Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwischenfrüchte und Düngung bei konservierender Bodenbearbeitung - tragen bisherige Konzepte auch künftig?

22.02.2007
Zum Thema "Zwischenfrüchte und Düngung bei konservierender Bodenbearbeitung - tragen bisherige Konzepte auch künftig?" fand am 15. Februar 2007 im Forum der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig die Jahrestagung der Gesellschaft für Konservierende Bodenbearbeitung (GKB) in Zusammenarbeit mit dem FAL-Institut für Betriebstechnik und Bauforschung statt.

Die hohe Teilnehmerzahl - 280 Teilnehmer/innen waren der Einladung gefolgt - ist ein Zeichen dafür, dass diese Kommunikations- und Informationsplattform für konservierende Bodenbearbeitung vor dem Hintergrund von Cross Compliance und Bodenschutzprogrammen eine immer größere Rolle spielt. Konservierende Bodenbearbeitung ist nur durch innovative, angepasste und weiterentwickelte Verfahrenstechnik möglich.

Inwieweit konservierende Bodenbearbeitung durch reduzierten Eingriff in das Gefüge zu einer "Kopflastigkeit" von Nährstoffen in der Krume führen kann, erläuterte Dr. Joachim Bischoff von der Landesanstalt für Landwirtschaft in Bernburg. "Die Phosphor-Ernährung der Pflanzen ist gewährleistet, wenn die Versorgung über Vorratsdüngung beziehungsweise bei anspruchsvollen Kulturen über Unterfußdüngung erfolgt", so Bischoff. Die Ursachen für eine verbesserte Ausnutzung der Boden- und Düngerphosphate sind eine höhere bodenbiologische Aktivität, mehr pflanzenverfügbares Bodenwasser im Wurzelraum und offensichtlich auch ein leistungsfähigeres Wurzelsystem nach konservierender Bodenbearbeitung.

Der Landwirt Thorsten Kerzel aus Sachsen-Anhalt stellte für seinen Betrieb "Das Konzept Zwischenfrüchte auf leichten Böden" vor. Dabei verzichtet Kerzel vor allem auf den Pflug, um Wasser und Kosten einzusparen und Winderosion vorzubeugen. Die Zwischenfrüchte werden vor Sommerungen in die Fruchtfolge integriert, um Feldkapazität und Bodenfruchtbarkeit langfristig zu steigern. Selbst wenn sie im Herbst zunächst Wasser für den Aufwuchs verbrauchen, so schaffen Wurzelsystem und Humusanreicherung eine Bodenstruktur, die in der Lage ist, mehr Wasser auf Sandböden zu speichern.

Der Berater Christoph Bommes stellte das System "Cultan Düngung" vor, das punktförmig zwischen den Wurzelreihen Ammonium-Stickstoff injiziert. Besonders bei Direktsaatverfahren ist die wurzelbetonte Ammoniumdepotdüngung von großer Bedeutung, da der für die Nährstoffverfügbarkeit begrenzende Faktor Bodentemperatur weitestgehend ausgeschaltet wird.

Referenten aus dem Ausland berichteten über ihre Erfahrungen mit Zwischenfrüchten bei Direktsaat. Carlos C. Crovetto betreibt seit 50 Jahren erfolgreich Direktsaat in Chile. Intensive Bodenbearbeitung und das Verbrennen von Stroh führten damals und heute zu 10 m tiefen Erosionsrinnen. Zur Minderung von Bodenerosion belässt Crovetto die gesamte organische Masse aus Haupt- und Zwischenfrüchten auf dem Land, um die Bodenorganismen zu füttern: "Das Korn ist für den Menschen, das Stroh ist für den Boden!" So versucht er über Jahre organische Substanz und Bodenneubildung voranzutreiben. Die Erträge geben ihm recht: Sie wurden bei Weizen verdoppelt, bei Körnermais in einigen Fällen sogar vervierfacht. Trotz seiner Erfolge lässt die Akzeptanz für diese bodenschützende Wirtschaftweise in der Region noch zu wünschen übrig.

Andreas Chevert vom Amt für Landwirtschaft des Kantons Bern, Schweiz, stellte eine Streifenanlage zu Pflug- und Direktsaatverfahren vor. Es wurden nicht nur Kosten und Erträge verglichen, sondern auch Umweltwirkungen, wie Energiebedarf, Ozonbildungspotential, Eutrophierung der Gewässer und Bodenqualität. Besondere Aufmerksamkeit verlangt die Direktsaat beim Pflanzenschutzmanagement und der Gesunderhaltung des Getreides.

Alfred Gässler, Landwirt im Pariser Becken referierte zum Thema "Optimierung der Direktsaat durch Zwischenfrüchte a là carte". Nach seiner Auffassung ist die Direktsaat nur erfolgreich, wenn jede Anbaupause der Hauptfrüchte für Zwischenfruchtanbau genutzt wird. Bei der Aussaat in die langen Zwischenfruchtbestände ist eine erfolgreiche Direktsaat nur mit Scheibenscharmaschinen zu erreichen.

Die drei Beispiele für Direktsaat aus Europa und Übersee müssen nun in den einzelnen Regionen Deutschlands auf ihre Praktikabilität überprüft werden. Das ist u.a. Ziel einer Jahrestagung, sich durch neue Ideen von anderen Landwirten, Beratern und Wissenschaftlern inspirieren zu lassen und für den eigenen Standort den Nutzen zu überprüfen.

Kontakt:
PD Dr. Joachim Brunotte und PD Dr. Hans-Heinrich Voßhenrich, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Betriebstechnik und Bauforschung, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig, E-Mail: joachim.brunotte@fal.de, hans.vosshenrich@fal.de

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.fal.de/

Weitere Berichte zu: Bodenbearbeitung Düngung Zwischenfrüchte

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie