Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rind- und Schaffleischproduktion – effizienter und dennoch ressourcenschonend

17.07.2013
Auf der agri benchmark Beef and Sheep Conference 2013 berieten internationale Experten / Produktionskosten zwischen den Ländern nähern sich an

Weltweit wächst die Nachfrage nach Fleisch, und mit ihr wächst die Sorge um die natürlichen Ressourcen: Weideflächen sind übernutzt, Preise für Futtermittel steigen. Kann die Produktion von Rind- und Schaffleisch mit dem steigenden Bedarf schritthalten, ohne die Umwelt zu sehr zu belasten?


Rinder auf einem Grünlandstandort in England
(© Katja Seifert, Thünen-Institut)

Mit dieser Frage setzten sich Experten auf der diesjährigen agri benchmark Beef and Sheep Conference auseinander, die vom 13. - 19. Juni in York (England) stattfand. Agrarökonomen aus 29 Ländern haben sich in dem internationalen agri benchmark-Netzwerk zusammengeschlossen.

Globalisierung – auch in der Rindfleischproduktion
In vielen Teilen der Welt wandeln sich die Bedingungen für die Aufzucht, Haltung und Verwertung von Rindern dramatisch. Die wachsende Nachfrage treibt die Fleischpreise, aber die Preise für Land und Futter steigen ebenso rasch. In Uruguay etwa, wo die Bodenpreise in zehn Jahren um das Siebenfache wuchsen, hat sich die Landnutzung gravierend gewandelt: Die Landpreise werden durch den vermehrten Anbau von Soja, Mais und Weizen getrieben, die Weidehaltung muss in Gebiete ausweichen, die für den Ackerbau nicht geeignet sind. Ähnlich ist es in Argentinien. Fast alle Staaten haben ihre an die Produktion gekoppelten Subventionen zurückgefahren und nur teilweise durch zielgerichtete Zahlungen, wie etwa für Umweltmaßnahmen, ersetzt. Als Folge dieser Entwicklungen ist die Wirtschaftlichkeit der Rindfleisch- und Schafproduktion in den typischen Betrieben, die von agri benchmark analysiert werden, gleich geblieben oder sogar zurückgegangen.

„Andererseits sehen wir, dass sich die Preis- und Kostenniveaus zwischen Europa und dem Rest der Welt in den letzten 10 Jahren immer mehr angeglichen haben“, sagt Claus Deblitz, Agrarökonom am Braunschweiger Thünen-Institut und Koordinator des agri benchmark Beef and Sheep Network. „Etliche Staaten in Asien, Nordafrika und im Mittleren Osten gehören inzwischen zu den Hochpreis- und -kostenländern.“ Das verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Produktion und verringert den Importdruck in Europa, weil die Exporteure sich zunehmend in die oben genannten Länder orientieren.

Schafe: China hat die meisten
Der australische Experte Peter Weeks zeigte globale Trends in der Schaffleischproduktion auf: „Die Nachfrage nach Schaffleisch wächst kontinuierlich, dementsprechend steigen die Preise. Die Lieferungen können den Bedarf kaum decken. Auf der anderen Seite kommt es vermehrt zu Landnutzungskonflikten, Überweidung von Grünland, Überalterung der Landwirte, Nachwuchsmangel und einem Verfall der Preise bei dem Nebenprodukt Wolle“, so Weeks. Mehr als ein Viertel der Weltproduktion an Schafen entfällt mittlerweile auf China. Die Schafhaltung in dem Riesenland ist in den letzten 10 Jahren enorm gewachsen und äußerst profitabel. Doch es zeigen sich Grenzen: In trockenen Gebieten wie der Inneren Mongolei führen Überweidung und Degradierung von Grünland zu einer geringeren Produktivität. Ähnliches zeigt sich auch in nordafrikanischen Ländern.
Mehr Produktivität – aber wie?
„Die Produktion von Rindern und Schafen konkurriert weltweit mit der anderer Tierarten und der von Pflanzen; sie kann nur gewinnen oder wenigstens Schritt halten, wenn sie effizienter wird“, sagt der Thünen-Experte Claus Deblitz. Die Fachleute des agri benchmark-Netzwerks legen dabei den Fokus auf folgende Punkte: eine erhöhte Produktivität bei der Weidehaltung (Mutterkuhhaltung und Mast) und die Überführung der Tiere von der Weide in Feedlots (=Großmastanlagen) mit getreidebasierter Fütterung für die letzte Mastperiode. Insbesondere in der Schafhaltung sollte die Herdengröße an die Tragfähigkeit des Landes angepasst werden. In trockenen Gebieten lässt sich auf diese Weise sowohl die Leistung der Tiere erhöhen als auch die Produktivität des Landes erhalten.

Carol Davis, Wissenschaftlerin der English Beef and Lamb Executive (EBLEX), stellte während der Tagung fest, dass auch das Abschmelzen der Produktivitätsunterschiede zwischen den besten und schlechtesten 30 % der Marktteilnehmer ein immenses Potenzial eröffne, selbst in agrarisch gut entwickelten Staaten. In Neuseeland zum Beispiel wird heute 80 % mehr Gewicht je Mutterschaf erzeugt als noch vor 20 Jahren. Eine höhere der Anzahl von Lämmern je Mutterschaf und das höhere Schlachtgewicht der Verkaufsprodukte machten diese Entwicklung möglich. Die Konferenzteilnehmer waren sich allerdings einig: Dieses Potenzial auszuschöpfen ist keine Frage von Technologie und Forschung allein. Die Erzeuger müssen Zugang zu Aus- und Weiterbildung erhalten. agri benchmark wird sich dafür künftig im Rahmen der von der FAO koordinierten Initiative ‚Global Agenda of Action‘ stark machen.

Dem agri benchmark-Netzwerk gehören Agrarökonomen, Berater, Produzenten und Fachleute in Schlüsselbranchen der Landwirtschaft und des Gartenbaus an. Sie analysieren und vergleichen weltweit Produktionssysteme, ihre Wirtschaftlichkeit, ihre Rahmenbedingungen und Perspektiven mit dem Ziel, belastbare Daten für strategische politische und ökonomische Entscheidungen bereitzustellen. agri benchmark geht auf eine Initiative des Thünen-Instituts und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zurück. Weitere Informationen und Publikationen: http://www.agribenchmark.org/

Ansprechpartner:
Dr. Claus Deblitz
Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Braunschweig
Tel.: 0531 596-5141, E-Mail: claus.deblitz@ti.bund.de

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut
Weitere Informationen:
http://www.agribenchmark.org/
http://www.ti.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

nachricht BMEL verstärkt Maßnahmen im Kampf gegen das Eschentriebsterben
11.09.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie