Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antibiotikaresistente Bakterien in gesunden Schlachthähnchen nachgewiesen

11.07.2013
Nachweis für ESBL und AmpC produzierende Darmbakterien in Hähnchen

Eine Forschergruppe aus dem Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) hat Hähnchen vom Schlachthof auf ESBL und AmpC bildende Bakterien untersucht. In dem Fachmagazin Emerging Infectious Diseases haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse veröffentlicht. Ihr Ziel war, zu untersuchen, wie verbreitet die antibiotikaresistenten Bakterien in der Produktionskette von Hähnchen sind.

ESBL ist die Abkürzung für das Enzym „Extended-Spectrum Beta-Laktamase“. Hinter AmpC verbirgt sich das Enzym „AmpC Beta-Laktamase“. AmpC und ESBL produzierende Bakterien sind verschiedene Darmbakterien (Enterobakterien), die unterschiedliche Formen von Beta-Laktamase mit einem erweiterten Wirkspektrum produzieren. Die Besonderheit dieses Enzyms ist seine Fähigkeit, sogenannte Betalaktam-Antibiotika zu inaktivieren und den Bakterien eine antibiotikaresistente Eigenschaft zu verleihen. Der bekannteste Vertreter dieser Antibiotikagruppe ist Penicillin. ESBL-Enzyme inaktivieren zudem auch Betalaktam-Antibiotika mit einem breiteren Wirkspektrum.

Für die Studie haben die Wissenschaftler in einem Schlachthof etwa 120 Blinddarm- und Karkassenproben von vier unterschiedlichen Herden genommen. ESBL produzierende Bakterien haben sie in 88,6 Prozent der Karkassen und 72,5 Prozent der Blinddarmproben nachweisen können. AmpC-Produzenten fanden sie in 52,9 Prozent der Karkassenproben und in 56,9 Prozent der Proben, die dem Blinddarm entnommen wurden. Die meisten Erreger waren Escherichia coli (E. coli) – ein häufiges Darmbakterium. In jeweils zwei Proben fanden sie zudem Enterobacter cloacae und Proteus mirabilis. Mit ihrer Studie liefern die Wissenschaftler einen Hinweis, dass gesunde Hähnchen eine Quelle für die Verbreitung von übertragbaren Resistenzmechanismen in Enterobakterien sein können.

Antibiotikaresistenzen gefährden in der Human- wie in der Tiermedizin den Behandlungserfolg bei Infektionskrankheiten. In den vergangenen Jahrzehnten haben Enterobakterien, und vorallem E. coli, die ESBL produzieren, weltweit stark zugenommen.

Die ESBL- und AmpC-Resistenzgene liegen meistens auf den sogenannten Plasmiden – kleine DNA-Moleküle, die außerhalb des Zellkerns vorkommen. Sie können sich autonom vom Hauptchromosom in der Zelle vervielfältigen und zwischen den Bakterien ausgetauscht werden. So können die Resistenzgene im ungünstigen Fall von nicht-pathogenen Bakterien auf Krankheitserreger übertragen werden.

Lebensmittelgetragene Infektionserreger rufen bei den Tieren meistens keine Krankheiten hervor. Erregerquellen können daher nur durch regelmäßige Beprobungen in der Tierhaltung und Untersuchungen der Endprodukte erkannt werden.

Die Originalpublikation
Extended-Spectrum β-Lactamase- and AmpC-Producing Enterobacteria in Healthy Broiler Chickens, Germany
Reich F, Atanassova V, Klein G
Emerging Infectious Diseases, DOI: 10.3201/eid1908.120879
Für fachliche Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Prof. Dr. Günter Klein
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Lebensmittelqualität und
-sicherheit
Tel.: +49 511 856-7256
guenter.klein@tiho-hannover.de

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Kaskadennutzung auch bei Holz positiv
11.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?
29.11.2017 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Brände die Tundra langfristig verändern

12.12.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen

12.12.2017 | Medizin Gesundheit