Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Sauberes Wasser trotz Pestiziden"

31.05.2002


Prof. Dr. Hans-Georg Frede vom Institut für Landeskunde der Justus-Liebig-Universität Gießen führt gemeinsam mit dem Industrieverband Agrar ein Diskussionsforum auf der "Woche der Umwelt" in Berlin durch

"Umweltschutz ist kein Modethema, sondern ein nach wie vor modernes Thema. Umwelttechnik auf höchsten Niveau kann helfen, unsere natürlichen Lebensgrundlagen auf Dauer zu erhalten, neue Arbeitsplätze zu schaffen und bestehende zu sichern." Mit diesen Worten brach Bundespräsident Johannes Rau im Vorfeld der "Woche der Umwelt", die auf seine Initiative hin am 3./4. Juni 2002 im Park des Schlosses Bellevue in Berlin stattfinden wird, eine Lanze für den innovativen Umweltschutz. Organisiert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), der größten Umweltstiftung Europas, werden rund 160 Aussteller den 10.000 geladenen Gästen in einer zweitägigen Schau deutsche Spitzen-Umwelttechnik und -forschung präsentieren und in über 40 hochkarätig besetzten Einzelveranstaltungen ihre Bedeutung für Deutschland diskutieren.

Auch die Justus-Liebig-Universität Gießen ist auf der "Woche der Umwelt" in Berlin vertreten: Prof. Dr. Hans-Georg Frede, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Landeskultur (Fachbereich 09 - Agrarwissenschaften, Öktrophologie und Umweltmanagement) wird in Zusammenarbeit mit dem Industrieverband Agrar (Frankfurt) ein Diskussionsforum zum Thema "Sauberes Wasser trotz Pestiziden" durchführen. Die Veranstaltung beginnt am 3. Juni 2002 um 11 Uhr im Ausstellungszelt "Gewässerschutz" im Park von Schloss Bellevue.

Sauberes Wasser trotz Pestiziden

In Deutschland werden jährlich rund 30.000 Tonnen Pflanzenschutz-Wirkstoffe ausgebracht. Davon gelangen Schätzungen zufolge 25 bis 30 Tonnen in die Gewässer. Gemessen am Gesamtaufwand ist das wenig - etwa ein Promille. Gemessen an bestehenden Grenzwerten ist es - manchmal - zuviel. In einem Liter Trinkwasser darf zum Beispiel nur 0,1 µg eines Pflanzenschutz-Wirkstoffs enthalten sein. Prof. Frede und sein Mitarbeiter Dr. Martin Bach sind sich sicher: Gewässerbelastungen durch Pestizide müssen nicht sein. Schon mit einfachen Maßnahmen lässt sich nach ihrer Überzeugung sauberes Wasser erreichen, ohne dass die Landwirte auf wirkungsvollen Pflanzenschutz verzichten müssen.

Unser Trinkwasser wird hauptsächlich aus Grundwasser gewonnen. Grundwasser ist deshalb streng geschützt. Für Pflanzenschutzmittel gilt dort derselbe Grenzwert wie im Trinkwasser. Die Einhaltung dieses Grenzwerts wird an zahlreichen Messstellen überprüft. 1998 waren von 50.000 Grundwasserproben 98,5 % ohne Beanstandung. Nur bei 1,5 % wurde der Trinkwasser-Grenzwert überschritten. Mehr als 90 % der Beanstandungen betrafen Substanzen, die heute nicht mehr eingesetzt werden. Diese Funde sind überwiegend auf Anwendungen aus den 80er und 90er Jahren zurückzuführen, möglicherweise auch auf illegalen Mitteleinsatz. Die derzeit zugelassenen Pflanzenschutzmittel werden nur sehr selten im Grundwasser nachgewiesen.

Der größte Anteil von Pflanzenschutzmittel-Funden entfällt auf offene Gewässer wie Bäche, Flüsse und Seen. Die Belastungen entstehen durch die Abschwemmung der Substanzen mit dem Regenwasser (runoff), durch Windverwehung (Abdrift) und Austrag durch Drainagen. Über Modellberechnungen lässt sich für verschiedene Regionen Deutschlands ermitteln, welcher dieser Eintragswege in welcher Landschaft von Bedeutung ist. Umfangreiche Überprüfungen der berechneten Werte zeigen, dass auf dieser Basis entwickelte Belastungskarten recht genaue Aussagen zulassen. Damit können auch gezielte Schutzmaßnahmen wie beispielsweise abflussmindernde Maßnahmen ergriffen werden.

Belastungsursachen

Mit Abschwemmung, Abdrift und Drainage lassen sich die tatsächlichen Funde von Pflanzenschutzmitteln in unseren Flüssen aber nur zum Teil erklären. Erhebliche Mengen gelangen vielmehr über Kläranlagen in die Gewässer. Das haben umfangreiche Untersuchungen gezeigt. Diese Einträge stammen vor allem aus der Reinigung von Pflanzenschutzspritzen auf den Hofflächen der Landwirtschaftsbetriebe. Das Waschwasser gelangt über den Hofabfluss in eine Kläranlage oder direkt in ein Gewässer und führt dort zu erheblichen Belastungen. Einträge aus solchen "Punktquellen" können bis zu 90 % der Menge an Pflanzenschutzmitteln in Gewässern ausmachen.

Die Belastung aus Kläranlagen ist insbesondere im Süden und Westen Deutschlands ein Problem. Hier gibt es viele kleine Landwirtschaftsbetriebe und sehr viele Obst- und Weinbaubetriebe, von denen fast jeder eine eigene Spritze unterhält. Allein auf hessischen Bauerhöfen stehen sechs Mal so viele Pflanzenschutz-Spritzen wie in allen Neuen Bundesländern zusammen. Entsprechend häufig finden Reinigungsvorgänge statt.

Die Gießener Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass solche Einträge über Kläranlagen durch einfache Verhaltensänderungen der Landwirte völlig unterbunden werden können: zum Beispiel durch Sorgfalt beim Befüllen der Tanks und durch die Reinigung der Geräte auf dem Feld. Sie setzen auf gezielte Beratung. Ergebnisse aus ihren Pilotprojekten zeigen, dass nach entsprechenden Informationskampagnen für die Landwirte die Punkteinträge um bis zu 90 % zurückgingen. Prof. Frede und Dr. Bach haben somit Grund zu Optimismus: "Sauberes Wasser trotz Pestiziden" ist möglich.

Kontakt:

Prof. Dr. Hans-Georg Frede
Institut für Landeskultur
Heinrich-Buff-Ring 26-32
35392 Gießen
Tel.: 0641/99-3 73 80
Fax: 0641/99-3 73 89
E-Mail: Hans-Georg.Frede@agrar.uni-giessen.de

Dr. Martin Bach
Tel.: 0641/99-3 73 75
Fax: 0641/99-3 73 89
E-Mail: Martin.Bach@agrar.uni-giessen.de

 

Charlotte Brückner-Ihl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/wochederumwelt

Weitere Berichte zu: Gewässer Kläranlage Pestizid Pflanzenschutzmittel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Kaskadennutzung auch bei Holz positiv
11.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?
29.11.2017 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten