Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dritter Weg zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft?

30.10.2014

Göttinger Agrarökologen untersuchen Biodiversitätsschutz durch umweltfreundliche Bewirtschaftung

Die umweltfreundliche Bewirtschaftung eines Ackers kann einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten, auch wenn die strikten Vorgaben der ökologischen Landwirtschaft nicht zu 100 Prozent eingehalten werden. Das haben Agrarökologen der Universität Göttingen herausgefunden.


Hummel am Natternkopf.

Foto: Riho Marja


Agrarlandschaft in Estland mit blühenden Ackerrandstreifen.

Foto: Riho Marja

Die Wissenschaftler verglichen die Folgen einer „umweltfreundlichen Bewirtschaftung“ mit denen einer streng ökologischen sowie einer konventionellen Bewirtschaftung von Ackerflächen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen und dort als „Editor’s Choice“ besonders hervorgehoben.

Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie zahlreiche Ackerflächen im neuen EU-Mitgliedsstaat Estland. Diese wurden im Rahmen von estländischen Agrarumweltmaßnahmen bewirtschaftet, die unter anderem den Anbau von mindestens 15 Prozent Hülsenfrüchtlern fordern, dauerhafte Ackerrandstreifen, den Schutz wertvoller Landschaftselemente und einen reduzierten Einsatz von Agrochemikalien. Ein völliger Verzicht auf Pestizide und mineralischen Dünger wie beim ökologischen Landbau war hingegen nicht gefordert.

Die Forscher fanden heraus, dass auf den ökologisch bewirtschafteten Flächen am meisten blühende Pflanzen und Vogelarten vorkommen. Die umweltfreundliche Bewirtschaftung führte im Vergleich zur ökologischen beziehungsweise konventionellen Bewirtschaftung zu mittleren Werten. Dagegen war der Artenreichtum der Hummeln sowohl auf ökologischen wie umweltfreundlichen Flächen höher als bei den konventionell bewirtschafteten Betrieben.

„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass umweltfreundliches Management jenseits des Gegensatzes zwischen ökologischer und konventioneller Bewirtschaftung eine vielversprechende Alternative zu sein scheint“, erläutert Dr. Riho Marja von der estländischen Universität Tartu, der die Studie während eines Gastaufenthaltes an der Universität Göttingen durchführte. „Diese Alternative wird zumindest in Estland sehr gut von den Landwirten angenommen und leistet einen signifikanten Beitrag zum Artenreichtum in der Agrarlandschaft.“

Dr. Péter Batáry und Prof. Dr. Teja Tscharntke, die die Arbeit betreuten, können sich vorstellen, dass von den Ergebnissen Anreize ausgehen, jenseits der eingefahrenen Zweiteilung zwischen ökologischer und konventioneller Bewirtschaftung neue Wege zu beschreiten.

„Umweltfreundliches Management mit reduziertem Einsatz von Dünger und Pestiziden kann eine wichtige Alternative und ein dritter Weg für Landwirte sein und einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt darstellen. Allerdings bedarf es dazu klarer Regeln, die auch überwacht und möglicherweise mit einer für den Konsumenten verlässlichen Zertifizierung gekennzeichnet werden müssen“, so die beiden Agrarökologen der Universität Göttingen.

Originalveröffentlichung: Riho Marja et al. Environmentally friendly management as an intermediate strategy between organic and conventional agriculture to support biodiversity. Biological Conservation 2014. www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006320714002936

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Teja Tscharntke
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften – Abteilung Agrarökologie
Grisebachstraße 6, 37077 Göttingen, Telefon (0551) 39-9209
E-Mail: ttschar@gwdg.de


Weitere Informationen:

http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=4954  weitere Fotos
http://www.agroecology.uni-goettingen.de  Abteilung Agrarökologie

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen