Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Vergleichsbetriebsnetz hilft, Pflanzenschutzmittelanwendungen auf notwendiges Maß zu reduzieren

11.12.2008
Julius Kühn-Institut stellt am 10./11. Dezember in Bonn Daten des ersten Anwendungsjahres für die landwirtschaftlichen Vergleichsbetriebe Pflanzenschutz vor.

Bisher existierten keinerlei Daten darüber, wann, warum und in welcher Menge in den unterschiedlichen Kulturen Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von Schadinsekten, Pilzen oder Bakterien eingesetzt werden.

"Will man jedoch langfristig die Anwendung von Pestiziden auf ein notwendiges Maß beschränken, so ist es dringend erforderlich regelmäßig Daten zu erheben, um eine Vergleichsgrundlage zu haben", sagt Prof. Dr. Bernd Freier vom Julius Kühn-Institut. 2007 war daher das erste Netz von Vergleichsbetrieben (siehe Hintergrundinformation), die Getreide, Gemüse, Obst sowie Wein und Hopfen anbauen, etabliert worden. Die Ergebnisse der Datenerhebungen des ersten Anwendungsjahres und die statistischen Analysen liegen nun vor. Der Bericht wird heute (11.12.08) in Bonn beim "Forum Nationaler Aktionsplan" den Pflanzenschutzdiensten der Länder, Vertretern des Berufsstandes und von Nichtregierungsorganisationen, der Industrie sowie von Umweltbehörden vorgestellt.

"Ziel des Vergleichsbetriebsnetzes ist es, jährliche Daten zur Intensität der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in verschiedenen Kulturen und Regionen zu gewinnen und fachlich zu bewerten", sagt Dr. Freier, der am JKI das Projekt koordiniert. Diese Bewertung ist aufwendig, da die Bedingungen unter denen die Landwirte in Deutschland wirtschaften, von Kultur zu Kultur und von Region zu Region variieren. So kann es sein, dass ein Schaderreger, der im Osten auftritt, im Westen keine Rolle spielt. Andere Witterungsbedingungen machen im Norden andere Pilzbekämpfungsmaßnahmen notwendig als in Süddeutschland. Der JKI-Wissenschaftler freut sich daher sehr, dass die Bundesländer den Aufbau des Netzes so tatkräftig unterstützt haben. So konnten im ersten Jahr fast 5000 Anwendungsdaten in 66 Ackerbau-Betrieben, 22 Betrieben mit Feldgemüseanbau, bei 15 Apfelanbauern, in 9 Weinbau-Betrieben und bei zwei Hopfenanbauern erhoben werden. "Nicht zuletzt leisten die Praxis-Betriebe, die auch nach statistischen Aspekten ausgewählt wurden, durch ihre freiwillige Beteiligung einen wichtigen Beitrag, um mehr Transparenz im Pflanzenschutz zu schaffen", betont der JKI-Wissenschaftler. Langfristiges Ziel sei Einsparpotenziale für die Pflanzenschutzmittel zu erkennen.

Auszug aus dem Bericht des 1. Jahres: Im Ackerbau sind Herbizide, Fungizide und Wachstumsregler mit reduzierten Aufwandmengen angewendet worden. Die Ausschöpfung der zugelassenen Aufwandmengen lag z. B. im Winterweizen bei 63% (Herbiziden), 57% (Fungizide) und 46% (Wachstumsregler). Die Analyse der fachlichen Bewertungen durch die Pflanzenschutzdienste zeigte, dass insbesondere regionale Besonderheiten des Schaderregerauftretens die Pflanzenschutzmittel-Anwendungen bestimmten. Dabei wird die Varianz der Behandlungsindices auch durch andere objektive und subjektive Einflüsse beeinflusst, z. B. im Ackerbau die Vorfrucht und Bodenbearbeitung. Der Anteil der Pflanzenschutzmaßnahmen, die auf der Basis der Bewertungen durch die Experten der Länder dem notwendigen Maß entsprachen, lagen im Ackerbau bei 91%, im Feldgemüsebau bei 86%, im Obstbau bei 94% und im Weinbau 99,5%. Das bedeutet, dass kaum einer der Betriebe eine unnötige Anwendung durchgeführt hat.

Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bernd Freier
Institut für Strategien und Folgenabschätzung im Pflanzenschutz
am Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Stahnsdorfer Damm 81, 14532 Kleinmachnow
Tel.:033203 / 48-322
E-Mail: bernd.freier(at)jki.bund.de
Hintergrundinformation:
Das Netz von Vergleichsbetrieben ist ein gemeinsames Projekt des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), der Landeseinrichtungen des Pflanzenschutzes und des Julius Kühn-Instituts (JKI). Es ist Bestandteil des nationalen Aktionsplanes zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln.

Der nationale Aktionsplan war im April 2008 auf der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern beschlossen worden. Er stellt die Weiterentwicklung des Reduktionsprogramms chemischer Pflanzenschutz aus dem Jahr 2004 dar. Ziel dieses Aktionsplanes ist es, Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entstehen können, weiter zu reduzieren. Dazu soll die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß begrenzt werden, so dass unnötige Pflanzenschutzmittelanwendungen unterbleiben und der Einsatz nichtchemischer Pflanzenschutzmaßnahmen gefördert wird.

Um die Intensität der Pflanzenschutzmittel-Anwendung überhaupt erfassbar und messbar zu machen, bewerten und vergleichen zu können ist es notwendig: 1.) statistische Daten über die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu erheben (NEPTUN-Analysen). 2.) ein Netz von Vergleichsbetrieben aufzubauen.

Wie funktioniert die Datenerhebung im Vergleichbetriebsnetz?

Die Vergleichsbetriebe, die repräsentativ für bestimmte Regionen und Bewirtschaftungsformen sind, dokumentieren jährlich ihre Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln in einzelnen Kulturpflanzenarten. Auf der Grundlage dieser Daten sowie Informationen zum Befall mit Schadorganismen, zum Wetter oder anderen Faktoren, bewerten die Pflanzenschutzberater der Länder die Maßnahmen im Hinblick auf das notwendige Maß. Die Verteilung der Betriebe erfolgte in Anlehnung an die Erhebungs- bzw. Anbauregionen der NEPTUN-Analysen. Alle Daten und Bewertungen wurden nach einer Plausibilitätsprüfung in einer Oracle-Datenbank am Julius Kühn-Institut abgelegt.

Im ersten Jahr sind Daten erhoben worden...
- auf 510 Feldern mit vorrangig Winterweizen, Wintergerste, Winterraps
- auf 57 Feldern mit Weißkohl, Bundmöhren, teilweise Spargel und Zwiebeln
- in 37 Anlagen mit Tafeläpfeln
- in 23 Bewirtschaftungseinheiten Wein
- in 2 Hopfenbau-Betrieben

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de
http://www.jki.bund.de/cln_044/nn_805256/DE/veroeff/berichte/berichte__node.html__nnn=true

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Forscher untersuchen Evolution der sexuellen Fortpflanzung bei Pflanzen
03.07.2015 | Universität Regensburg

nachricht Thünen-Wissenschaftler berechnen das Holzangebot der Wälder in den kommenden vierzig Jahren
29.06.2015 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Windturbinen unter Brücken sind sinnvoll

Ansatz für dicht verbaute oder schützenswerte Gebiete attraktiv

Laut einem spanisch-britischen Forscherteam wäre es sinnvoll, unter großen Brücken Windturbinen zur Stromgewinnung zu verbauen. Denn Modellrechnungen am...

Im Focus: Forschungsschiff Heincke seit 25 Jahren im Dienst der Wissenschaft

Ein Vierteljahrhundert alt, über 900.000 Kilometer (488.842 nautische Meilen) gefahren und trotzdem auf dem neuesten wissenschaftlichen und technischen Stand: Die Indienststellung des Forschungsschiffes Heincke jährt sich am 8. Juli 2015 zum 25. Mal.

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), das die Heincke betreibt, nehmen ebenso regelmäßig an...

Im Focus: Solardächer produzieren Strom für Fahrzeuge

Studentische Industriekooperation zwischen HAW Hamburg und Webasto erarbeitet Ergebnisse für EU-Zertifizierungsprozess von Solardächern zur Verbesserung der Öko-Bilanz von Fahrzeugen.

Unter der Leitung von Dr.-Ing. Volker Skwarek, Professor für technische Informatik an der HAW Hamburg, erarbeiteten sechs Studierende des...

Im Focus: Viaducts with wind turbines, the new renewable energy source

Wind turbines could be installed under some of the biggest bridges on the road network to produce electricity. So it is confirmed by calculations carried out by a European researchers team, that have taken a viaduct in the Canary Islands as a reference. This concept could be applied in heavily built-up territories or natural areas with new constructions limitations.

The Juncal Viaduct, in Gran Canaria, has served as a reference for Spanish and British researchers to verify that the wind blowing between the pillars on this...

Im Focus: Aus alt mach neu - Rohstoffquelle Elektroschrott

Der Markt für Unterhaltungselektronik boomt: Rund 60 Millionen Fernsehgeräte wurden im letzten Jahr in Europa verkauft. Früher oder später werden sie zurückkehren – als Elektroschrott.

Die Recycling-Industrie hat darauf reagiert: Kupfer, Aluminium, Eisen- und Edelmetalle sowie ausgewählte Kunststoffe werden bereits wiederverwertet. Allerdings...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IMTC 2015: Internationale Fachtagung im Kompetenzfeld Leichtbau

06.07.2015 | Veranstaltungen

Rheumatologen tagen in Bremen: Fortschritte in der Rheuma-Therapie und neue Impfempfehlungen

06.07.2015 | Veranstaltungen

9. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung

06.07.2015 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Streik der zellulären Müllabfuhr

06.07.2015 | Biowissenschaften Chemie

Proteintransport in die zellulären Kraftwerke

06.07.2015 | Förderungen Preise

67 Siemens-Windturbinen und Langzeit-Wartung für Offshore-Projekt Veja Mate

06.07.2015 | Unternehmensmeldung