Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare und biochemische Untersuchungen der Toleranzmechanismen von Apfel gegen Feuerbrand

23.03.2004




Die volkswirtschaftlichen Kosten von Apfel- und Birnenbäumen, die mit Feuerbrand infiziert sind, sind enorm. Ein Forscher an der TU Wien ist überzeugt, den Feuerbrand mit Genanalyse in den Griff zu bekommen.


Die Folgen einer Grippe-Epidemie sind verheerend, die volkswirtschaftlichen Kosten enorm. Ähnliches gilt für Apfel- und Birnenbäume, die mit Feuerbrand infiziert sind. Hier leiden vor allem die Obstbauern, denn das Gesetz lässt in Österreich derzeit nur eine Alternative zu: Rodung. Für manche Obstbauern kann das den finanziellen Ruin bedeuten. Ein Forscher an der Technischen Universität Wien ist überzeugt, mit der Entschlüsselung der Gene Feuerbrand-resistenter Obstbäume den Schlüssel zum Erfolg zu erhalten.

Wissenschafter zerbrechen sich schon seit längerer Zeit den Kopf darüber, wie man Feuerbrand bekämpfen kann. Mit den bisher entwickelten Maßnahmen, wobei die TU Wien bereits einmal im Rahmen eines EU-Projekts federführend tätig war, kann man den Feuerbrand aber noch nicht vollständig bekämpfen. Geht es nach dem TU-Professor Karl Stich, wird sich das aber ändern. Er feilt an der Entschlüsselung von Apfelbaum-Genen.


Erste Erfolge mit Antibiotika und Regalis

Eine wirksame aber keineswegs optimale Lösung zur Bekämpfung von Feuerbrand ist der Einsatz von Antibiotika. Zum einen zeitsensibel (der Zeitpunkt des Spritzens muss so gewählt werden, dass keine Bienen fliegen. Die zulässigen Grenzwerte für Antibiotika im Honig würden dadurch überschritten.), zum anderen nur für den Plantagenobstbau und nicht für den Streuobstbau sinnvoll.

Der TU-Professor Karl Stich vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften hat sich daraufhin Alternativen zur Bekämpfung des Feuerbrands überlegt - nämlich den Einsatz von Prohexadion-Ca (Handelsbezeichnung: Regalis). Einem EU-Forscherteam unter der Koordination von Karl Stich ist es dadurch gelungen, den sekundären Feuerbrand (Befall des Holzes) in den Griff zu bekommen. Er gibt sich damit jedoch noch nicht zufrieden und erforscht ein weiteres Territorium, um den Feuerbrand langfristig ausrotten zu können: die Genetik von Apfelbäumen.

Entschlüsselung von Genen wird zum Erfolg führen

Mittels Genanalyse Mörder überführen, warum nicht auch den Feuerbrand bekämpfen? Stichs Forschungsinteresse für das Thema Feuerbrand hat ihn auf diese Spur geführt, die er seit 2000 konsequent verfolgt. Er sagt nun auch der primären Feuerbrand-Infektion (Befall der Blüten) den Kampf an.

Stich setzt auf sogenannte "Re-Sorten". Das sind Apfelsorten wie z. B. Retina, Reglindis, Reka, Relinda, etc, die nicht nur schorfresistent, sondern außerdem robust gegenüber Mehltau und Feuerbrand sind. Diese Sorten schalten von Haus aus viele Krankheiten aus.

Karl Stich blickt nun sozusagen hinter die Kulissen der resistenten Apfelsorten um herauszufinden, welche Gene für die Resistenz gegen Feuerbrand verantwortlich sind. Das allein reicht aber noch nicht aus. Schließlich wollen die Konsumenten große Äpfel, die geschmacklich superb und noch dazu lagerfähig sind. Eine komplexe Herausforderung, der sich Prof. Stich im Rahmen eines vom Landwirtschaftsministeriums in Kooperation mit allen neun Bundesländern geförderten Projektes widmet, das noch bis Juli 2006 läuft.

Das Projekt soll physiologische und genetische Mechanismen der quantitativen Resistenz des Apfels gegen Feuerbrand aufklären. Im Mittelpunkt stehen Flavonoide und der Flavonoidstoffwechsel. Das sind die "Kandidaten", die zur erhöhten Resistenz der Krankheit beitragen. Darüber hinaus soll in systematischen molekulargenetischen Experimenten die Genetik, die involvierten Gene und weitere Faktoren der Resistenz untersucht werden. Die Erstellung einer Genkarte und Platzierung von Quantitative Trait Loci (QTLs) für Feuerbrandresistenz auf dieser Karte ermöglichen die Entwicklung von molekularen Markern. Diese Marker werden dann für markergestützte Selektion resistenter Sorten sowie zur Diagnostik des Resistenzpotentials existierender Apfelsorten im österreichischen Obstbau eingesetzt.

Das Projekt "Molekulare und biochemische Untersuchungen der Toleranzmechanismen von Apfel gegen Feuerbrand" läuft von August 2003 bis Juli 2006. Die Kooperationspartner von Karl Stich sind das ARC Seibersdorf (Eva Wilhelm), AGES (Sylvia Blüml) sowie die Deutsche Bundesanstalt für Züchtungsforschung - Dresden-Pillnitz (Viola Hanke) und der Lehrstuhl für Obstbau der TU München, Freising-Weihenstephan (Dieter Treutter).

Steckbrief: Feuerbrand

Die Bezeichnung "Feuerbrand" kommt daher, weil die mit dieser Krankheit infizierten Bäume aussehen, als ob man die Zweige über das Feuer gehalten hätte - braun bis schwarz, dürr und eingerollt. Feuerbrand ist ein Bakterium, das "nur" apfelfrüchtige Rosengewächse befällt (Apfel, Birne, Feuerdorn, Quitte, Weiß- und Rotdorn, etc). Feuerbrand ist hoch infektiös und wird sehr leicht durch Insekten aber auch durch Garten-Werkzeug übertragen. Besonders günstige Bedingungen hat das Bakterium bei schwülem Wetter.

Feuerbrand ist eine Pflanzenkrankheit, die vor ca. 200 Jahren erstmals in den USA auftrat. Danach schwappte die Infektion nach Kalifornien und Neuseeland über. Von dort wurde die Krankheit höchstwahrscheinlich durch den Export von Früchten nach Europa importiert. In Europa trat Feuerbrand 1957 in Südengland erstmalig auf, 1993 wurde das erste Feuerbrandauftreten in Vorarlberg nachgewiesen. Seit 2001 ist erstmals kein österreichisches Bundesland nachgewiesenermaßen feuerbrandfrei.

Mag. Karin Peter | idw
Weitere Informationen:
http://www.tuwien.ac.at

Weitere Berichte zu: Antibiotikum Apfel Apfelsorten Feuerbrand Gen Resistenz Toleranzmechanismen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise