Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pilotprojekt zur Zucht und Wiederansiedlung von einheimischen Speisekrebsen

04.12.2013
Einheimische Flusskrebse auf den Tellern der Schweizer Gastronomie – und die Erhaltung von in der Natur stark bedrohten Krebsarten.

Dies sind die Ziele der neu gegründeten Edelkrebs AG mit Sitz in Sins (Kanton Aargau/Schweiz). Noch geht es um ein Pilotprojekt der beiden beteiligten Partner ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil und der Firma Alex Gemperle AG in Sins. Doch bereits in wenigen Jahren sollen jährlich rund zwei Tonnen Speisekrebse produziert werden.

„Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt ist in der Schweiz einzigartig“, erklärt der Aquakultur-Spezialist Boris Pasini von der ZHAW in Wädenswil. Mit der Edelkrebs AG werden neue Wege in der Erforschung und Aufzucht von einheimischen Flusskrebsen beschritten.

Die Indoor-Pilotanlage in Sins liefert die wissenschaftlichen Grundlagen für die künftige Aufzucht und professionelle Produktion von Edelkrebsen in einem geschlossenen Wasserkreislauf. Ziel ist der Aufbau eines für Flusskrebse geeigneten, ökologisch nachhaltigen Aufmastsystems in einer geschlossenen Aquakultur.

Das fachliche Wissen kommt dabei von der Forschungsgruppe Ökotechnologie am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der ZHAW in Wädenswil, das kommerzielle und Management-Knowhow von Firmenchef Alex Gemperle, der in Sins eine Bedachungs-, Holz- und Fassadenbaufirma betreibt.

Erste Zuchterfolge
Seit dem Start des Forschungs- und Entwicklungsprojekts im Oktober 2010 sind bereits erste Zuchterfolge zu verzeichnen. Die Edelkrebse mit wissenschaftlichem Namen Astacus astacus vermehren sich wunschgemäss. Im Jahr 2013 sind bisher 17‘000 Jungkrebse geschlüpft. Bis jedoch wie geplant eine gesicherte Produktion von rund zwei Tonnen pro Jahr erreicht ist, wird es voraussichtlich noch bis 2016 dauern. Denn dazu braucht es weitere Forschung zur Mast und Vermehrung der Krebse.
Beitrag zur Wiederansiedlung bedrohter Krebsarten
Ein zweites Standbein der Edelkrebs AG ist die Krebsaufzucht (Satzkrebsproduktion) für die Wiederan-siedlungen und Erhaltung der drei einheimischen Krebsarten Edelkrebs (Astacus astacus), Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) und Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes). Die beiden letztgenannten Arten sind in freier Natur vom Aussterben bedroht. Die Edelkrebs AG ist dazu eine Kooperation mit der Fischereiverwaltung des Kantons Aargau eingegangen. In der Versuchsanlage in Sins lassen sich durch getrennte Beckensysteme individuelle Zuchtgruppen von einheimischen Krebsarten aus verschiedenen Gewässersystemen vermehren.
Umfangreiche Pilotanlage
Die Forschungsanlage in Sins umfasst zur Zeit rund 100 Becken mit insgesamt 17 geschlossenen Kreis-laufsystemen auf ca. 250 m2 Grundfläche. Die Wasseraufbereitungssysteme mit Biofilter sind auf die für Edelkrebse geeignete Wasserqualität abgestimmt, wobei nur 1 Prozent des Wassers ausgetauscht wird. Technische Einrichtungen wie Sensoren und Controller regeln und überwachen die Wassertemperatur und die Sauerstoffwerte in den Becken. Wöchentlich wird das Wasser chemisch überprüft (mit den Parametern Ammonium, Nitrit, Nitrat und Phosphat). Die getrennten Kreisläufe ermöglichen die Erforschung unterschiedlicher Zucht- und Haltungsbedingungen, z.B. bezüglich Wassertemperaturen. Die Aussichten für ein erfolgreiches Gedeihen des Pilotprojekts seien gut, sagt Forschungs- und Betriebsleiter Boris Pasini von der ZHAW. So konnte unter anderem das Wachstum der Edelkrebse dank geeig-netem Futter um 60 Prozent im Vergleich zu Standardfutter gesteigert werden. In der künstlichen Erbrütung konnte ein Desinfektionsmittel evaluiert werden, das Pilzwachstum hemmt.
Pionierarbeit in der Aquakultur
Das Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen IUNR der ZHAW in Wädenswil leistet bereits seit 1994 Pionierarbeit in der Aquakultur-Forschung. Dr. Ranka Junge, Leiterin der Fachstelle Ökotechnologie, erklärt dazu: “Unsere langjährige Erfahrung und unser Knowhow ermöglichen uns, Verfahren weiter zu entwickeln, um natürliche Ressourcen effizienter zu nutzen“.
Fachlicher Kontakt:
Boris Pasini, Wissenschaftlicher Assistent Forschungsgruppe Ökotechnologie, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, ZHAW, CH-Wädenswil. Telefon +41 78 788 49 65. E-Mail: boris.pasini@zhaw.ch

Prof. Dr. Ranka Junge, Leiterin Forschungsgruppe Ökotechnologie, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, ZHAW, CH-Wädenswil. Telefon: +41 58 934 59 22, E-Mail: ranka.junge@zhaw.ch

Kontakt Firma Edelkrebs AG: Alex Gemperle, Geschäftsleiter Alex Gemperle AG, CH-Hünenberg. Telefon: +41 41 725 07 07; E-Mail: alex.gemperle@gemperle.ch

Medienstelle ZHAW, Wädenswil:
Cornelia Sidler, Kommunikation ZHAW-Departement Life Sciences und Facility Management, CH-Wädenswil, Telefon +41 58 934 53 66, E-Mail cornelia.sidler@zhaw.ch

Claudia Gähwiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.gemperle.ch
http://www.iunr.zhaw.ch/ecologicalengineering

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften