Volle Kraft voraus: Deutsche Küstenforschung mit vereinten Kräften auf gemeinsamem neuen Weg

Ein solches konzertiertes Vorgehen ist neu. Alle Projekte laufen unter einer gemeinsamen Koordination durch eine Steuergruppe, in der jeweils ein Vertreter der einzelnen Projekte mitarbeitet. Sprecher des Konsortiums ist derzeit Ulrich Bathmann vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde.

Bereits vor Projektbeginn einigte sich die Gruppe auf gemeinsame Ziele und Aktionen für eine nachhaltige Entwicklung in der Küstenforschung. Mit dem „kick-off-meeting“ am 29. und 30. April kann es nun für die kommenden drei Jahre losgehen.

Kernstück der gebündelten Vorhaben sind so genannte Habitat-Atlanten für Nord- und Ostsee. In ihnen soll letztlich dokumentiert werden, welche Ökosystem-Dienstleistungen durch die Sedimente, die in den deutschen Meeresgewässern vorkommen, erbracht werden.

Unter Ökosystem-Dienstleistungen sind zum Beispiel das Rückhalten eingetragener Nähr- und Schadstoffe oder die Versorgung des Systems mit Sauerstoff und das Filtern von Trübstoffen durch eine entsprechende Besiedlung zu verstehen. Durch die Zerstörung von Habitaten können diese Dienstleistungen in Gefahr geraten. In den intensiver Nutzung ausgesetzten Bereichen der deutschen Nord- und Ostseegebiete ist eine Planungsgrundlage daher dringend notwendig. Die Projekte NOAH (für die Nordsee) und SECOS (für die Ostsee) wollen nicht nur dokumentieren, wo sich die für diese Dienstleistungen wichtigsten Habitate befinden, sondern auch ihren monetären Wert ermitteln.

Auf dem Weg dorthin müssen existierende Daten analysiert und gezielte Feldmessungen durchgeführt werden. Unterstützung erhalten die Projektkonsortien durch das Projekt BACOSA, das entsprechende Daten aus den inneren Küstengewässern der Ostsee und von der unmittelbaren Außenküste beisteuert und hier insbesondere die Auswirkungen von Makrophytenbeständen auf die Sedimen-tationsdynamik im Blick hat.
Auch in der Nordsee wird sich ein Projekt mit dem unmittelbaren Küstenbereich namentlich dem Wattenmeer und seinen vorgelagerten Bereichen beschäftigen. Das Projekt-Acronym STopP steht für „Vom Sediment zum Topprädator“ und untersucht ob und wie die Beschaffenheit des Meeresbodens und hydrologische Kräfte Einfluss auf die Artzusammensetzung und Verteilung besitzen. Als Beispiel für Topprädatoren dienen dabei verschiedene Vogelarten.

Das Projekt MOSSCO schließlich entwickelt neue Methoden für die Modellierung von Küstenmeeren und stellt für die anderen Projekte eine entsprechende modulare Infrastruktur zur Verfügung, die synoptische Studien in Küsten- und Schelfmeeren unterstützt. Zusammenhängende Probleme der Ökosystemdynamik und des Sedimenttransportes werden zum einen in der gesamten deutschen Nord- und Ostseeregion untersucht, zum anderen in zwei ausgewählten Küstenabschnitten. Dort verändern Ausbaggerungen im Ästuarbereich oder Nährstoffeinleitungen die Wasserqualität und die Ökosystemdienstleistungen.

Die Laufzeit der genannten Projekte beträgt drei Jahre. Insgesamt fördert das BMBF diese Vorhaben im Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen (FONA)“ unter dem Förderschwerpunkt „Küstenmeerforschung in Nord- und Ostsee“ mit 5,9 Millionen Euro.

Weitere Projektinformationen
auf der Internetseite „Planet Erde“: http://www.planeterde.de/forschung/projekte/bmbf-projekte/

Steckbriefe der Projekte und Kontaktangaben:
BACOSA: Baltic Coastal system analysis and status evaluation
Projektleiter: Hendrik Schubert, Universität Rostock, Institut für Biowissenschaften – Lehrstuhl für Angewandte Ökologie,
Tel.: 0381 498 6071, email: maike.piehpho@uni-rostock.de
Fördersumme: rund 700.000 €
Weitere Projektpartner:
• Christian-Albrechts-Universität zu Kiel – Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät – Institut für Natur- und Ressourcenschutz – Abteilung Ökosystemmanagement
• Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät – Biologische Station Hiddensee

MOSSCO: Modulares Daten- und Modellsystem für Schelfmeere und Küsten
Projektleiter: Kai Wirtz, Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Zentrum für Material- und Küstenforschung GmbH – Institut für Küstenforschung,
Tel.: 04152 87 1513, email: kai.wirtz@hzg.de
URL: www.mossco.de
Fördersumme: rund 750.000 €
Weitere Projektpartner:
• Bundesanstalt für Wasserbau
• Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)

NOAH: North Sea – Observation and Assessment of Habitats; Sedimentprovinzen der Deutschen Bucht – Eigenschaften, Leistungen, Risiken
Projektleiter: Kay-Christian Emeis, Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung GmbH – Institut für Küstenforschung,
Tel.: 04152 87 1548, email: kay.emeis@hzg.de
Fördersumme: rund 1.5 Mio. €
Weitere Projektpartner:
• Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH)
• Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Life Sciences
• Johann Heinrich von Thünen-Institut Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei – Institut für Seefischerei
• Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Senckenberg am Meer, Abt. Meeresforschung
• Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
• Universität Bremen – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM)
• Universität Hamburg, Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, Department Biologie, Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft

SECOS: The Service of Sediments in German Coastal Seas; Die Leistung der Sedimente in deutschen Küstenmeeren
Projektleiter: Ulrich Bathmann, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
Tel.: 0381 5197 100, email: ulrich.bathmann@io-warnemuende.de
Fördersumme: rund 1.7 Mio. €
Weitere Projektpartner:
• Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) GmbH
• Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin (ZIB)
• Universität Rostock – Institut für Biowissenschaften – Mikrobiologie

STopP: Vom Sediment zum Top-Prädator
Projektleiter: Kai Eskildsen, Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz – Nationalparkverwaltung, Tönning,
Tel.-Nr. 04861-616-44, email kai.eskildsen@lkn.landsh.de
Fördersumme: rund 1.2 Mio. EUR
Weitere Projektpartner:
• Christian-Albrechts-Universität zu Kiel – Forschungs- und Technologiezentrum Westküste
• Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig Holstein

• Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (Stiftung AWI) – Wattenmeerstation Sylt

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Dr. Barbara Hentzsch idw

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