Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hohes Marktpotential: Forscher glauben an glanzvolles Comeback des Urkorns Emmer

14.03.2014

Nach 500 Jahren Nischendasein: Studie der Universität Hohenheim belegt gute Erträge und Zuchtpotential des Urgetreides / Tipps für Anbau und Verarbeitung

Vergangenen Winter war das Saatgut bereits vergriffen und für die aktuelle Sommeraussaat gibt es keine passende Sorte: Urgetreide wie Emmer erfreuen sich bei Verbrauchern wachsender Beliebtheit. Landwirte, Müller, Bäcker und andere Lebensmittelproduzenten tun sich mit dem fast vergessenen Getreide noch etwas schwer.

Doch eine neue Studie der Universität Hohenheim belegt: Mit den richtigen Sorten ist der Anbau des Urkorns nicht schwieriger, als der von alten Dinkelsorten. Auch der Ertrag ist vergleichbar. Und für die Herstellung neuer Emmer-Backwaren von Brot bis Nudeln hat die Arbeitsgruppe um Dr. Friedrich Longin von der Landessaatzuchtanstalt eine Reihe von Tipps erarbeitet.

Im Bündnis mit Landwirten, Müllern und Produzenten will der Wissenschaftler dem Urkorn zum Comeback verhelfen: „Nach unseren Erkenntnissen hat Emmer ein sehr hohes Zucht- und Marktpotential“. Nach 500 Jahren Vergessenheit ist die Zeit reif für ein Comeback des Methusalems unter den Getreidearten. Kurzfassung der Studie, Fotos und Rohdaten unter www.uni-hohenheim.de/presse

Bis ins Mittelalter gehörten alte Arten wie Emmer und Einkorn zu den wichtigsten Getreidearten Europas. Dann verdrängten Dinkel und Weizen das Urgetreide von den Feldern. Ein Grund, vor allem Weizen liefert höhere Erträge. Außerdem ist er leichter zu verarbeiten: Bei Emmer – aber auch bei Dinkel – ist das Korn von einer Hülle fest umschlossen, was dem Müller einen zusätzlichen Arbeitsschritt abverlangt.

Dafür schätzen Verbraucher den höheren Anteil von Mineralstoffen und anderen Inhaltsstoffen von Emmer im Vergleich zu Weizen. Hinzu kommen ein kräftiger, nussiger Geschmack und das Flair eines sehr urtümlichen Produkts. Aus Emmer lässt sich ein dunkles, würziges Bier brauen.

Spitzensorten des Urkorn Emmer bringen ähnlichen Ertrag wie Dinkel

In einem großen Feldversuch hat Dr. Friedrich Longin nun einige Vorurteile gegen das Urgetreide als Mythen entlarvt. Dazu baute seine Arbeitsgruppe über 40 verschiedene Emmersorten an sieben Standorten an. Vier der Felder ließ er nach Regeln des Biolandbaus bewirtschaften. Die anderen drei nach Methoden der konventionellen, extensiven Landwirtschaft.

Einige Ergebnisse:

• Vergleichbarer Ertrag: Zwei Sorten (RAMSES und dem HEUHOLZER KOLBEN) liefern die gleichen Erträge, wie der Klassiker unter den Dinkelsorten (Oberkulmer Rotkorn). „Der Durchschnittsertrag aller getesteten Emmer-Sorten lag bei 42 dt pro Hektar. Die Spitzensorten brachten es auf über 55 dt pro Hektar – was dem Ertrag der Dinkelsorte Oberkulmer Rotkorn entspricht.“

• Vergleichbarer Anbau: Auch die Anforderungen für den Anbau gleichen ziemlich exakt den Anbauanforderungen der Dinkelsorte „Oberkulmer Rotkorn“. Typisch für diese Getreidearten sind ein hoher Wuchs von gut 140 cm. „Oberste Priorität im Emmeranbau ist die Erhaltung der Standfestigkeit, etwa durch geringe Düngung, späteren Fruchtfolgeplatz, Nutzen von Halmverkürzern und andere Maßnahmen.“

• Vergleichbare Krankheitsanfälligkeit: Auch hier gleicht die Anfälligkeit des Emmers der des Dinkels. „In unserem Versuch kam es in einigen Fällen zu Blattflecken. Aus längerer Erfahrung mit Emmer kennen wir außerdem eine dem Dinkel ähnelnde Anfälligkeit gegenüber Mehltau und Braunrost.“

Das Fazit von Dr. Longin: „Der Landwirt sollte Emmer genauso anbauen wie die Dinkelsorte Oberkulmer Rotkorn, dann wird es ziemlich sicher klappen.“

Zuchtpotential des Urkorn Emmer noch lange nicht ausgereizt

„Die Sorten aus unserem Versuch gehen alle auf irgendwelche sehr alte, historische Körner zurück. Dabei haben wir hauptsächlich Sorten entdeckt, die entweder kurz und ertragsschwach oder lang und ertragsstark sind. Die ideale Kombination – kurze Halme mit hohem Ertrag – liegt noch nicht vor.“

Hier könnte die Züchtung ansetzen. „Unsere Versuche zeigen ein sehr hohes Potential für neue Kreuzungen.“ Allerdings sind auch die kurzen Sorten mit 120 cm Halmlänge vergleichsweise hoch. „Wir werden deshalb fortfahren, immer weitere alte Emmerherkünfte im Feld zu testen in der Hoffnung noch kürzere zu finden.“

Urkorn Emmer kämpft noch mit Vorurteilen

Bis dahin müssen Dr. Longin und seine Verbündeten jedoch auch Überzeugungsarbeit leisten. Denn trotz steigendem Interesse bei den Verbrauchern herrschen bei Landwirten, Müllern und Lebensmittelproduzenten noch althergebrachte Vorurteile gegen das Urkorn.

Ein Grund dafür sieht Dr. Longin darin, dass es bislang schwierig ist, gutes Saatgut zu bekommen. „Ein emsiger Landwirt kann zwar an so einigen Ecken Körner irgendwelcher Emmerherkünfte bekommen. Diese sind jedoch meist nicht vom Saatgutprofi ausgesucht und produziert. Meist sind es sogar Mischungen verschiedener Sorten.“

Ergebnis sei oft eine zweifelhafte Verarbeitungsqualität. „Die Folge ist Unzufriedenheit beim Müller oder Verarbeiter, der dann die Art Emmer schnell komplett fallen lässt.“

Urkorn Emmer als interessante Alternative für Brot und Nudeln

Neben den Feldversuchen laufen derzeit noch genaue Untersuchungen zur Backqualität und –verhalten. Einige Tipps kann Dr. Longin jedoch jetzt schon geben.

„Dinkel braucht eine geringere Teigtemperatur. Wichtig ist außerdem, den Teig nicht zu kneten, sondern nur zu Mischen.“ Auch der Einsatz von Ascorbinsäure oder Acerolakirschsaftpulver helfe viel.

„Ein Mischbrot mit Roggen oder Dinkel sollte fast immer gehen. Durch seine enge Verwandtschaft zu Hartweizen, sind Emmerkörner gerne etwas härter und glasiger – das macht sie also auch zu einer attraktiven Alternative für die Nudelindustrie.“

Für Dr. Longin steht fest: „Emmer hat das Potential, vom Liebhaberobjekt zu einer echten Marktalternative zu werden“. Da er dem Dinkel so ähnlich sei, biete sich als Start eine enge Zusammenarbeit zwischen Dinkelfachmännern in Landwirtschaft, Müllerei und Verarbeitung an.

Urkorn Emmer: Infotag am 8. Juli und Informationsplattform im Internet

Für Interessierte bieten Dr. Longin und Mitarbeiter mehrere Möglichkeiten zur Information und Beteiligung:

• Eine Internetplattform zum Kennenlernen und Informationsaustausch in dem sozialen Netzwerk Xing ermöglicht es allen Interessierten, sich kostenfrei registrieren, ihr eigenes Profil anlegen und mit Kollegen über Emmer, Einkorn und Dinkel zu fachsimpeln. Link: www.xing.com/go/group/90365.e2bae8/9015434

• Eine Kurzzusammenfassung des Feldversuches befindet sich auf der Homepage der Landessaatzuchtanstalt unter www.uni-hohenheim.de/presse/

• Ein Informationstag am 8. Juli in Stuttgart-Hohenheim bietet praktische Information durch Vorträgen, Feldführungen und Produktvorstellungen.

Kontakt für Medien:
Dr. Friedrich Longin, Universität Hohenheim, Landessaatzuchtanstalt, Tel.: 0711/459-23846, E-Mail: Friedrich.Longin@uni-hohenheim.de

Text: Klebs

Weitere Informationen:

http://www.xing.com/go/group/90365.e2bae8/9015434 "Internetplattform zum Kennenlernen und Informationsaustausch bei XING"

Florian Klebs | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Perspektive für die Gesundheit der Bäume
15.06.2018 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

nachricht Plant3, Zukunftsstrategie für Landwirtschaft, Fischerei und Weiterverarbeitung in Nordosdeutschland
25.05.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics