Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung hilft Reisernten sichern

11.10.2006
Überschwemmungen, Dürren und andere Naturkatastrophen nehmen mit jedem Jahr weltweit zu. Sie bedrohen nicht nur das Leben tausender und abertausender Menschen, sie haben zum Teil auch verheerende Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion. Wie immer sind die Ärmsten der Armen in den Entwicklungsländern am meisten betroffen.

Reis ist Grundnahrungsmittel für über drei Milliarden Menschen, vor allem in Asien. Viele Reissorten gedeihen prächtig auf gefluteten Feldern. Die Reisterrassen in Südostasien zeichnen ein lebendiges Bild davon. Aber eine komplette Überflutung überleben auch diese Sorten nur wenige Tage. Von einer solchen Überflutung ist allerdings ein Viertel der Reisfläche bedroht.

Neue Reissorte überlebt auch unter Wasser

Die Schäden, die Überschwemmungen und Flutkatastrophen jedes Jahr bei Reis anrichten, liegen bei rund einer Milliarde US-Dollar. Über 70 Millionen Bauern sind weltweit davon betroffen. Am Internationalen Reisforschungsinstitut (IRRI) im philippinischen Los Baños (nahe Manila) und an der Universität von Kalifornien arbeitet man an einer Lösung.

... mehr zu:
»Entwicklungsland »Gen »Reissorten

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt haben die Wissenschaftler ein Gen identifiziert. Es versetzt den Reis in die Lage, über einen längeren Zeitraum unter Wasser ohne größere Ertragseinbußen zu überleben.

Bereits seit über einem halben Jahrhundert wurde in der Reiszüchtung versucht, eine Toleranz der Reispflanze gegenüber Überflutungen zu züchten. Diese Toleranz konnte aber nur auf Kosten von Qualität und Ertrag erreicht werden. Deshalb wurden diese Sorten von den Bauern nicht akzeptiert.

Neue Wege in der Züchtungsforschung

Erst die Molekularbiologie und hier besonders die Genkartierung haben die Türen für neue Wege in der Züchtungsforschung geöffnet. Mit ihrer Hilfe ist es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Los Baños und Kalifornien gelungen, in verschiedenen Reissorten eine bestimmte Gruppe von drei Genen auszumachen. Diese Gruppe ist dafür verantwortlich, ob Reis tolerant gegenüber Überflutungen ist oder nicht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifizierten daraus das so genannte Sub1A-Gen, das Reispflanzen befähigt, eine längere Zeit unter Wasser zu überleben.

Der nächste Schritt war die Einkreuzung in gängige Reissorten. Erste Versuche mit der Sorte 'Swarna', die in Indien und Bangladesch angebaut wird, sind viel versprechend. Die Reispflanzen überlebten circa 14 Tage unter Wasser und behielten dabei ihre hohen Erträge und Qualitätseigenschaften. Dieser Teil der Arbeit wurde am IRRI von einer deutschen Wissenschaftlerin durchgeführt.

Für die Fachleute am IRRI ist die Entdeckung des Sub1A-Genoms nur ein erster Schritt. Mit Hilfe der Genkartierung sollen weitere Gene identifiziert werden, die Reis über einen längeren Zeitraum unter Wasser überleben lassen. Diese wichtige Eigenschaft könnte dann auf eine breite genetische Basis gestellt werden.

Erste Erfolge gab es auch bei der Identifizierung von weiteren Genen. Sie sorgen für Toleranz gegenüber Versalzung und Phosphatmangel in Böden sowie gegenüber Kälte und Trockenheit. So hat ein deutscher Wissenschaftler ein Gen im Reis identifiziert, das für eine verbesserte Aufnahme von Phosphor - einem unentbehrlichen Pflanzennährstoff - verantwortlich ist.

Die Bundesregierung und die internationale Agrarforschung

Die Bundesregierung hat dieses aufwändige Forschungsprogramm mitfinanziert. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat über das Internationale Reisforschungsinstitut IRRI einen Betrag in Höhe von 700.000 Euro bereit gestellt. Dieses Geld dient vor allem der Weiterverbreitung des Sub1A-Gens in gängige Reissorten. So zum Beispiel in der Sorte 'Swarna', die auf rund sechs Millionen Hektar in Indien und Bangladesch angebaut wird.

Die deutsche Bundesregierung ist ein wichtiger Beitragszahler für die 15 Internationalen Forschungszentren der Consultative Group for International Agricultural Research (CGIAR). Die Forschungsergebnisse werden vor allem den Entwicklungsländern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Zentren der CGIAR werden finanziert von multilateralen und nationalen Gebern sowie von privaten Stiftungen. Geldgeber sind unter anderem die Weltbank, OECD- und Entwicklungsländer sowie die Ford- und Rockefeller-Stiftung.

An den 15 Zentren, die fast alle in Entwicklungsländern angesiedelt sind, arbeiten über 8.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die CGIAR verfügt jährlich über rund 450 Millionen US-Dollar. Der Beitrag der Bundesregierung für das Jahr 2005 belief sich auf 15,3 Millionen US-Dollar.

Toleranz gegenüber Stressfaktoren wie Dürre, Überflutung oder Versalzung ist eine der Prioritäten der deutschen Förderung.

(Autorinnen: Marlene Diekmann, Gesellschaft für technische Zusammenarbeit - Beratungsgruppe Entwicklungsorientierte Agrarforschung (BEAF), Angelika Wilcke, freie Journalistin)

Dr. Marlene Diekmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.cgiar.org/
http://www.irri.org/
http://www.gtz.de/de/themen/laendliche-entwicklung/1815.htm

Weitere Berichte zu: Entwicklungsland Gen Reissorten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz