Wirtschaftsgeographen diskutieren Ursachen, Reichweiten und Perspektiven der Wirtschaftskrise

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) treffen sich die Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, um unter dem Titel „Wessen Krise?“ branchenspezifische und regionale Fragestellungen zu diskutieren.

Die vor zwei Jahren durch sogenannte „Subprime-Kredite“ auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt ausgelösten Verwerfungen lassen sich in zweierlei Weise als „Krise“ einordnen: Einerseits griffen sie in kürzester Zeit auf den globalen Finanzmarkt und auf die nationalen Realwirtschaften über und verdichteten sich so zu einer veritablen „Weltwirtschaftskrise“, die Beobachter mit den Ereignissen Ende der 1920er Jahre auf eine Stufe stellen.

„Nach dem beispiellosen konjunkturellen Einbruch der letzten beiden Jahre und den dabei sichtbar werdenden strukturellen Verwerfungen stehen Volkswirtschaften weltweit vor tief greifenden Ungleichgewichten auf den Arbeitsmärkten und den damit verbundenen Herausforderungen für die sozialen Sicherungssysteme“, sagt MLU-Wirtschaftsgeograph Prof. Dr. Walter Thomi, der die Tagung in Halle organisiert.

Andererseits setze sich in der Öffentlichkeit aber auch die Erkenntnis durch, dass mit dem empirisch beobachtbaren „Marktversagen“ auch eine Krise der wissenschaftlichen Disziplin einhergeht, die sich für die Ökonomie zuständig erklärt. „Trotz einer langen Tradition bei der Erforschung der räumlichen Auswirkungen ökonomischer Krisenprozesse haben sich auch Vertreter der Wirtschaftsgeographie in der aktuellen Diskussion noch nicht hörbar zu Wort gemeldet.“ Die Tagung gehe daher zunächst der Frage nach, welche theoretisch-konzeptionellen Beiträge zur Erklärung und Erforschung der aktuellen Krise formuliert werden können bzw. wie sich unser Verständnis konkreter Krisenprozesse verbessern lässt.

Vor dem Hintergrund, dass die Auswirkungen regional und sektoral differenziert in Erscheinung treten, liege ein weiterer Fokus der Tagung auf der Erfassung und Analyse dieser Unterschiede. Schließlich, so Thomi, „steht auch im Vordergrund, inwiefern die sich abzeichnende wirtschaftliche Erholung mit einer räumlichen und sektoralen Neukonfiguration des Kapitalismus einhergehen wird.“

Ansprechpartner:
Dr. Sebastian Henn
Fachgruppe Wirtschaftsgeographie
Telefon: 03 45 55 26012
E-Mail: sebastian.henn@geo.uni-halle.de

Media Contact

Carsten Heckmann idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Zwei Milliarden Jahre altes Enzym rekonstruiert

Grundlagenforscher:innen der Universität Leipzig haben ein Rätsel in der Evolution von bakteriellen Enzymen gelöst. Durch die Rekonstruktion eines Kandidaten für eine spezielle RNA-Polymerase, wie sie vor etwa 2 Milliarden Jahren…

Simulationen der Zugdynamik im Güterverkehr

Um vorhandene Infrastruktur des Eisenbahnnetzes effizient nutzen zu können, müssen Züge immer länger werden. Immer länger, schwerer, schneller: Güterzüge sind nicht unbegrenzt verlänger- und beladbar – wo liegt das Limit?…

Die Energieproduktion am Laufen halten

Methode zur Fehlerdiagnose an rotierenden Maschinen. Kraftwerke nutzen rotierende Maschinen zur Umwandlung mechanischer in elektrische Energie. Für weniger Ausfallzeiten erprobt ein HM-Forschungsteam eine neue Art der Fehlererkennung. Rotierende Maschinen kommen…

Partner & Förderer