Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Architektur und Design gegen multiresistente Erreger

15.11.2016

Forschungsprojekte zum baulichen Infektionsschutz im Krankenhaus

Wie Architektur und Design die Ausbreitung multiresistenter Erreger im Krankenhaus beeinflussen können, untersuchen Architekten der Technischen Universität Braunschweig in einem neuen Forschungsprojekt. Außerdem sind sie an der Entwicklung flexibler Isolierbereiche für Patienten mit seltenen, hochansteckenden und lebensbedrohlichen Erkrankungen beteiligt. Gefördert werden die beiden Forschungsprojekte mit einer Gesamtsumme von rund 2,9 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

„Architektur und Design können Leben retten, wenn baulicher Infektionsschutz bei der Planung und dem Betrieb von Krankenhäusern berücksichtigt wird. Erstmals werden zuverlässige Daten für die Ausbreitung von Mikroorganismen im Krankenhaus erhoben und in die Entwicklung und den Bau eines Musterzimmers eingehen“, erklärt Wolfgang Sunder vom Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen der TU Braunschweig zum Forschungsprojekt „KARMIN“.

Patienten sollen ein Krankenhaus gesünder verlassen, als sie es betreten haben. Dafür forschen auch die Architekten Wolfgang Sunder und Jan Holzhausen vom Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen (IIKE) von Prof. Carsten Roth an der TU Braunschweig. Sie sind Experten für baulichen Infektionsschutz und beeinflussen mit Hilfe von Architektur und Design die Ausbreitung von Mikroorganismen.

In einem Forschungsprojekt untersuchen sie nun, wie mit multiresistenten Erregern infizierte Patienten sicher und sinnvoll untergebracht werden können. Bislang besteht die Forderung, die betroffenen Patienten in Einzelzimmern zu isolieren. Gemeinsam mit ihren Projektpartnern aus Wissenschaft und Praxis wollen sie herausfinden, ob dies auch in Zweibettzimmern gelingen kann.

Das Team geht davon aus, dass die meisten Erreger nicht nur durch die Luft, sondern vor allem durch Kontakt übertragen werden. Besondere Bedeutung komme vor allem den Sanitäranlagen zu. Jan Holzhausen erklärt: „Ist eine sichere Unterbringung der Patienten in Zweibettzimmern möglich, könnte eine Vielzahl von Bestandszimmern umgebaut und bereits bekannte Betriebsaufläufe beibehalten werden.“ Geplant und gebaut wird außerdem ein Musterzimmer, an dem entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden. Zudem werden erstmals zuverlässige Daten dafür erhoben, wie Mikroorganismen einen Krankenhausneubau besiedeln.

Sichere Behandlung von hochansteckenden Krankheiten

Ihre Expertise auf dem Gebiet des baulichen Infektionsschutzes bringen die Braunschweiger Architekten in einem weiteren Forschungsprojekt ein. Unter der Leitung der Informationsstelle des Bundes für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene am Berliner Robert Koch-Institut (RKI) arbeiten sie an der Entwicklung eines flexiblen Isolierbereiches für die Behandlung seltener, hochansteckender und lebensbedrohlicher Krankheiten. Im Ergebnis des Forschungsprojekts soll ein Prototyp für einen temporären Isolierbereich gebaut sein. Dieser soll als Vorbild für Krankenhäuser dienen, in denen zukünftig Patienten adäquat in entsprechenden Sonderisolierbereichen behandelt werden können.

Zu den Forschungsprojekten „KARMIN“ und „EKOS“

Das Forschungsprojekt „KARMIN - Untersuchungen zum Einfluss der Architektur und des Designs auf das Auftreten von nosokomialen Infektionen und multiresistenten Erregern und zur Besiedlung eines neuen Krankenhauses mit Mikroorganismen“ unter der Leitung von Wolfgang Sunder, Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen (IIKE), Prof. Carsten Roth, der TU Braunschweig wird vom 01. Oktober 2016 bis zum 30. September 2019 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Summe von rund 1,3 Millionen Euro (davon rund 450.000 Euro TU Braunschweig) gefördert.

Das Forschungsprojekt „EKOS - Entwicklung eines neuartigen Konzepts zur Sicherstellung der infektiologisch-medizinischen Versorgung von seltenen, hochkontagiösen und lebensbedrohlichen Erkrankungen in Schwerpunktkrankenhäusern“ unter Leitung des Robert Koch-Instituts Berlin wird vom 01. Juli 2016 bis zum 30. Juni 2019 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Summe von rund 1,6 Millionen Euro (davon rund 200.000 Euro TU Braunschweig) gefördert.

Die Forschungsprojekte werden im Rahmen der Fördermaßnahme „Zwanzig20“ des BMBF gefördert und sind Teil des Forschungsverbundes „InfectControl 2020“ mit einer Gesamtfördersumme von 45 Millionen Euro. Die Projektpartner sind:

„KARMIN“
TU Braunschweig, Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen
Röhl GmbH Blechbearbeitung
Universitätsklinikum Jena, Septomics Research Group
Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Hygiene und Umweltmedizin
Sana Kliniken AG und Sana Immobilien Service GmbH

„EKOS“
Robert Koch-Institut, Informationsstelle des Bundes für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene
FU Berlin, Institut für Tier- und Umwelthygiene
TU Braunschweig, Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen
FSU Jena, Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation
TU Berlin, Herman-Rietschel-Institut
Nordwest GmbH & Co KG
Klinikum Chemnitz GmbH

Weitere Informationen
Homepage des Forschungsverbundes „InfectControl 2020 – Neue Antiinfektionsstrategien – Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft“

Kontakt
Dipl.-Ing. Architekt Wolfgang Sunder
Dipl.-Ing. Architekt Jan Holzhausen
Technische Universität Braunschweig
Institut für Industriebau und Konstruktives Entwerfen (IIKE)
Pockelsstraße 3
38106 Braunschweig
Telefon: 0531/391-2544
E-Mail: w.sunder@tu-braunschweig.de

www.tu-braunschweig.de/iike

Weitere Informationen:

https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-post/mit-architektur-und-design-gegen-mult...
http://www.infectcontrol.de/de/

Stephan Nachtigall | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Roboterzelle bereichert Forschung zur Holzbearbeitung
17.11.2017 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Innovatives Sonnenhauskonzept des ISFH erreicht 20% Mehrertrag bei 35% geringeren Kosten
24.10.2017 | Institut für Solarenergieforschung GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte