Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Landwirte sind beim Gewässerschutz gefordert

27.03.2015

Erhebliche zusätzliche Anstrengungen nötig, um Ziele der Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen

„Guter chemischer Zustand“ von Oberflächengewässern und Grundwasser wird voraussichtlich auch 2021 nicht überall im Einzugsgebiet der Weser erreicht – Ausdehnung von Agrarumweltmaßnahmen und eine moderate Verschärfung der Düngeverordnung allein reichen nicht aus, um Stickstoffüberschüsse seitens der Landwirtschaft in notwendigem Umfang zu reduzieren.


Rinder am Ufer der Weser

(Foto: Thünen-Institut/Claudia Heidecke)

Mit der Wasserrahmenrichtlinie hat die Europäische Union 2000 ein Instrument geschaffen, um die Qualität von Grund- und Oberflächenwasser im Einzugsbereich von Flüssen europaweit zu verbessern. Die Richtlinie gibt Ziele für die Qualität von Oberflächengewässern und Grundwasser vor. Diese Ziele müssen 2015, in Ausnahmefällen bis spätestens 2021 oder 2027, erreicht werden.

Welche Anstrengungen die Landwirtschaft unternehmen muss, damit die Wasserqualität im Einzugsgebiet der Weser den Vorgaben der EU-Richtlinie genügt, zeigt aktuell eine gemeinsame Studie des Thünen-Instituts für Ländliche Räume, des Forschungszentrums Jülich und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei für das Jahr 2021.

Das Fazit der regional differenzierten Analyse für die Weser: Selbst wenn die landwirtschaftlichen Nährstoffeinträge durch Einhaltung der Düngeverordnung, technischen Fortschritt und absehbare Entwicklungen in der Landwirtschaft bis 2021 wie modelliert abnehmen, muss der Stickstoffüberschuss den Modellergebnissen zufolge noch um weitere 53.000 Tonnen sinken, um die Zielkonzentrationen für Grund- und Oberflächengewässer nicht zu überschreiten.

„In vielen Gemeinden und Kreisen besteht kein Handlungsbedarf, in einigen Regionen aber müsste der jährliche Stickstoffüberschuss aus der Landwirtschaft deutlich unter die von der Düngeverordnung vorgegebenen 60 Kilogramm Stickstoff pro Hektar reduziert werden – vor allem auch in Regionen mit intensiver Viehhaltung“, so Dr. Claudia Heidecke vom Thünen-Institut für Ländliche Räume.

Die Studie zeigt dazu verschiedene Handlungsoptionen auf. „Wenn die Landwirte grundwasserschonende Ausbringungsverfahren einsetzen oder nach der Ernte keinen Wirtschaftsdünger ausbringen, kann der Stickstoffaustrag deutlich reduziert werden“, erläutert Thünen-Wissenschaftlerin Andrea Wagner.

„Auch die reduzierte Mineraldüngung von Getreide und der Zwischenfruchtanbau können wirksame Strategien sein.“ Aber selbst wenn die geförderten Agrarumweltmaßnahmen auf Landwirtschaftsflächen im Vergleich zu 2007 um mehr als das Zehnfache ausgeweitet würden, könnten die Qualitätsziele der EU bis 2021 insbesondere in diesen Regionen nicht erreicht werden. Dies verdeutlicht die Schwierigkeiten, vor denen Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Politik stehen.

Die länderübergreifenden Analysen und flussgebietsweiten Simulationen zum aktuellen Nährstoffeintrag sowie zur zukünftigen Belastungssituation der Weser wurden mit dem AGRUM-Modellverbund durchgeführt. Dieser Verbund besteht aus einem regional differenzierten Agrarsektormodell und zwei hydro(geo)logischen Modellsystemen. Die wissenschaftlichen Arbeiten begleitete ein Facharbeitskreis, bestehend aus Vertretern der Flussgebietsgemeinschaft und der Bundesländer aus landwirtschaftlichen und gewässerkundlichen Arbeitsbereichen.

Der Endbericht „Entwicklung eines Instrumentes für ein flussgebietsweites Nährstoffmanagement in der Flussgebietseinheit Weser (AGRUM+-Weser) ist als Thünen-Report 21 veröffentlicht und kann auf der Webseite des Thünen-Instituts unter http://www.ti.bund.de „Thünen-Institut“ -> Rubrik „Infothek-> Publikationen -> Thünen Report“ oder direkt unter http://literatur.ti.bund.de/digbib_extern/dn054564.pdf heruntergeladen werden.

Ansprechpartner Thünen-Institut:
Dr. Claudia Heidecke │ Andrea Wagner
Thünen-Institut für Ländliche Räume
Bundesallee 50, 38116 Braunschweig
Telefon: +49 (0) 531 - 596 5519,
E-Mail: claudia.heidecke@ti.bund.de

Weitere Informationen:

http://literatur.ti.bund.de/digbib_extern/dn054564.pdf - Projektbericht
http://www.ti.bund.de/index.php?id=3958&L=0 - Projekt-Webseite

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ti.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Kleinbauern setzen verstärkt auf Monokulturen
10.11.2016 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie