Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biodiversität für Ökosystem-Dienstleistungen wichtiger als bisher angenommen

12.07.2007
Die Biodiversität ist für den Erhalt von Ökosystem-Dienstleistungen wichtiger als bisher angenommen. Der Verlust bereits von wenigen Arten kann ökologische Prozesse beeinträchtigen, die für die Menschheit einen Wert haben und ihr zunutze kommen.

Dies zeigen neue Untersuchungen, die am Institut für Umweltwissenschaften an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich und der Universität Oxford erarbeitet worden sind. Die Studie von Prof. Andrew Hector wird am 12.7.2007 in "Nature" publiziert.

Bisherige Einschätzungen über den Wert der Artenvielfalt haben untersucht, wie sich der Verlust von Arten auf verschiedene Ökosystem-Dienstleistungen, wie z.B. die Lebensmittelproduktion, die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser oder die Bindung des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre, auswirkt. Wenn dabei jeweils nur eine einzige Ökosystem-Dienstleistung auf einmal betrachtet wird, könnte die Anzahl nötiger Arten unterschätzt werden, die es für ein voll funktionsfähiges Ökosystem braucht. Prof. Andrew Hector vom Institut für Umweltwissenschaften der Universität Zürich und Dr. Robert Bagchi von der Universität Oxford haben deshalb eine neue Methode entwickelt, die es erlaubt, mehrere Ökosystem-Prozesse auf einmal zu berücksichtigen. Sie haben diese Methode auf Resultate der Analyse europäischer Wiesengemeinschaften angewandt und entdeckt, dass eine grössere Artenvielfalt benötigt wird, wenn alle sieben erhobenen Ökosystem-Dienstleistungen einberechnet werden, als wenn nur eine einzelne Dienstleistung betrachtet wird. Bereits der Verlust von wenigen Arten kann dazu führen, dass die Gesamtfunktion eines Ökosystems beeinträchtigt wird. "Bisherige Untersuchungen haben angenommen, dass Arten, die für eine Ökosystem-Dienstleistung wichtig sind, alle anderen Dienstleistungen auch gewährleisten können - aber das scheint nicht der Fall zu sein", erläutert Hector.

Grössere Artenvielfalt nötig als angenommen

Das Kernresultat der Studie besagt, dass verschiedene Dienstleistungen des Ökosystems durch verschiedene Gruppen von Arten beeinflusst werden. Dazu Robert Bagchi: "Weil jeweils andere Arten für unterschiedliche Ökosystem-Dienstleistungen zuständig sind, braucht es insgesamt mehr Arten, um ein voll funktionierendes System zu erhalten, als wenn man sich nur auf eine Art konzentriert." Darum empfehlen die Forscher, Ökosysteme so zu verwalten, dass mehrere Ökosystem-Dienstleistungen zugleich erhalten werden können. Denn die isolierte Betrachtung einer Dienstleistung wie etwa die Steigerung des Ertrages kann zu enormen Problemen führen. So hat übermässiges Düngen hohe Nitratwerte in benachbarten Flüssen zur Folge, was wiederum die Wasserverschmutzung und das Wachstum von Unkraut erhöht und andere negative Einflüsse haben kann.

Für bisherige Umweltschutzbemühungen wie die Aufforstung von abgeholzten Regenwäldern könnte die Studie weit reichende Konsequenzen haben: Gemäss Hectors und Bagchis Erkenntnissen greift die bisherige Praxis - die Wiederanpflanzung einer einzelnen Baumart - zu kurz.

Als nächsten Schritt überprüfen die beiden Wissenschaftler ihre Erkenntnisse über die Artenvielfalt mit Daten aus den Tropen. Prof. Andrew Hector ist einer der leitenden Forscher des Sabah Biodi-versitätsexperiments im Malayischen Borneo, das verschiedene Wiederanbauschematas von Bäumen untersucht. Dabei wollen die Forscher herausfinden, welche Methode erfolgreicher ist, um ein voll funktionierendes Waldökosystem wieder herzustellen: Anpflanzungen mit vielen verschiedenen Arten oder Monokulturen.

Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät MNF ist eine der sieben Fakultäten der Universität Zürich. Mit ihren rund 150 Professorinnen und Professoren lehrt und forscht die MNF auf höchstem Niveau in den Fachbereichen Geografie und Umweltwissenschaften, Biologie (u.a. Pflanzenbiologie, Zoologie, Anthropologie und Paläontologie), Chemie und Biochemie, Mathematik und Physik (u.a. reine Mathematik, angewandte Mathematik, theoretische Physik, Experimentelle Physik, Teilchenphysik).

Kontakte:
Prof. Andrew Hector, Institut für Umweltwissenschaften, Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich
Tel. +41 44 635 48 04
E-Mail: ahector@uwinst.uzh.ch
Calista Fischer, Kommunikationsbeauftragte der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich
Tel. +41 44 635 40 80
E-Mail: presse@mnf.uzh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.unizh.ch/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Kleinbauern setzen verstärkt auf Monokulturen
10.11.2016 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie