Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Energiepolitik im Wandel - Bioenergie von Euphorie bis Kritik

31.01.2007
Erneuerbare Energien sind eigentlich kein Streitthema. Längst hat jeder begriffen, dass Erdöl und Erdgas nicht unendlich bis zu Sankt Nimmerlein zur Verfügung stehen.

Und von den Risiken bzw. der Endlagerproblematik von Kernkraftwerken soll hier schon gar nicht gesprochen werden. Das mediale Zauberwort ist momentan die Energiegewinnung in der Landwirtschaft. Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin gab der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner den Slogan "Kornkraft statt Kernkraft" zum Besten.

In der Tat werden in Deutschland bereits 13 Prozent der Ackerfläche zum Anbau nachwachsender Rohstoffe genutzt. Das ist mit 1,6 Millionen Hektar genau die doppelte Fläche wie noch vor 5 Jahren. Damit werden etwa 7 Prozent des deutschen Energieverbrauchs gedeckt. Nicht nur die Endlichkeit fossiler Energieträger und der Klimaschutz, sondern auch der Abbau von Import-Abhängigkeiten veranlasst auch die EU zu neuen Strategien (jüngstes Beispiel ist die Erdölpipeline "Druschba").

Bis 2020 soll beispielsweise ein Mindestanteil von 10 Prozent für Biokraftstoffe in allen Mitgliedsstaaten erreicht werden. Dieser Euphorie zum Trotz mehren sich aber die kritischen Stimmen. So sieht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) den zunehmenden Anbau energiereicher Pflanzen zur Erzeugung von Biodiesel oder Bioethanol mit wachsender Sorge. "Eine Turbolandwirtschaft, um den viel zu hohen Treibstoffbedarf im Verkehr zu stillen, ist eine Sackgasse", so vzbv-Chefin Professor Edda Müller.

Die Gefahr bestünde, dass die Entwicklung der deutschen Landwirtschaft in die Hand der großen Mineralölkonzerne gelegt werde, die weltweit auf Einkaufstour für Bioenergie gingen. Müller forderte daher eine verstärkte Förderung von Biokraftsstoffen der zweiten Generation. Das sind Kraftstoffe, die vornehmlich aus Holz oder pflanzlichen Abfällen gewonnen werden. Anders als bei Biodiesel wären hierbei keine hochwertigen Feldfrüchte benötigt, was sowohl eine deutlich höhere Energieausbeute als auch eine günstigere Treibhausbilanz verspreche, so Müller. Außerdem sei die Produktion nicht mit den Problemen der Intensivlandwirtschaft verbunden.

Ähnliche Bedenken äußert auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Geschäftsführer Dr. Alexander Gerber sieht vor allem neue Umweltprobleme: "Die Gefahr besteht im Aufkommen von neuen Monokulturen. Die führen dann zu einer Schädlingsverbreitung und Resistenzen und das wiederum zu Rufen nach Gentechnik."

Einig sind sich der vzbv und der BÖLW in der Forderung nach ganzheitlichen Strategien in ökologisch sinnvolle Produktionssysteme.

Harald Seitz | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

Weitere Berichte zu: Biodiesel Bioenergie Energiepolitik Euphorie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Kleinbauern setzen verstärkt auf Monokulturen
10.11.2016 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie