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Am Blattgrün kranke Pflanzen erkennen

01.04.2015

Die Abbauprodukte des Blattgrüns wollen österreichische und italienische Wissenschaftler gemeinsam nutzen, um frühzeitig den Befall von heimischen Obstbäumen und Weinreben mit schädlichen Mikroorganismen festzustellen. Dieser neue Ansatz soll die Grundlage für ein Werkzeug schaffen, mit dem Landwirte den Zustand von Pflanzen im Feld einfach und rasch beurteilen können.

Die in Nord- und Südtirol wichtigen Kulturpflanzen Apfel, Marille und Zwetschke können von Bakterien befallen werden. Die daraus resultierenden Pflanzenkrankheiten wie Apfeltriebsucht und Steinobstvergilbung verursachen große wirtschaftliche Schäden.


Gesunde Chardonnay-Weinreben am Hausanger des Versuchszentrums Laimburg, aufgenommen Mitte Juli

Foto: Cecilia Mittelberger


Blatt einer infizierten Rebe aus der gleichen Lage

Foto: Cecilia Mittelberger

Ähnliches gilt für den Wein, der vor allem in Südtirol eine bedeutende Rolle spielt und bei dem Mikroorganismen ebenfalls Vergilbungskrankheiten auslösen können. Ein gemeinsames Symptom dieser Pflanzenkrankheiten ist ein frühes Vergilben der Blätter. Ähnlich wie bei der herbstlichen Verfärbung der Blätter, ist dies ein Zeichen für den Abbau des Blattgrüns (Chlorophyll).

Diese Ähnlichkeit wollen Forscher der Universität Innsbruck und des Land- und Forstwirtschaftlichen Versuchszentrums Laimburg in Südtirol nutzen, um neue Wege zur Früherkennung von erkrankten Pflanzen zu erschließen.

„Derzeit ist ein eindeutiger Nachweis nur mit aufwändigen molekularbiologischen Methoden möglich oder anhand der Symptome, die aber oft erst mehrere Jahre nach der Infektion auftreten“, erklärt Dr. Michael Oberhuber, Direktor des Versuchszentrums Laimburg.

Komplexe Abbauprozesse

„Wir haben die Mechanismen des Chlorophyll-Abbaus während der Herbstfärbung und bei der von Schädlingen ausgelösten Vergilbung verglichen“, sagt Prof. Bernhard Kräutler vom Institut für Organische Chemie an der Universität Innsbruck. Seine Arbeitsgruppe gilt international als Vorreiter bei der Erforschung des Chlorophyll-Abbaus und kann heute schon sehr geringe Mengen von Abbauprodukten im Labor nachweisen. Bei ihren Untersuchungen haben die Forscherinnen und Forscher nun festgestellt, dass in kranken Pflanzen generell weniger Chlorophyll vorhanden ist und dass dessen Abbau auch wesentlich früher einsetzt als bei gesunden Pflanzen. Allerdings sind die beim Chlorophyll-Abbau entstehenden Produkte deutlich vielfältiger als bisher angenommen, und es treten neue, bisher unbekannte Abbauprodukte dabei auf. „Dies macht die Aufgabe für uns sehr komplex und wirft auch viele neue wissenschaftliche Fragen auf“, sagt Prof. Kräutler.

Einfaches Werkzeug als Ziel

Welches der Abbauprodukte des Chlorophylls für das Vorhaben geeignet ist, müssen die Wissenschaftler erst noch herausfinden. Wenn sich die Hypothese der Forschungspartner aber bestätigt, könnten diese als Biomarker für den Befall heimischer Nutzpflanzen durch mikrobielle Schädlinge dienen. Die Abbau-Produkte könnten dann die Grundlage für die frühzeitige Erkennung der Krankheiten bilden.

„Ein Fernziel unser Forschungen ist es, den Landwirten auf dem Feld ein einfaches Werkzeug in die Hand zu geben, mit dem sie den Pflanzensaft aus den Blättern analysieren und so sehr viel früher als bisher kranke Pflanzen identifizieren können“, sagt Dr. Oberhuber vom Versuchszentrum Laimburg. Eine solche Technologie hilft nicht nur einheimischen Bauern, sondern würde wohl weltweit auf großes Interesse stoßen.

Finanziell gefördert wurde diese Pilotstudie vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen eines Interreg-IV-Italien Österreich-Projekts. Ein Nachfolgeprojekt zur weiteren Erforschung des Chlorophyll-Abbaus in kranken Pflanzen ist bereits beantragt.

Rückfragehinweis:

o. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Kräutler
Institut für Organische Chemie und Zentrum für molekulare Biowissenschaften (CMBI)
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507 57700
E-Mail: Bernhard.Kraeutler@uibk.ac.at

Dr. Michael Oberhuber
Direktor
Versuchszentrum Laimburg
Telefon: +39 0471 969510
E-Mail: michael.oberhuber@provinz.bz.it

Dr. Christian Flatz
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507 32022
E-Mail: christian.flatz@uibk.ac.at

Dr. Oswald Bauer
Öffentlichkeitsarbeit
Versuchszentrum Laimburg
Telefon: +39 0471 969 516
E-Mail: oswald.bauer@provinz.bz.it

Weitere Informationen:

http://homepage.uibk.ac.at/~c72602/publ/oberhuber.pdf Apfeltriebsucht, Vergilbungskrankheiten der Rebe und Steinobstvergilbung, Fachmagazin obstbau*weinbau (PDF)

http://www.uibk.ac.at/organic/de/ Institut für Organische Chemie, Universität Innsbruck

http://www.laimburg.com Land- und forstwirtschaftliches Versuchszentrum Laimburg

http://www.interreg.net/de Interreg IV Italien-Österreich

Dr. Christian Flatz | Universität Innsbruck

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