Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Agroholdings sind keine Megafarmen, sondern Unternehmensgruppen

21.11.2011
IAMO-Wissenschaftler präsentierten Erkenntnisse zu russischen Agroholdings im Rahmen eines Fachpodiums auf der Agritechnica

Die sogenannten Agroholdings, vertikal und horizontal integrierte Unternehmensgruppen, sind eine Besonderheit des russischen Agrarsektors. Die Wissenschaftler Dr. Jürgen Wandel und Konstantin Hahlbrock erforschen Agroholdings im Rahmen eines DFG-Projekts am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO).

Am 17. November 2011 präsentierten sie vor etwa 70 interessierten Zuhörern eine Auswahl ihrer Ergebnisse in einem in Zusammenarbeit mit der DLG ausgerichteten Fachpodium auf der Agritechnica.

„Agroholdings sind keine Megafarmen, die einfach nur gigantische Flächen bewirtschaften“, erläuterten die Wissenschaftler. Vielmehr handele es sich um Gruppen von Unternehmen aus verschiedenen Sektoren der Landwirtschaft, aber auch vor- und nachgelagerten Bereichen, in der Regel ausgestattet mit einem überwölbenden strategischen Management. Die Tochterunternehmen seien oft nicht in einer Region konzentriert, sondern geographisch weit in Russland verteilt. Agroholdings bewirtschafteten derzeit etwa zehn Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Russland, die regionale Konzentration sei dabei jedoch stark differenziert. Besonders viele Holdings-Betriebe seien in der fruchtbaren Schwarzerderegion im Süden des Landes zu finden.

Typischerweise befänden sich Agroholdings im Besitz einer Familie bzw. einer Person. Die Macher seien häufig relativ jung, branchenfremd und in allererster Linie Unternehmer, nicht Landwirte. Entsprechend „unternehmerisch“ arbeiteten Agroholdings: Sie gingen an die Börse, investierten in neue Bereiche, aber zögen sich aus Märkten auch wieder zurück, wenn die Gewinne sinken. Wie andere Großunternehmen in Russland seien auch Agroholdings eng mit der Politik verbunden.

Um die Produktivität von Agroholdings-Betrieben ermitteln und mit herkömmlichen Betrieben vergleichen zu können, untersuchten Wandel und Hahlbrock beispielhaft statistische Kennzahlen aus dem Oblast Belgorod. Die Region verfügt über sehr gute, fruchtbare Böden. Außerdem wurde dort die Verbreitung von Agroholdings mit einer Verordnung aus dem Jahr 1999 unterstützt, die zum Ziel hatte, marode landwirtschaftliche Betriebe zur Sanierung an private Investoren zu übergeben. Dabei zeigte sich, dass sich Holding-Betriebe zunehmend auf Bereiche der Landwirtschaft konzentrieren, die sich „fabrikartig“ organisieren lassen, etwa Geflügelzucht. Sie tätigten mit Hilfe der Muttergesellschaft in der Vergangenheit weit häufiger als unabhängige Betriebe Investitionen in moderne Agrartechnik, was sicherlich auf das niedrige Niveau der maroden Agrarbetriebe bei deren Eingliederung in die Holdingstruktur zurückzuführen sei. Agroholdings seien eine Organisationsform, die bankrotten landwirtschaftlichen Betrieben helfen könne, ihre Produktivität zu steigern, so Wandel und Hahlbrock. Darüber hinaus ließe sich jedoch bislang noch nicht abschließend beurteilen, ob sie gegenüber unabhängigen Betrieben wirtschaftlich im Vorteil sind.

Über das IAMO
Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel-und Osteuropa (IAMO) ist eine international anerkannte Forschungsreinrichtung. Mit über 60 Wissenschaftlern und in Kooperation mit anderen renommierten Instituten widmet es sich wichtigen Fragen der Agrar- und Ernährungswirtschaft und der ländlichen Räume. Hauptuntersuchungsregionen sind Mittel- und Osteuropa sowie Zentral- und Ostasien. Seit seiner Gründung 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.
Wissenschaftlicher Ansprechpartner
Dr. Jürgen Wandel
Tel. 0345 – 29 28 221
wandel@iamo.de
Ansprechpartnerin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Rebekka Honeit
Tel. 0345 – 29 28 330
honeit@iamo.de

Rebekka Honeit | idw
Weitere Informationen:
http://www.iamo.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Kleinbauern setzen verstärkt auf Monokulturen
10.11.2016 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie