Welt-Sepsis-Tag am 13. September: Krankheit wird oft zu spät erkannt

Weltweit wird am 13. September das Thema „Sepsis“ in den Mittelpunkt gerückt: Erstmals findet an diesem Tag der „Welt-Sepsis-Tag“ statt.

„Die Sepsis verursacht jährlich weltweit mehr Todesfälle als Brustkrebs, Prostatakrebs und HIV/AIDS zusammen. Trotzdem ist wenig über diese Erkrankung bekannt. Das wollen wir am 13. September ändern, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit“, erklärt Prof. Dr. Konrad Reinhart, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Jena (UKJ) und einer der Initiatoren des Aktionstages.

An der Thüringer Uniklinik werden im Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) „Sepsis und Sepsisfolgen“ („Center for Sepsis Control and Care“, kurz: CSCC) in mehr als 40 klinischen Studien und experimentellen Projekten u. a. Strategien und Maßnahmen entwickelt, um Sepsiserkrankungen und im Krankenhaus erworbene Infektionen zu vermeiden und zu reduzieren.

Prof. Reinhart, zugleich Vorsitzender der Global Sepsis Alliance (GSA), wird am 13. September mit vielen Mitstreitern am Brandenburger Tor in Berlin mehrere Hundert Teelichter entzünden. Zeitgleich werden an vielen Standorten auf der Welt ebenfalls Teelichter entzündet und Aktionstage veranstaltet, insgesamt beteiligen sich fast 900 Kliniken und Organisationen rund um den Globus an der Premiere.

Hintergrund: Die Dauer des Abbrennens eines Teelichtes von rund vier Stunden entspricht etwa der Zeit, in der idealerweise ein Therapiebeginn bei Sepsis erfolgen sollte, denn mit jeder Verzögerung der Therapie sinken die Überlebenschancen, pro Stunde um bis zu acht Prozent. „Die Kerzen stellen Überlebenslichter dar, gleichzeitig wollen wir damit auch besonders an die Menschen erinnern, die an einer Sepsis verstorben sind. In Deutschland sind dies jährlich rund 60.000 Menschen. Auch durch verbesserte Hygienemaßnahmen in den Kliniken kann diese Anzahl reduziert werden. Daher wollen wir die breite Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam machen und gleichzeitig durch patientenorientierte Forschung und Kooperationen langfristig die Sterblichkeitsraten senken“, so Prof. Reinhart.

Eine Übersicht über Veranstaltungen und Unterstützer gibt es auf der Homepage www.world-sepsis-day.org.

„Wir möchten natürlich auch Entscheidungsträger und Interessensgruppen sensibilisieren und gewinnen. Da war es logisch, u.a. an einem zentralen Ort wie dem Brandenburger Tor in Berlin eine solche Veranstaltung durchzuführen. Aber natürlich sind wir auch in Jena am 13. September aktiv“, so Prof. Reinhart. So wird es am 13. September auf dem Ernst-Abbe-Platz ab 17 Uhr Aktionen und Informationen zum Thema „Sepsis“ geben. Auch dort werden Überlebenslichter entzündet, die Jenaer Forschungszentren CSCC und das fakultätsübergreifende Zentrum für Innovationskompetenz „Septomics“ stellen sich und ihre Arbeit vor ebenso wie die Deutsche Sepsis-Hilfe e. V. Zusätzlich warten ein Sepsis Quiz und eine wandelnde Mikrobe, die es zu „bekämpfen“ gilt, auf die Teilnehmer in Jena.

Früher Therapiebeginn entscheidend

Prof. Dr. Frank Brunkhorst vom Jenaer Sepsiszentrum weist auf eines der Hauptprobleme hin: „Auch heute noch wird eine Sepsis häufig zu spät diagnostiziert. Das liegt daran, dass Symptome und Laborwerte wie Fieber, beschleunigter Herzschlag oder die vermehrte Anzahl weißer Blutkörperchen unspezifisch sind. Dadurch wird wertvolle Zeit verloren.“ Brunkhorst konnte erst vor kurzem gemeinsam mit weiteren Kollegen aus ganz Deutschland in einer bundesweiten Studie zeigen, dass der gleichzeitige Einsatz von mehreren Antibiotika keinen entscheidenden Vorteil bringt. Entscheidend sei vor allem der frühzeitige Beginn einer Antibiotika-Therapie.

Prof. Reinhart: „Sepsis ist ein medizinischer Notfall. Auch daher sind wir froh, dass nun in einem Jenaer Pilotprojekt entsprechende Antibiotika bereits im Rettungswagen oder im Hubschrauber vorgehalten werden, um direkt reagieren zu können, nicht erst in der Klinik.“ Davon profitieren nicht nur die Patienten, sondern auch die Kostenträger, betont Prof. Reinhart: „Eine frühe und erfolgreiche Sepsisbehandlung verkürzt die Liegedauer auf den Intensivstationen und im Krankenhaus.“

Einen weiteren wichtigen Beitrag zur besseren flächendeckenderen Versorgung stelle auch das MEDUSA-Netzwerk in Deutschland dar: „Dabei werden die Therapieschritte bei allen Sepsispatienten der teilnehmenden Intensivstationen exakt dokumentiert. Ziel der Studie ist es, eine Verkürzung der Zeit bis zur ersten Antibiotikagabe zu erreichen“, so Prof. Reinhart. An dieser Studie beteiligen sich deutschlandweit 40 Krankenhäuser, darunter befinden sich allein 20 in Thüringen.

Der Welt-Sepsis-Tag ist eine Initiative der Global Sepsis Alliance (GSA), die von mehreren renommierten Non-Profit Organisationen gegründet wurde. Unter anderem sind auch Aktionen in London und New York geplant. Dort werden z.B. „Sepsis Helden“ ausgezeichnet. In Deutschland werden die Aktionen durch die Deutsche Sepsis Gesellschaft koordiniert und unterstützt.

Eine Übersicht über alle Aktionen und Partner des „Welt-Sepsis-Tages“ bietet die Homepage:

www.world-sepis-day.org

Informationen zum Center for Sepsis Control and Care (CSCC) am Universitätsklinikum Jena und den weiteren beteiligten Einrichtungen und Gesellschaften finden Sie unter folgenden Internetangeboten:
www.cscc.uniklinikum-jena.de (Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) „Sepsis und Sepsisfolgen“ am Universitätsklinikum Jena)
www.septomics.de (Zentrum für Innovationskompetenz Septomics, Jena)
www.sepsis-hilfe.org (Deutsche Sepsis Hilfe e.V.)
www.sepsis-gesellschaft.de (Deutsche Sepsis Gesellschaft e.V.)

Programm in Jena
Welt-Sepsis-Tag – 13. September 2012

17 – 21 Uhr, Ernst-Abbe-Platz, Jena

17 Uhr Beginn der Aktionen

Infostände der Jenaer Forschungszentren IFB Sepsis und Sepsisfolgen (Center for Sepsis Control and Care, CSCC) und Zentrum für Innovationskompetenz ZIK Septomics sowie der Deutschen Sepsis-Hilfe e. V.

– Sepsis-Quiz
– Händedesinfektion richtig!
– Erreger unter der Lupe

– Mitmachaktion: Bekämpfe die Mikrobe!

17.15 Uhr

Sepsis – Wenn das Immunsystem den eigenen Körper zerstört.
Vortrag von Prof. Oliver Kurzai, Hörsaal 4, Carl-Zeiss-Straße 3

18 Uhr
Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter, Prof. Dr. Andreas Hochhaus (Prodekan für Forschung) und Prof. Dr. Thorsten Heinzel (Prorektor für Forschung) zünden gemeinsam mit Betroffenen aus Jena die ersten Überlebenslichter an
19 Uhr
Livemusik mit „Ambrosia“

19 Uhr
Laserprojektion zum Welt-Sepsis-Tag von Jenoptik

Eine Veranstaltung von:
Center for Sepsis Control and Care,
ZIK Septomics,
Universitätsklinikum Jena,
Deutsche Sepsis-Hilfe e. V.

Mit freundlicher Unterstützung von:
Bundesministerium für Bildung und Forschung,
Friedrich-Schiller-Universität Jena, Studentenwerk Thüringen,
KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH, JENOPTIK AG

Pressekonferenz und Programm in Berlin am 13. September

Am 13. September findet um 10.30 Uhr eine Pressekonferenz zum Welt-Sepsis-Tag im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin statt (Schifferdamm 40/Ecke Reinhardtstraße 55), Raum V.

Teilnehmer der Pressekonferenz
Prof. Dr. Konrad Reinhart, Vorsitzender der Global Sepsis Alliance, Universitätsklinikum Jena
Prof. Dr. Frank Brunkhorst, Universitätsklinikum Jena und stell. Vorsitzender der Deutschen Sepsis Hilfe e.V.
Prof. Dr. Tobias Welte, Vorsitzender der Deutschen Sepsis Gesellschaft, Medizinische Hochschule Hannover
Hartwig Gauder, Schirmherr der Deutschen Sepsis Gesellschaft und der Deutschen Sepsis-Hilfe

Pressekontakt und Anmeldung zur Veranstaltung in Berlin:
Brigitte Wenske
Lucy Turpin Communications
+ 49 89 41776142
wsd@lucyturpin.com

Beginn der Aktion am Brandenburger Tor: ab 17.30 Uhr

Ansprechpartner für Medien

Stefan Dreising idw

Weitere Informationen:

http://www.world-sepsis-day.org/

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