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3,7 Mio. Euro aus EU-Projekt: Neue Katalysatoren sollen Wasser mit Hilfe von Sonnenlicht entgiften

20.02.2013
Mit Katalysatoren anstreichen / Nanostrukturierte Materialien sollen Wasser mit Hilfe von Sonnenlicht entgiften / EU fördert Projekt „4G-PHOTOCAT“ mit 3,7 Millionen Euro

Um Schadstoffe aus Wasser zu entfernen, braucht es prinzipiell nur Licht, Luftsauerstoff und einen Katalysator. RUB-Forscher um Prof. Radim Beránek haben sich mit Experten aus sieben verschiedenen Ländern zusammengetan, um einen Photokatalysator zu entwickeln, der so effizient arbeitet, dass er wirtschaftlich rentabel ist.


Katalysator zum Streichen: RUB-Forscher entwickeln mit ihren Kooperationspartnern Katalysatoren, die Wasser mit Hilfe von Sonnenlicht und Luftsauerstoff entgiften. Die Katalysatoren sollen am Ende in Form von einem Anstrich zur Verfügung stehen.
Grafik: Radim Beránek

Dazu kombinieren sie Halbleiter, die das Sonnenlicht einfangen, mit nanostrukturierten Materialien, deren Eigenschaften sie für Elektronentransferprozesse optimieren. Das Produkt soll am Ende in flüssiger Form vorliegen, so dass Hersteller Photoreaktoren mit dem Katalysator einfach anstreichen können. Die EU fördert das Projekt „4G-PHOTOCAT“ im 7. Rahmenprogramm (FP7) mit 3,7 Millionen Euro für drei Jahre.

Woran es bei der Photokatalyse im Moment noch hakt

Menschen in vielen Ländern der Welt wenden intensiv Pestizide an, die das Trink- und Nutzwasser durch giftige organische Schadstoffe kontaminieren. So gelangten zum Beispiel in den ländlichen Gebieten von Vietnam während des Vietnam-Krieges sehr beständige Herbizide und Dioxine in den Wasserkreislauf, die Krebs oder Missbildungen bei Neugeborenen hervorrufen können. „Die Photokatalyse könnte eine der günstigsten und effizientesten Methoden sein, um Wasser von giftigen Substanzen zu befreien“, sagt Radim Beránek. Durch Licht und Sauerstoff entstehen oxidierende Bedingungen, bei denen die Gifte leicht zu unschädlichen Substanzen wie Wasser und Kohlendioxid abgebaut werden. Bislang hat das Verfahren aber zwei Probleme. Die Abbauraten sind nicht hoch genug und es ist teuer, die notwendigen Reaktoren aufzubauen.

Katalysatoren sollen günstiger und effizienter werden

Im Projekt „4G-PHOTOCAT“ wollen die Wissenschaftler kostengünstige Photokatalysatoren mit einer stark verbesserten Abbaurate entwickeln. Dazu stellen sie neuartige Kompositmaterialien aus Halbleitern und nanostrukturierten Metalloxiden her. Um die optimalen Strukturen zu erzielen, wenden sie moderne chemische Abscheideverfahren an, mit denen sich Zusammensetzung und Struktur des Produkts genau kontrollieren lassen. „Unser ultimatives Ziel ist es, die neu entwickelten Photokatalysatoren in Form einer anstreichbaren Beschichtung herzustellen“, sagt Radim Beránek. „Auf diese Weise angestrichene Photoreaktoren könnten bei der Wasser-Dekontamination in den ländlichen Gebieten zum Beispiel von Vietnam Einsatz finden.“

Kooperationspartner

„4G-PHOTOCAT“ bringt die Expertise von sieben akademischen und drei industriellen Partnern aus fünf EU- und zwei südostasiatischen Ländern zusammen. An der RUB kooperiert Prof. Dr. Radim Beránek mit Prof. Dr. Roland A. Fischer (Anorganische Chemie II), Prof. Dr. Martin Muhler und Dr. Jennifer Strunk (Technische Chemie). Die internationalen Projektpartner sind Forscher vom University College London, J. Heyrovský Institut für Physikalische Chemie in Prag sowie von der Jagiellonen-Universität Krakau, Universität Helsinki, Universiti Teknologi Malaysia und Hanoi University of Agriculture. Außerdem sind industrielle Partner aus Finnland (Picosun), der Tschechischen Republik (Advanced Materials) und Vietnam (Q&A) mit an Bord.

Weitere Informationen

Jun.-Prof. Dr. Radim Beránek, Photoactive Materials Group, Fakultät für Chemie und Biochemie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-29431, E-Mail: radim.beranek@rub.de

Redaktion: Dr. Julia Weiler

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de

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