebiet ab, während sich die Zürcher "Goldküste" in den reichen Stadtzürcher Quartieren wie Witikon oder Zürichberg fortsetzt.

Unterschiedliche Segregation
Die Analyse der Bevölkerungsverteilung auf der Basis ihrer nationalen Herkunft zeigt etwa, dass Deutsche, Italiener und Nordeuropäer in reichen Quartieren besonders stark vertreten sind, in den Stadtrand-Quartieren der Grossstädte neben Deutschen und Italienern auch Franzosen, Spanier, Portugiesen sowie Personen aus Ex-Jugoslawien wohnen. Verteilen sich Deutsche und Italiener eher gleichmässig über die verschiedenen Stadtquartiere, konzentriert sich die Bevölkerung aus Nordeuropa, Asien, Spanien, Portugal und Ex-Jugoslawien auf einzelne Quartiertypen.

Dabei bestehen zwischen den Städten deutliche Unterschiede. Besonders hoch ist die Segregation bestimmter Nationalitäten in Luzern, Basel und Bern. Hier ist auch die Absonderung hinsichtlich der Altersstruktur der Bevölkerung besonders ausgeprägt, ganz im Gegensatz zu Genf. Lausanne und Winterthur weisen vor allem in Bezug auf die Nationalitäten gut durchmischte Quartiere auf.

Lärmgeplagte Spitäler
Grosse Unterschiede zwischen den Quartiertypen bestehen auch hinsicht-lich der Einwohnerdichte. In den dichten Wohnquartieren am Rande der Citys leben im Durchschnitt doppelt so viele Menschen wie in den reichen Quartieren oder am Stadtrand. Ausserordentlich dicht wohnt man in Basel, Lausanne und Genf, während Bern und Winterthur eine lockere Wohnbaustruktur aufweisen. Die Belastung durch den Strassenlärm erreicht in Heim- und Spitalquartieren Spitzenwerte. Besonders ruhig ist es aber nicht etwa in den reichen Quartieren, sondern in den Wohnquartieren am Stadt-rand. Diese beiden Quartiertypen weisen die besten Umwelt- und Lebensbedingungen auf.

Die durch die Quartiertypologie ermöglichten Analysen können für Stadtplanung und Städtemanagement ein wertvolles Instrument werden. Dank ihnen können sich die Behörden ein genaueres Bild der anzustrebenden Siedlungsdichte machen.

Kontakt:
Prof. Martin Schuler
ETH Lausanne
Communauté d'études pour l'aménagement du territoire (Ceat)
1015 Lausanne
Tel.: 021 693 34 24
E-Mail: martin.schuler@epfl.ch

| idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.epfl.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Schaltbare Flüssigkeiten verbessern Energieeffizienz von Gebäuden
16.01.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Mit mikroskopischen Luftblasen dämmen
15.01.2018 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie