Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vermarktung regionaler Produkte stärkt Naturschutz, Tourismus und Wirtschaft

22.01.2001


Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz müssen keine Gegensätze sein, sondern sie können erfolgreich zusammenarbeiten. Dies ist das Ergebnis der heutigen Fachveranstaltung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) im Rahmen der Grünen Woche in Berlin. "Die touristische Vermarktung regionaler Produkte wie Lamm, Käse, Honig oder Heu bietet der Landwirtschaft kurze Vertriebswege und dem Gast authentische Erlebnisse. Werden die Produkte zudem unter Berücksichtigung ökologischer Prinzipien erzeugt, so profitieren neben der Gesundheit des Verbrauchers auch Natur und Landschaft," erklärte der BfN-Präsident Prof. Hartmut Vogtmann.


Es sind jedoch nicht nur Lebensmittel, die sich touristisch vermarkten lassen: Heubäder aus Bergwiesenheu stellen ebenso touristische Attraktionen dar wie handwerkliche und künstlerische Erzeugnisse, die aus Rohstoffen wie Holz oder Schafwolle gefertigt wurden. Anhand von vier Beispielen aus ländlichen Regionen Deutschlands und Österreichs wurden in der Fachtagung die Möglichkeiten und Chancen der regionalen Vermarktung von verschiedensten landwirtschaftlichen Produkten und Rohstoffen im Tourismus demonstriert. In allen Fällen ist es gelungen, das touristische Profil durch die effektive Vermarktung regionaler Produkte zu stärken.

Beispiel Naturpark Altmühltal

Hier wird ganz auf die Vermarktung von Lammfleisch gesetzt. Die Hüteschäferei hat dort eine lange Tradition und trug entscheidend zur Entstehung der charakteristischen offenen Landschaft bei. Mit einem in Bayern einmaligen Landschaftsschutzprojekt wird den Hüteschäfern heute ein gerechter Abgabepreis für "Altmühltaler Lamm" garantiert. So konnte die Existenz der Traditionsbetriebe gesichert werden und mit ihr der Erhalt der alten Kulturlandschaft, was für den naturorientierten Tourismus dort von elementarer Bedeutung ist. Gastronomen und Schlachtereien erhalten mit dem "Altmühltaler Lamm" ein Produkt höchster Qualität mit garantiertem Erzeugungs- und Herkunftsnachweis. Auch Gäste und Bewohner des Naturparks schätzen diese kulinarische Besonderheit sehr, auf deren regionale Identität und gesicherte Qualität sie sich verlassen können.

Beispiel Bregenzerwald
Im österreichischen Vorarlberg ist seit vielen Jahren der Tourismus die größte Einnahmequelle. Seit Mitte der 90er Jahre waren jedoch aufgrund des veränderten Reiseverhaltens der Bevölkerung sinkende Gästezahlen zu verzeichnen. Das Pilotprojekt "KäseStraße Bregenzerwald" sollte einen Beitrag leisten, die Attraktivität des Lebensraums Bregenzerwald für Bewohner und Gäste zu erhalten bzw. zu steigern. Bei der"KäseStraße" handelt es sich nicht um eine Straße im klassischen Sinne, sondern um die Vermarktungsstrategie rund um den für die Region so charakteristischen Käse. Sennereien, Bauernhöfe, Gasthöfe und Lebensmittelhändler, aber auch Freizeit- und Kultureinrichtungen gestalten hier zusammen ein vielfältiges Angebot. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Schon ein Jahr nach Eröffnung der "KäseStraße" stieg die Nachfrage nach Käseprodukten in Sennereien und Gastronomie stark an. Die Vielfalt an Käsesorten ist seitdem ein Aushängeschild des Bregenzerwaldes, was zu einer Steigerung der regionalen Wertschöpfung um 5,09 Mio. Euro führte. Durch Werbung, Beschilderungsmaßnahmen und einen attraktiven Internetauftritt konnte vor allem der Anteil der Tagesausflüge in die Region gesteigert werden.


Beispiel Pfrontener Heukur
"Ab ins Heu" empfiehlt man in Pfronten im Allgäu den Gästen. Mit der "Pfrontener Heukur" verwandelten einfallsreiche Hoteliers die alte Tradition des Heuliegens in eine zeitgemäße therapeutische Anwendung. Das verwendete Heu stammt von ungedüngten und unbeweideten steilen Bergwiesen, die nur ein Mal im Jahr von Hand gemäht werden. Das Heu enthält laut Analyse bis zu 80 verschiedene (Heil-)Kräuter. Die extensive Mahd sichert den Erhalt der artenreichen Bergwiesen und trägt so zum Schutz der klassischen Kulturlandschaft bei. Im Bereich des Gesundheitstourismus hat sich Pfronten mit seinen Heukuren eine bundesweit einmalige Attraktion geschaffen.

Beispiel Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin
Den Aufbau einer Dachmarke für viele verschiedene Produkte aus der Region hat sich der Förderverein des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin in Brandenburg auf die Fahnen geschrieben. Die auf Grund ihrer Naturschönheiten als Erholungsgebiet bedeutsame Region hatte schon immer mit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen, dünner Besiedelung und unfruchtbaren Böden zu kämpfen. Mit der Entwicklung und Einführung des Herkunftszeichens "Regionalmarke BiosphärenreservatSchorfheide-Chorin" erhalten Anbieter von Produkten und Dienstleistungen aus dem Biosphärenreservat ein effektives Werbeinstrument. Die Anbieter müssen dabei festgelegte Umwelt-, Regionalitäts- und Qualitätskriterien erfüllen. Die Regionalmarke wird für land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse genauso vergeben wie für Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe sowie kunstgewerbliche und handwerkliche Produkte. Eine derartig umfassendes Markenzeichen für viele verschiedene Produkte einer abgegrenzten Region ist bislang beispiellos in Deutschland.

Franz August Emde | idw

Weitere Berichte zu: Biosphärenreservat Heu Vermarktung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Gipfel der Evolution – Flechten bei der Artbildung zugeschaut

27.04.2017 | Biowissenschaften Chemie