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Adaptroniker entwickeln günstiges Schutzsystem für zu Hause – DBU gibt 320.000 Euro

12.04.2012
Mehr Autos, mehr Flugzeuge, mehr Krach: „Lärm ist für viele Menschen das Umweltproblem Nummer eins und ein ernstzunehmender Stressfaktor, der krank machen kann.

Dank des neuen Schall-Blockers sollen Lärm-Geplagte auch bei offenem Fenster ruhig schlafen oder konzentriert arbeiten können“, sagte heute Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).


Der Unmut über Verkehrslärm ist bei vielen Anwohnern groß. Mit dem neuen Schall-Blocker der Firma Adaptronics International sollen Störgeräusche künftig direkt an der Fensteröffnung abgefangen und ausgelöscht werden. Die DBU fördert nach der Forschungsphase nun auch die technische Umsetzung des Geräts.


Der einfallende Störschall wird durch ein Mikrofon aufgenommen und elektronisch verarbeitet. Mit Hilfe eines Lautsprechers wird ein Gegenschall erzeugt. Das Ergebnis ist Stille.
© Helmut-Schmidt-Universität Hamburg

Die DBU fördert mit 320.000 Euro ein Modellprojekt der Firma Adaptronics International (Hannoversch Münden), die gemeinsam mit Mechatronikern der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg an der Produktreife eines Schall-Blockers arbeitet, der beispielsweise Verkehrslärm direkt am Fenster abfängt und durch einen Gegenschall auslöscht.

Ähnliche Audiosysteme - in Konzertha llen oder Kinosälen - seien für den Hausgebrauch zu teuer. Im Projekt soll eine kostengünstige Alternative technisch umgesetzt werden. Die DBU förderte auch die Forschungsphase der Technologie mit rund 180.000 Euro.

"Schall wird dort abgefangen, wo er eintritt"

„Das Besondere an dem neuem Schutzsystem ist, dass der Schall-Blocker nahe genug an der ‚Störquelle‘ eines Raumes, also dem Fenster, angebracht werden kann. Der Schall wird also direkt dort abgefangen, wo er eintritt“, erklärte Andreas König, Projektleiter bei Adaptronics. Die Schallwellen, die zum Beispiel durch einen vorbeiratternden Zug entstehen, würden bereits in der Fensteröffnung durch einen Gegenschall ausgelöscht. Dafür werde der einfallende Störschall durch ein Mikrofon aufgenommen, elektronisch verarbeitet und mit Hilfe eines Lautsprechers ein Gegenschall erzeugt. Dies gelinge aber nur, wenn zwei gleich starke, entgegengesetzt gerichtete Schallwellen aufeinandertreffen. Bildlich gesprochen: ein Schallwellenberg muss genau auf ein Schallwellental treffen, damit Ruhe einkehrt.

Technik optimieren und preiswerte Gesamtlösung entwickeln

Noch sind Gegenschallmaßnahmen laut König mit einem hohen technischen Aufwand verbunden. Die einzelnen Komponenten müssten aufwändig installiert und aufeinander abgestimmt werden. Im Rahmen des Projekts soll die Technik so optimiert werden, dass mit möglichst kostengünstigen und großserienverfügbaren Bauteilen eine preiswerte Gesamtlösung entwickelt werden kann.

Der einfallende Störschall wird durch ein Mikrofon aufgenommen und elektronisch verarbeitet. Mit Hilfe eines Lautsprechers wird ein Gegenschall erzeugt. Das Ergebnis ist Stille.

Lästige Störgeräusche müssen draußen bleiben

Schon in der Forschungsphase der Technologie wurde untersucht, wie sich Störgeräusche innerhalb eines bestimmten Radius durch Gegenschall auslöschen lassen. Laborversuche hatten gezeigt, dass sich zum Beispiel Lärm am Kopfende eines Bettes durch zwei in die Matratze integrierte Mikrofone und zwei Gegenschalllautsprecher um bis zu 20 Dezibel verringern lasse, was subjektiv als nahezu vollständiger Wegfall des Störsignals empfunden werde. Das Problem: Geräusche außerhalb der Ruhezone – wie das Klingeln eines Weckers – konnten ebenfalls nicht mehr gehört werden. Und wenn die schlafende Person ihre Position veränderte, gab es auch Schwierigkeiten. Mit dem neuen Schall-Blocker seien diese Probleme gelöst, da lästige Störgeräusche nun ganz draußen bleiben müssten.

Jeder Mensch empfindet Lärm anders

Das Hörvermögen des menschlichen Ohres reiche von etwa 20 Hertz bis 20 000 Hertz, erklärte Dr.-Ing. Jörg Lefèvre, Referatsleiter für umwelt- und gesundheitsfreundliche Verfahren und Produkte bei der DBU. Vor allem Schallwellen im Bereich tiefer, aber auch mittlerer Frequenzen (100 Hertz bis 400 Hertz), was tiefen und mittleren Tönen entspreche, seien technisch bisher schwer zu beherrschen gewesen. Gehe es zudem um komplexere Geräusche, wie beispielsweise bei einem LKW, blieben aktive Systeme bislang fast machtlos. Jeder Mensch empfinde und bewerte Lärm anders. Selbst identische Geräusche würden von verschiedenen Personen als unterschiedlich lästig wahrgenommen. Ein Wasserfall in einer idyllischen Bergwelt werde im Gegensatz zu einer vielbefahrenen Autobahn als entspannend beurteilt, obwohl beide ähnliche Lärmpegel haben könnten.

Ansprechpartner für Fragen zum Projekt (AZ 29877): Andreas König, Projektleiter, Telefon 04181/3003972, Telefax 04181/3003969

Andreas König | DBU-Presseabteilung
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

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