Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bewässerung mit Abwasser?

24.04.2013
Zwischen Wertschöpfung und Ressourcenschutz

Wasser ist in der Landwirtschaft einer der wichtigsten Produktionsfaktoren. Abwasser fällt in Siedlungsgebieten in großem Umfang an. Warum also nicht gereinigtes Abwasser als Bewässerungswasser einsetzen?

Diese Verbindung war auf der Tagung zu "Nachhaltigem Landmanagement" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Berlin Thema gleich mehrerer vorgestellter Forschungsprojekte.

Dr. Gunnar Lischeid vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) führte zunächst aus, dass die Abwassernutzung eine lange Tradition hat. Archäologen nutzen z. B. eine Phosphorkartierung um versunkene Siedlungen aufzuspüren. Noch bis vor gut 50 Jahren hat die Stadt Berlin ihre Rieselfelder für den Gemüseanbau genutzt und damit allerdings neben Nährstoffen auch Schwermetalle in die Landschaft verfrachtet. Diese frühe "Kreislaufwirtschaft" ist heute nicht mehr opportun - aber die Frage bleibt, was mit den Abwässern zu tun ist? In Berlin fällt beispielsweise mit 290 Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr ein Volumen an, das der Grundwasserneubildung auf der dreifachen Stadtfläche entspricht.

In der Gemeinde Winkel im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis wird gereinigtes Abwasser aus der Kläranlage für die Bewässerung von Kurzumtriebsplantagen (KUP) genutzt. Das ist Teil des Projekts RePro (Re-Produktionsketten in der Wasser- und Infrastruktur in schrumpfenden Regionen). Mit Hilfe einer "angepassten Tröpfchenbewässerung" werden rund 1.500 Kubikmeter Wasser pro Jahr und Hektar auf die Fläche gebracht, erläuterte Wolf Raber vom Institut für Ressourcenmanagement. Die Bewässerung erfolgt mit einem einfachen Schlauch, der mit so großen Löchern versehen ist, dass das Abwasser sie nicht verstopfen kann. Durch die Bewässerung kann der Ertrag der Energieplantagen auf 12 bis 14 Tonnen pro Hektar und Jahr erhöht werden. Das wäre auf den sandigen Flächen sonst nicht möglich.

Was sich einfach anhört, stößt aber auf Hindernisse, erläuterte Raber. Ist das Abwasser rechtlich als Abfall anzusehen oder ist die Bewässerung aus gereinigtem Abwasser ein genehmigungspflichtiger Eintrag in die Umwelt? Das Projekt berührt die Klärschlammverordnung, die Dünger-Verordnung und auch das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Die untere Wasserbehörde fürchtet um unerwünschte Einträge in das Grundwasser, die teilnehmende Agrargenossenschaft um eine Sperrung ihrer Flächen nach der letzten KUP-Nutzung für die Nahrungsmittelproduktion. Dabei verarbeitet die Kläranlage ausschließlich Siedlungs- und keine Industrieabwässer.

Die Eintragsanalysen sind aus Sicht der Umweltforscher als "akzeptabel" anzusehen. Wolf Raber verweist auch auf Schweden, das schon länger Erfahrungen mit der Abwasser-Bewässerung sammelt. Letztlich stößt das Projekt auf großes Interesse der Kommunen. Die größte Aufgabe ist für Raber die Schaffung der rechtlichen Grundlage für die Abwasser-Bewässerung.

Roland Krieg | www.aid.de
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

nachricht BMEL verstärkt Maßnahmen im Kampf gegen das Eschentriebsterben
11.09.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie