Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Olivenreste als Pflanzenschutzmittel

18.03.2003


Bei der Produktion von Olivenölen bleiben massenhaft Schalen, Kerne und andere feste Bestandteile zurück. Entsprechend behandelt, eignet sich dieses als Trester bezeichnete Material zumindest im Labor ausgezeichnet, um gefährlichen Schadpilzen den Garaus zu machen. Das haben Wissenschaftler der Universität Bonn festgestellt, als sie nach Möglichkeiten suchten, den lästigen Bioabfall weiter zu verwerten. Das Projekt wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gefördert.




Die Nachbarn von Olivenbaronen haben es nicht leicht: So gut die fertigen Öle auch schmecken, bei ihrer Herstellung bleiben massenhaft feste Bestandteile zurück. Und die beginnen nach einer Weile kräftig zu stinken. Das liegt vor allem am hohen Öl- und Fettgehalt der Reststoffe. Dazu kommt, dass Oliventrester Polyphenole enthält, die dafür sorgen, dass es nicht bei einem kurzen geruchlichen Intermezzo bleibt: Sie verhindern nämlich, dass sich im Trester Bakterien und Pilze vermehren und ihn zügig in Kompost verwandeln. "Da haben Sie lange und intensiv ihre Freude dran", so Dr. Günther Laufenberg vom Bonner Institut für Lebensmitteltechnologie. Auf der Suche nach Verwertungsmöglichkeiten kam er zusammen mit seinen Kollegen auf die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen: "Vielleicht eignet sich der polyphenolhaltige Trester als Pflanzenschutzmittel für den organischen Landbau."



Gegen manche Pilze aus der Sammlung des Instituts konnten die Forscher mit Flüssigextrakten aus den Olivenresten schon durchschlagende Erfolge erzielen - darunter beispielsweise der Grauschimmel-Pilz Butrytis cinerea, der gerne auf alten Erdbeeren schmarotzt, und der Getreideschädling Fusarium culmorum. Auf Kulturplatten mit Tresterextrakt wachsen beide Pilze erheblich schlechter als unter normalen Bedingungen. Im Sommer sind weitere Feldversuche geplant, so gegen den Erreger der Kartoffelfäule, der Mitte des 18. Jahrhunderts in Irland mehrere Jahre hintereinander die komplette Kartoffelernte vernichtete. Eine verheerende Hungersnot mit mehr als einer Million Toten war die Folge, der einsetzende Massenexodus führte in den Folgejahren zwei Millionen Iren ins "gelobte Land" - nach Amerika.

Das wichtigste Polyphenol in der Olive ist das Oleuropein. Es dient der Pflanze als selbstproduzierte Biowaffe gegen Krankheitserreger. "Wenn wir den Trester einfrieren oder im Gegenteil kurz erhitzen, zerfällt das Oleuropein in zwei weitere Spaltprodukte, die noch erheblich wirksamer sind", erklärt Dr. Laufenberg. Vielleicht ist aber auch die Kombination der drei Substanzen für das gute Ergebnis ausschlaggebend. Die Lebensmitteltechnologen untersuchen unter anderem, wie sie den Trester behandeln müssen, um den Saft aus den Olivenresten zu einer möglichst effektiven Waffe zu machen. Außerdem versuchen sie, durch geschickte Extraktionsverfahren die Polyphenolausbeute zu steigern.

"Da gibt es viele Stellschrauben, an denen wir drehen können", sagt Laufenberg-Mitarbeiter Robert Pospiech: Die Forscher frieren die braune Masse ein oder kochen sie, um sie dann kräftig mit Ultraschall durchzuschütteln, oder sie trocknen und zermahlen sie zu feinem Mehl, um sie dann nachher in Wasser oder Alkohol sanft zu verrühren. Je nach Methode sind die Ergebnisse nachher völlig unterschiedlich. "Wir bevorzugen natürlich umweltverträgliche Lösungsmittel und energiesparende Extraktionsverfahren", betont Dr. Laufenberg, "alles andere würde das Produkt nur unnötig verteuern und zu Lasten der Ökobilanz gehen." Am Ende hoffen die Forscher, aus dem Olivenabfall eine Art "Polyphenol-Lack" zu entwickeln, der - auf den Feldern versprüht - den Nutzpflanzen als eine "natürliche Barriere" gegen Krankheitserreger dient.

Ursprünglich hatten die Bonner Lebensmitteltechnologen mit den stinkenden Trester-Rotten ganz andere Pläne: "Wir wollten versuchen, daraus Aromastoffe herzustellen." Die Arbeit sollten nützliche Pilze und Bakterien verrichten - ähnlich denen, die aus Weißkohl Sauerkraut machen. Dr. Günther Laufenberg: "Aber auf dem Oliventrester wuchs einfach nichts."

Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Günther Laufenberg
Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität Bonn
Telefon: 0228 - 734274
E-Mail: g.laufenberg@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2003/088.html

Weitere Berichte zu: Krankheitserreger Oleuropein Pflanzenschutzmittel Trester

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive