Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleinstädte in ländlichen Regionen: Welche Potenziale hat die Peripherie?

17.06.2014

Kleinstädte und periphere Regionen – dies weckt Assoziationen einer doppelten Bedeutungslosigkeit: die geringe Größe der Städte erschwert eine überregionale Bekanntheit, die periphere Lage abseits der großen Städte und Ballungsräume schränkt die Entwicklungschancen stark ein.

Ein Blick in die Statistiken bestätigt, dass Kleinstädte in peripheren Regionen besonders stark von den Problemen des demografischen Wandels und der wirtschaftlichen Strukturschwäche betroffen sind. Ein positiver Blick nach vorne fällt da schwer. In einem Themenheft des Institutsmagazins „IRS aktuell“ zeigen Forscher aber, dass Potenziale vorhanden sind und genutzt werden können.


Quo vadis? Die Handlungsspielräume der gut 1.300 Kleinstädte in Deutschland sind gering. Doch in den Bereichen Lebensqualität, Tourismus oder Energie gibt es Potenziale, zeigt eine Studie des IRS.

Foto: Agenturfotograf/istockphoto.com

Die Begriffe Kleinstadt und Peripherie verweisen auf die beiden wesentlichen Ursachen für die großen Herausforderungen dieses Siedlungstyps: Größe und Lage engen den Spielraum der Lokalpolitik ein und machen Kleinstädte anfällig für die Probleme, die durch den demografischen Wandel und die wirtschaftliche Strukturschwäche hervorgerufen werden.

Bevölkerungs- und Beschäftigungsrückgang, Arbeitslosigkeit, niedrige Kaufkraft, zentralörtliche Funktionsverluste und der Abbau von sozialen und technischen Infrastrukturen sind einige der Probleme, mit denen periphere Kleinstädte häufig zu kämpfen haben. „Diese negativen Entwicklungsdynamiken sind beileibe kein Randphänomen in Deutschland“, betont Dr. Manfred Kühn, kommissarischer Leiter der Forschungsabteilung „Regenerierung von Städten“ des IRS.

Es gibt insgesamt 1.303 Städte unter 20.000 Einwohnern in peripheren Lagen, in mehr als 1.200 sinkt die Bevölkerungszahl. Insgesamt rund 11,7 Millionen Menschen (14% der Gesamtbevölkerung) wohnen in peripheren Kleinstädten.

Ein ausschließlich negatives Bild zu zeichnen, ist aufgrund der Erkenntnisse von Kühn und seinen Kollegen am IRS jedoch nicht adäquat. „Wir haben mehrere Hebel identifiziert, mit Hilfe derer die Städte die Kontrolle über ihre Entwicklungsprozesse zurückerlangen können“, so Kühn. Dies könne gelingen, wenn die vermeintlichen Lagenachteile in Potenziale umgedeutet werden und bestehende Fördermöglichkeiten und Vernetzungsinitiativen kreativ genutzt werden. Potenziale der peripheren Lage sieht eine Studie, die Kühn im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gemeinsam mit Kollegen erarbeitet hat, beispielsweise in den städtebaulichen Qualitäten, die zu einem attraktiven Wohnumfeld beitragen, im Tourismus und der Energiewirtschaft (siehe dazu den Beitrag ab Seite ##).

Aber auch Fördertöpfe wie das Programm Stadtumbau Ost können Kleinstädten in peripherer Lage helfen, den vermeintlichen Teufelskreis zu durchbrechen. „In der Bundestransferstelle haben wir einige Städte wissenschaftlich begleitet, die Fördermittel innovativ und zielgerichtet eingesetzt haben, um die genannten Potenziale zu stärken“, sagt Dr. Anja Nelle, Leiterin der Transferstelle.

Die aktuelle Ausgabe des Institutsmagazins „IRS aktuell“ bietet einen Überblick über die IRS-Forschungen zur Zukunft von Kleinstädten im ländlichen Raum. Kleinstädte fristen auch in der raumbezogenen Forschung ein Schattendasein, da sie zwischen den klassischen Raumtypen von „Stadt“ und „Land“ liegen. Die Stadtforschung interessiert sich für die Metropolen und Großstädte, die als Zentren des Wissens, der Kreativität und Innovationen gelten. Die Forschung zum ländlichen Raum beschäftigt sich traditionell mit Fragen der Agrar-, Dorf- und Regionalentwicklung. Das IRS hat jedoch – in unterschiedlichen Zusammenhängen – Forschungen zu peripheren ländlichen Kleinstädten durchgeführt und Erkenntnisse über ihre Probleme und Handlungsoptionen gewonnen.

Aus dem Inhalt des Heftes:
- Kleinstädte in ländlichen Regionen: Studie zu den Potenzialen der Peripherie
- Trendsetter: Innovativer Stadtumbau in Brandenburger Kleinstädten
- Vernetzung: Kleinstädte im europäischen Kontext
- Macht und Ohnmacht: Kleinstädte in der DDR

Kontakt:
Dr. Manfred Kühn
Komm. Leiter der Forschungsabteilung „Regenerierung von Städten“ des IRS
Tel: 03362/793-238
Mail: kuehnm@irs-net.de

Jan Zwilling | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.irs-net.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen
23.03.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Neues Mehrfamilienhaus-Konzept vom Ökohaus-Pionier
21.03.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen