Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentech-Samen bleiben zehn Jahre lang keimfähig im Boden

02.04.2008
Experte: Schlimmste Befürchtungen werden zur Realität

Zehn Jahre lang bleiben Samen von gentechnisch verändertem Raps keimfähig im Boden. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Swedish Board of Agriculture im Wissenschaftsmagazin Biology Letters. Die Wissenschaftler hatten die gentechnisch veränderte Rapssaat vor zehn Jahren auf einem Feld ausgebracht. Trotz mehrfacher chemischer Behandlung mit Herbiziden, um die Samen zu vernichten, konnten die Forscher um Tina D'Hertefeldt von der Universität Lund immer noch Gentech-Pflanzen auf dem Feld finden.

"Das Ergebnis erinnert an den Science Fiction Film Jurassic Park. In diesem Film wurde bereits vorweg genommen, dass der Glaube der Wissenschaftler an die Berherrschbarkeit von Lebewesen ein Irrtum mit fatalen Folgen ist. Lebewesen gehorchen ihren eigenen Gesetzen, die der Mensch niemals vollständig verstehen und niemals planen und somit beherrschen kann", meint der Gentechnik-Experte Werner Müller von Eco-Risk im pressetext-Interview. Diese Forschungsergebnisse zum Gentech-Raps seien der endgültige Beweis dafür, dass eine Rückkehr zu herkömmlicher Landwirtschaft nicht mehr möglich sei. "Je größer die Flächen mit gentechnisch-veränderten Pflanzen werden, desto unmöglicher wird eine gentechnik-freie Ernte."

Das Argument, das auch herkömmliche Rapssaaten über derart lange Zeiträume im Boden gespeichert bleiben, sei in der Wissenschaft hinlänglich bekannt. "Die Proponenten der Gentech-Industrie kontern immer mit diesem Argument", merkt Müller an. Herkömmlicher Raps trage jedoch keine synthetischen Gene in sich. "In Gentech-Pflanzen werden künstliche synthetische Gene eingesetzt, die in keinem einzigen Lebewesen der Erde - mit Ausnahme von Gentech-Pflanzen - vorkommen." Diese synthetischen Gene wären neu für das Ökosystem und neu für das menschliche und tierische Immunsystem. "Die Vorsorgebestimmung für synthetische Gene von Gentech-Pflanzen müssen viel strikter ausgelegt werden als bei herkömmlichen Pflanzen mit einem natürlichen Genom", so der Experte. Gentechpflanzen, die man nicht beherrschen könne, haben im Freiland nichts verloren. Denn niemand sei in der Lage heute vorherzusagen, welche Wirkung eine Auskreuzung der synthetischen Gene auf andere wildwachsende Arten habe.

... mehr zu:
»Gentech-Pflanze

Bisher konnte keine einzige gentechnisch-veränderte Pflanze gefunden werden, die derart lang im Boden gespeichert bleibe. Selbst die Studienleiterin zeigte sich vom Untersuchungsergebnis überrascht. Was die Wissenschaftler allerdings am meisten wunderte war, dass die Samen eine Komplett-Besprühung mit Herbiziden und eine nachherige zweijährige Kontrolle überlebten. Trotzdem konnte das Forscherteam nach zehn Jahren 15 gentechnisch-veränderte Rapspflanzen entdecken. "Die Studie beweist, dass gentechnisch veränderte Pflanzen schwer eingedämmt werden können", meint der Pflanzenökologe Mark Westoby von der australischen Macquarie Universität gegenüber BBC. "Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass sich diese Pflanzen überhaupt nicht mehr beschränken lassen. Daher sollte man sich die Frage stellen, was geschieht, wenn sie sich in der freien Natur ausbreiten und sich mit anderen kreuzen."

Der deutsche Biologe und Nobelpreisträger Georges Köhler prognostizierte vor zehn Jahren, dass es als Konsequenz der Gentechnik eine Genverschmutzung geben werde, meinte aber, dass diese beherrschbar sein würde. "Dieses Forschungsergebnis ist der Beweis für die Richtigkeit des ersten Teils der These, dass es eine genetische Verschmutzung geben wird, und für die falsche Einschätzung des zweiten Teils der These, nämlich dass diese vom Menschen beherrschbar sei", erklärt Müller abschließend gegenüber pressetext.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://publishing.royalsociety.org
http://www.lu.se/lund-university
http://www.eco-risk.at

Weitere Berichte zu: Gentech-Pflanze

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Beschichtung lässt Muscheln abrutschen

18.08.2017 | Materialwissenschaften

Fettleber produziert Eiweiße, die andere Organe schädigen können

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

18.08.2017 | Geowissenschaften