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Forschung für Niedrigstenergiegebäude europaweit auf dem Vormarsch

04.02.2014
Um Treibhausgasemissionen zu senken, muss unter anderem der Energieverbrauch für die Heizung und Kühlung von Gebäuden deutlich verringert werden.

Dabei machen die unterschiedlichen Klimazonen in der Europäischen Union verschiedene Ansätze notwendig. Im EU-geförderten Projekt ENTRANZE untersuchen zehn europäische Projektpartner, welche Technologien sich für welches Land eignen und wie sie sich am besten auf dem Markt durchsetzen lassen.

Die wissenschaftlichen Publikationen werden durch ein interaktives Tool sowie einen aktuellen Podcast ergänzt. In Deutschland sind das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI sowie das Öko-Institut an ENTRANZE beteiligt.

Um die ambitionierten europäischen Klimaziele – Reduktion der Treibhausgase und mehr Einsatz von erneuerbaren Energien – zu erreichen, ist es sinnvoll, bei Gebäuden anzusetzen: In Industrieländern werden etwa 40 Prozent der Gesamtenergie für das Heizen und Kühlen von Gebäuden verbraucht.

Im Projekt ENTRANZE (Policies to ENforce the TRAnsition to Nearly Zero-Energy buildings in Europe) liefern die Projektpartner unter anderem eine Datengrundlage für Niedrigstenergiegebäude, die keine Energie verschwenden und hauptsächlich aus erneuerbaren Energiequellen versorgt werden.

Doch mit welchen Technologien dieses Ziel erreicht werden kann, ist vor allem eine Frage des Standorts: So amortisiert sich eine gute Wärmedämmung in Finnland schneller als in Italien, während Sonnenkollektoren eher in Südeuropa sinnvoll sind.

Im Projekt ENTRANZE werden unter Einbeziehung der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen politische Maßnahmen, Gesetze und Anreize studiert und analysiert. Damit wird aufgezeigt, wie man politische Entscheidungen am besten unterstützt, um die für das Land passenden Instrumente zur Förderung von Niedrigstenergiegebäuden sowie Wärme- und Kältegewinnung aus erneuerbaren Energien zu wählen.

Die bisherigen Ergebnisse wurden in mehreren Publikationen zusammengefasst. Beispielsweise wurden Politikinstrumente für die Modernisierung von Gebäuden (http://www.entranze.eu/publications/innovative-policy-sets-for-nzeb) – von "harten" Regulierungsmaßnahmen über verschiedene finanzielle Förderansätze bis hin zu "sanften" Anreizsystemen – untersucht. Als besonders innovativ und wirkungsvoll bewertet der Autor Veit Bürger vom Öko-Institut die sogenannte Klimaabgabe. Bei dieser müssten Hauseigentümer je nach energetischem Zustand ihres Gebäudes eine in der Höhe gestaffelte Abgabe bezahlen. Die daraus resultierenden Einnahmen würden ein Förderprogramm finanzieren, das diejenigen Hauseigentümer unterstützt, die ihr Gebäude auf einen vorgegebenen energetischen Mindeststandard modernisieren.

In einer weiteren Untersuchung wurden die Politikmaßnahmen der EU-Mitgliedsstaaten zur Erhöhung der Anzahl von Niedrigstenergiegebäuden (http://www.entranze.eu/publications/building-policies-and-programs) dokumentiert und bewertet. Autorin Tanja Kenkmann vom Öko-Institut betont: "Die bisherigen Anstrengungen der EU-Staaten reichen noch nicht aus, um die energetische Qualität der Gebäude bis hin zum Niedrigstenergiegebäude wirklich signifikant zu erhöhen." Zur Erreichung der EU-Ziele seien weitergehende Maßnahmen erforderlich. Hier will das Projekt ENTRANZE ansetzen und für politische Entscheidungsträger Handlungsempfehlungen erarbeiten.

Im Rahmen einer Literaturstudie wurden energiewirtschaftliche Simulationsmodelle für den Gebäudesektor (http://www.entranze.eu/publications/energy-economic-models) untersucht. Der Autor Jan Steinbach vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI stellt hier wissenschaftliche Ansätze vor, mit denen das Verhalten der Entscheidungsträger sowie Barrieren im Entscheidungs- und Investitionsprozess bei der Erstellung von Energieprognosen berücksichtigt werden können. Auf einer Konferenz in Kiew präsentierte Jan Steinbach kürzlich die in Deutschland eingesetzten Instrumente und Erfahrungen (http://www.entranze.eu/news/entranze-project-in-kiev).

Als Ergebnis von ENTRANZE können die Entscheidungsträger aber nicht nur Analysen lesen, sondern sich auch interaktiv informieren: Die End Use Efficiency Research Group vom Politecnico di Milano hat zum Beispiel ein Tool für Marktteilnehmer, Politikentscheider und Experten (http://www.entranze.eu/tools/interactive-data-tool) entwickelt, mit dem sich der Effekt von verschiedenen Maßnahmen für unterschiedliche Gebäudetypen prognostizieren lässt. Dabei werden unter anderem die Klimazone, verschiedene Energiepreis-Szenarien und unterschiedliche Generationen erneuerbarer Energien einbezogen. Die umfangreiche Datengrundlage erleichtert die Auswahl kostenoptimaler Lösungen für Niedrigstenergiehäuser in Europa.

Weiterhin wurde von der Fraunhofer-Gesellschaft ein Podcast über ENTRANZE (http://www.fraunhofer.de/content/dam/zv/de/audio/2013/fraunhofer-europa-packt-haeuser-ein.mp3) produziert, in dem unter anderem der in neun europäischen Ländern angetriebene Politikberatungsprozess beleuchtet wird.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter http://www.entranze.eu.

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de
http://www.entranze.eu

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