Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rätselhafter Niederschlag

18.12.2008
Die Folgen des Klimawandels machen Kleinbauern in Westafrika das Leben schwer: Die Regenzeit verschiebt sich, die Aussaat wird zum Glücksspiel, immer wieder fallen Ernten aus. Klimaforscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben nun Verfahren und Modelle entwickelt, die eine genauere Vorhersage ermöglichen und den Farmern mehr Sicherheit geben können.

Gerlinde Jung, Patrick Laux, Sven Wagner und Harald Kunstmann vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung analysieren Klimadaten für Ghana und Burkina Faso und entwickeln hochaufgelöste regionale Klimamodelle, die den Wasserkreislauf in der Atmosphäre und der Landoberfläche simulieren.

"Mit ihnen können wir abschätzen, wie die zukünftige Wasserverfügbarkeit in Westafrika voraussichtlich sein wird", erklärt Harald Kunstmann. In ihren Untersuchungen belegen sie, dass sich der Beginn der Regenzeit in den vergangenen vier Jahrzehnten bereits um bis zu 30 Tage verzögert hat.

"Dieser Trend wird sich wohl bis zum Jahr 2040 fortsetzen", sagt Harald Kunstmann. Die Wissenschaftler prognostizieren für das Volta-Flussbecken zudem einen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur um weitere 1,8 Grad Celsius - ein Wert, der deutlich über dem erwarteten globalen Durchschnitt liegt - und einen massiven Rückgang der Niederschläge zu Beginn der Regenzeit im April.

Aufgrund der Klimaänderung können sich die Farmer bei der Aus-saat immer weniger auf ihre Erfahrung verlassen - und das hat Konsequenzen: Folgen den ersten Tropfen nach der Trockenzeit erst einmal keine weiteren Niederschläge und säen die Kleinbauern zu früh aus, steigt die Gefahr, dass das Saatgut vertrocknet und die Ernte ausfällt. Sind sie zu spät dran, bleibt weniger Zeit für das Wachstum der Pflanzen und die Erträge fallen geringer aus. Dies trifft nicht nur die Farmer und ihre Familien, sondern die stetig wachsende Bevölkerung insgesamt.

Die Modelle der KIT-Forscher könnten das Problem entschärfen. Sie basieren auf komplexer dreidimensionaler atmosphärischer Information, zum Beispiel über Feuchteflüsse. Daneben setzen die Wissenschaftler insbesondere statistische Verfahren ein: Sie seien, so Kunstmann, mit einfachen Daten anwendbar, die auch in dieser infrastrukturschwachen Region erhältlich sind. "Auf der Basis von Vorregenindizes, zum Beispiel Niederschlagssummen und Anzahl von Regentagen der vorangegangenen Wochen, können wir den Beginn der aktuellen Regenzeit mit einer Trefferquote von bis zu 80 Prozent vorhersagen", sagt Patrick Laux.

Bei einer Konferenz und zwei Workshops in Ghana und Burkina Faso stellten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse vor und wiesen lokale Entscheidungsträger in die neuen Methoden ein. "Das Interesse der Fachleute und Entscheidungsträger vor Ort ist enorm groß", sagt Patrick Laux. Ziel sei es, mit den örtlichen meteorologischen Diensten langfristig zusammenzuarbeiten. Sie seien die Schnittstellen, so Laux, über die Prognosen der Forscher die Bevöl-kerung auf dem Land erreiche.

Die Forschungsarbeiten waren Bestandteil des GLOWA Volta Projekts, das zum Förderprogramm GLOWA des Bundeministeriums für Bildung und Forschung zum Thema "Globaler Wandel des Wasser-kreislaufs" gehört. Das Projekt läuft 2009 aus.

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

Dr. Elisabeth Zuber-Knost | idw
Weitere Informationen:
http://www.kit.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Kaskadennutzung auch bei Holz positiv
11.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?
29.11.2017 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften