Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tief greifende Strukturreform der Agrarwissenschaften in Deutschland erforderlich

13.11.2006
Die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Agrarwissenschaften in Deutschland muss durch einen strukturellen Konzentrationsprozess deutlich gesteigert werden.

Ungeachtet der zentralen gesamtgesellschaftlichen Bedeutung der Agrarforschung werden an den Universitäten und in der Ressortforschung des Bundes seit einigen Jahren unkoordiniert Stellen in den Agrarwissenschaften abgebaut. Das hat zur Folge, dass vielfach nur noch in unterkritischen und international kaum wettbewerbsfähigen Forschungseinheiten gearbeitet werden kann. Um der institutionellen Zersplitterung der Agrarforschung in Deutschland entgegen zu wirken, hält der Wissenschaftsrat eine umfassende Strukturreform für dringend erforderlich.

- Ziel sollte in erster Linie eine Konzentration der agrarwissenschaftlichen Kapazitäten in Deutschland sein. Hierfür empfiehlt der Wissenschaftsrat, an Stelle der derzeit zehn Fakultäten, künftig etwa sechs leistungsfähige regionale Cluster zu bilden, in deren Zentrum jeweils eine universitäre Fakultät steht. Quantitativ unterkritische Standorte sollten aufgegeben und im Gegenzug andere Standorte, die einen namhaften Beitrag zur Agrarforschung und -lehre leisten können, gezielt gestärkt werden. Für drei Standorte, die keine Aussicht haben, zum Kern eines Clusters zu werden (HU Berlin, Universität Kassel, Universität Rostock), werden alternative Entwicklungen vorgeschlagen.

- Ein Koordinierungs- und Beratungsgremium des Bundes und der Länder ("Plattform") soll den Wettbewerb, der in den nächsten Jahren zu einer Reduktion der Zahl der Fakultäten und der Bildung von regionalen Clustern führen soll, begleiten. Bund, Länder und Wissenschaftsorganisationen sollten neue Formen der institutionellen Kooperation ins Auge fassen, die über das heute erreichte Maß hinausgehen und auch eine Vereinigung unterschiedlicher Einrichtungen unter einem gemeinsamen Dach mit gemeinsamer strategischer Ausrichtung vorsehen.

- Zusätzlich wird angeregt, die Kapazitäten der Agrarforschung durch eine stärkere Einbeziehung von Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) und der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) auf dem Gebiet der Agrarwissenschaften zu erweitern. So könnte in der HGF die Agrarforschung in ihren Schwerpunktbereichen Erde und Umwelt sowie Energie stärker einbezogen werden; Institute der Fraunhofer-Gesellschaft wiederum, die sich in geeigneten regionalen Verbünden und Clustern ansiedeln, könnten die technologische Umsetzung verstärken.

Empfehlungen zur künftigen Entwicklung der Gartenbau-, Forst- und Ernährungswissenschaften runden die vorliegende Empfehlung ab. In den Forst- und Ernährungswissenschaften sieht der Wissenschaftsrat dabei ein großes Potenzial für Kooperationen mit den Agrarwissenschaften, die deutlich über das heute bestehende Maß hinaus erweitert werden sollten.

"Die global zunehmende Unter- und Mangelernährung bei anhaltendem Bevölkerungswachstum, teilweise dramatischer Wassermangel, aber auch die Zerstörung von landwirtschaftlich und forstlich nutzbaren Flächen - all das sind Probleme, deren Lösung einen maßgeblichen Einsatz der Agrarwissenschaften erfordert. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Chancen, die in dieser Empfehlung für die Agrarwissenschaften in Deutschland liegen, jetzt von allen Beteiligten in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft genutzt werden", kommentiert der Vorsitzende, Professor Peter Strohschneider, die Ergebnisse.

Hinweis: Die "Empfehlungen zur Entwicklung der Agrarwissenschaften in Deutschland im Kontext benachbarter Fächer (Gartenbau-, Forst- und Ernährungswissenschaften)" (Drs. 7618-06) werden im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.

Dr. Christiane Kling-Mathey | idw
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaftsrat.de

Weitere Berichte zu: Agrarforschung Agrarwissenschaft Cluster

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht „Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern
20.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise