Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Software-App für optimale Düngergabe

09.11.2017

Eine Forschungsgruppe aus dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V., dem Start-up CybeleTech sowie dem französischen Nationalen Institut für Agrarforschung (INRA) arbeitet gemeinsam mit weiteren Praxispartnern an der Entwicklung einer Software-App für die Landwirtschaft. Das am 1. Oktober 2017 gestartete EU-Projekt „BARLEY IT“ soll Landwirten dabei helfen, die optimale Menge für die letzte Düngergabe zu ermitteln, denn diese hat entscheidenden Einfluss auf die Endqualität der Braugerste.

Gerste wird in Europa überwiegend als Futtermittel verwendet. In Deutschland und Frankreich wird ein großer Anteil jedoch gezielt für den Brauprozess angebaut. Braugerste ist für die Landwirtschaft attraktiver, denn die Preise am Markt sind höher. Trotzdem sind die Anbauflächen in den letzten Jahren stark rückläufig.


Anhand der Farbe können die Forschenden den Stickstoffgehalt bestimmen.

CCO Creative Commons

Ein Grund: Für die Bierherstellung muss der Proteinanteil zwischen 9,5 und 11,5 Prozent liegen. Der Landwirt kann dies durch Düngung gezielt beeinflussen. Die eingesetzte Stickstoffmenge muss aber exakt stimmen, sonst endet die Gerste als Futtermittel.

Dies gestaltet sich in der Praxis zunehmend schwierig, denn durch den Klimawandel wächst der Anteil an Kohlendioxid in der Luft. Dies führt zu einem geringeren Proteingehalt in den Getreidekörnern, was sich wiederum negativ auf die Backqualität bei Broten, oder auch die Schaumentwicklung bei Bieren auswirkt.

Hier setzt das EU-Projekt „BARLEY IT“ an, in dem sich das ZALF, das französische Start-up-Unternehmen CybeleTech, das Institut national de la recherche agronomique (INRA) sowie weitere Praxispartner zusammengeschlossen haben.

Das Projekt ist Teil der Climate-KIC-Initiative, Europas größtem öffentlich-privaten Netzwerk für Innovationen gegen den Klimawandel. Das gemeinsame Ziel: die optimale Menge der letzten Stickstoffgabe vor der Ernte der Braugeste zu ermitteln. Hierzu sollen die Analyseergebnisse von Modellierungs- und Fernerkundungsdaten in einer Sofware-App gebündelt werden.

Einen Teil der benötigten Daten liefert eine neue Satellitengeneration − die sogenannten Sentinels. Mit ihrer Hilfe kann der aktuelle Chlorophyllgehalt der Pflanzen, der grüne Blattfarbstoff, bestimmt werden. „Auf den Satellitenfotos können wir erkennen, in welchem Versorgungsbereich die Pflanze liegt und durch kontrollierte Stickstoffgabe nachjustieren“, sagt Dr. Claas Nendel, Spezialist für landwirtschaftliche Wachstumssimulationen am ZALF.

„Ist die Pflanze dunkelgrün, ist der Stickstoffgehalt zu hoch; ist die Pflanze gelblich, ist er zu niedrig.“ Während die Gerste auf den Versuchsfeldern wächst, simuliert das Team um Dr. Nendel das Wachstum am Computer nach – und speist die Simulation mit Beobachtungsergebnissen aus den Satellitendaten. So kann der Einfluss der Düngemenge der Qualitätsgabe auf die Endqualität vorausberechnet und die für den angestrebten Proteingehalt der Gerste günstigste Empfehlung bestimmt werden.

Das Ergebnis soll dann in einem nächsten Schritt über mobile Endgeräte, zum Beispiel direkt auf dem Tablet des Landwirts, abrufbar sein. Dazu muss das Forschungsprojekt nun aber erst beweisen, dass der Analyseansatz in der Kombination aus Fernerkundung und Modellierung funktioniert. Hierzu finden in den nächsten zwei Jahren Experimente auf den Praxisflächen der französischen Kooperativen statt, die in das Projekt eingebunden sind.

Weitere Informationen:

http://www.zalf.de

Hendrik Schneider | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?
29.11.2017 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Maisschädling schlägt Mais mit dessen eigenen Waffen
27.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Im Focus: Auf dem Weg zum Nano-Datenspeicher

Die Miniaturisierung der bisher in Speichermedien verwendeten Technologie stößt mittlerweile auf fundamentale quantenmechanische Grenzen. Ein neuer Ansatz besteht darin, sogenannte Spin-Crossover-Moleküle als kleinste Speichereinheit zu verwenden. Ähnlich wie in herkömmlichen Festplatten können sie Informationen über ihren magnetischen Zustand speichern. Einem Forschungsteam der Universität Kiel ist es nun gelungen, solche Moleküle erfolgreich auf einer Oberfläche anzubringen und ihre Speicherkapazität zu verbessern. Die Speicherdichte herkömmlicher Festplatten ließe sich damit theoretisch um mehr als das Hundertfache erhöhen. Die Studie erschien in der Zeitschrift Nano Letters.

Speichermedien sind in den letzten Jahren kontinuierlich kleiner geworden und erlauben, mehr Daten auf gleichem Raum zu speichern. Doch die Miniaturisierung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

Forscher diskutieren über Demenz bei Kindern und Erwachsenen

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien aktivieren ihren eigenen Killer

07.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Bakterielle Biofilme detektieren und bekämpfen

07.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Solarenergie: Defekte in Kesterit-Halbleitern mit Neutronen untersucht

07.12.2017 | Energie und Elektrotechnik