Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Obst- und Weinbau: Betriebe und Maschinenparks wachsen weltweit

11.10.2013
Größere Anbauflächen, verteilt auf immer weniger Produzenten, zunehmende Mechanisierung: eine Bilanz der ersten internationalen Konferenz „agri benchmark Horticulture“ zur Produktion von Äpfeln und Weintrauben

Die Tendenzen sind gleich, selbst bei deutlich unterschiedlichen Betriebsstrukturen und Produktionssystemen: So sahen es Experten aus sieben Ländern auf der ersten Konferenz des Agrarökonomen-Netzwerks „agri benchmark Horticulture“, die vom 23. bis 27. September 2013 am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft in Braunschweig stattfand.


Rationelle Apfelernte in einem großen Obstbaubetrieb im sächsischen Grimma, den die Konferenzteilnehmer im Rahmen ihrer Exkursion besucht haben.

(Foto: Thünen-Institut)

Ziel der Konferenz war es, Produktionsstrukturen und -kosten zu vergleichen. Grundlage dafür: Modelle typischer Obst- und Weinbaubetriebe, die von Anbauexperten und Produzenten definiert wurden. Die Fachleute erörterten, welche Vollerwerbsbetriebe mit ihren Produktionssystemen, -verfahren und -kosten typisch für die jeweilige Anbauregion sind.

Noch sind europäische Betriebe im Mittel deutlich kleiner als auf der Südhalbkugel. In Italien – immerhin Europas zweitgrößter Apfelproduzent – ist ein typischer Betrieb gerade zwischen 2,5 ha (in Südtirol/Trentino) und 5 ha (Emilia Romagna) groß. Deutschland hat ein breites Band typischer Betriebsgrößen in den wichtigsten Anbauregionen, aber es gibt Betriebe am Bodensee mit 15 ha, an der Niederelbe im Alten Land mit 20 bzw. 40 ha, im sächsischen Elbgebiet sogar mit rund 150 ha, an denen die zukünftige Entwicklung sichtbar wird. Demgegenüber sind in der südafrikanischen Kapregion Betriebe mit 80 bis 120 ha Apfelanbaufläche typisch; in Chile reicht die Bandbreite von 25 bis 80 ha. Ähnlich ist die Situation im Weinbau.

Äpfel und Weintrauben sind arbeitsintensive Kulturen. Der Vergleich der Produktions- und Kostenstrukturen zeigt: Wie sich Betriebe entwickeln, hängt wesentlich davon ab, ob Arbeitskräfte verfügbar sind und was sie kosten. In Europa ist die Mechanisierung aufgrund der hohen Arbeitskosten weit fortgeschritten. Aber auch in Chile und in Südafrika steigt das Interesse an arbeitssparenden Technologien aufgrund steigender Löhne: Allein im letzten Jahr sind die gesetzlichen Mindestlöhne in Südafrika um 50 % angehoben worden. In Chile konkurrieren die Obstbaubetriebe mit dem derzeit florierenden Bergbau um Arbeitskräfte, so dass Saisonarbeiter etwa 30 % mehr als noch vor zwei Jahren verdienen. Je größer ein Betrieb ist, umso stärker rentieren sich Mechanisierung und Rationalisierung, was die Entwicklung weiter beschleunigt. Der Strukturwandel ist für beide Kulturen daher in allen Anbauregionen vergleichbar intensiv, mit einem fortgesetzten Trend zu immer größeren Betriebsstrukturen.

Eine mehrtägige Exkursion führte u.a. nach Sachsen, zum größten deutschen Apfelanbaubetrieb in Grimma und zu Weinbaubetrieben nach Rheinhessen. Der Einsatz von innovativer Technik zur Einsparung von Arbeitskräften wurde von den internationalen Konferenzteilnehmern als ein Blick in die mögliche Entwicklung in den eigenen Ländern gewertet. „Wenn die Lohnkosten weiter so stark ansteigen, bleibt unseren Erzeugern kaum eine Wahl, als in die Mechanisierung zu investieren“, so Nando Baard vom südafrikanischen Verband des Obstbausektors Hortgro.

Beim Besuch einer Weinerzeugergemeinschaft konnten sich die Konferenzteilnehmer davon überzeugen, dass im modernen Weinbau Kosteneinsparungen durch Technikeinsatz und Qualität keine Gegensätze sind. Prof. Hoffmann von der Hochschule Geisenheim erläutert: „Durch den Einsatz moderner Technik in der Kelterei, die ständige Kontrolle des Produktionsprozesses und die gute Abstimmung mit den Weinbauern ist in den letzten Jahren auch im Bereich der Fassweine die Qualität deutlich angestiegen.“

Das Netzwerk agri benchmark Horticulture ist ein noch neuer Teil des etablierten und erfolgreichen Netzwerkverbundes agri benchmark, in dem mit standardisierter Methodik weltweite Vergleiche von Produktionssystemen, ihrer Wirtschaftlichkeit, treibenden Kräfte und Perspektiven durchgeführt werden. Die Ergebnisse der ersten Konferenz zeigen, dass auch im Obst- und Weinbau jährliche Analysen der Wirtschaftlichkeit notwendig sind, um die Anbaustrukturen und die Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Länder für die Apfel- und Traubenproduktion zu verstehen.

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut
Weitere Informationen:
http://www.agribenchmark.org/horticulture.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

nachricht Wenn Städte immer mehr an Boden gewinnen: Wie gelingt Land- und Gartenbau südlich der Sahara?
11.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung