Weiter auf den Spuren der Urzeit – Neue Grabungen des HLMD in der Grube Messel

Das HLMD hat 1966/67 die ersten planmäßigen Messel-Grabun¬gen durchgeführt und auch heute noch werden die Sammlungen durch alljährliche Grabungskampagnen erweitert. Unter dem Druck der fortschreitenden Deponiepläne sollten bei den früheren „Notgrabungen“ vor allem möglichst zahlreiche wichtige Funde vor der Verschüttung durch die Müllberge gerettet werden. Mit der Aufnahme der Grube Messel in die Weltnaturerbe-Liste der UNESCO haben sich die Ziele für die Grabungen entscheidend verändert.

Nunmehr geht es, neben einer Vervollständigung der Faunen- und Florenliste, vor allem darum, den vormaligen Lebensraum mit all seinen ökologischen Interaktionen genau zu erforschen. Dazu ist eine wesentlich vorsichtigere Grabungsweise mit genauester Dokumentation sämtlicher Funde und Befunde vonnöten. Hierbei wird vor allem ein großer Wert auf die Einmessung der Fossilien in Bezug zu den sogenannten Leithorizonten Wert gelegt, denn diese bieten die Möglichkeit die Funde sozusagen nach dem relativen Zeitpunkt ihrer Ablagerung zu sortieren.

2012 gräbt das HLMD vorrangig im Planquadrat H 8/9 im Bereich des Leithorizontes Alpha. Hierbei werden Schichten erschlossen, die schon bei früheren Messel – Grabungen intensiv erforscht worden sind, aber in deutlich entfernten Teilen der Grube lagen. Ein Ergebnisvergleich soll Informationen darüber liefern, inwieweit die unterschiedlichen Fundverteilungsmuster, die man von den verschiedenen Grabungsstellen kennt, darin begründet liegen, dass hier unterschiedliche Zeitfenster aufgeschlossen wurden, oder ob auch regionale Faktoren (unterschiedliche Positionen im ehemaligen Maarsee-Becken) eine Rolle gespielt haben. Darüber hinaus erhofft man sich bei den Grabungen natürlich immer wieder schöne Funde und etliche davon sind in dem aktuellen Areal in der Vergangenheit tatsächlich schon entdeckt worden.

Das bei den Grabungen neu eingesetzte GPS Vermessungssystem System ermöglicht eine zentimetergenaue horizontale und vertikale Einmessung der Grabungsstellen und (Be-)Funde. Diese ist (u.a.) die Voraussetzung dafür, dass bei großflächigeren Vergleichen eventuell erfolgte Frachtsonderungs-Prozesse (wie etwa durch Strömungen) erkannt werden können. Das Einmessungsprinzip beruht darauf, dass nicht nur die relativen Positionen zu verschiedenen Satelliten ermittelt werden, sondern dass die gemessenen Werte unter Zugriff auf Korrekturdaten des Hessischen Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation (HVBG) noch weiter optimiert werden können. Das sollte ursprünglich online geschehen, war aber durch die schlechte Funknetzabdeckung im Gelände meistens stark beeinträchtigt bzw. nicht möglich. Um dennoch eine zentimetergenaue Positionsbestimmung zu erreichen, werden die bei der Grabung ermittelten (Be-)Fundpositionen jetzt nachträglich mit den Daten einer Referenzsstation abgeglichen und korrigiert (GNSS-Postprocessing Verfahren).

Wenn Sie bei dem Grabungstermin dabei sein möchten, bitten wir Sie um Anmeldung bis zum 19. Juli 2012. Sie erhalten dann weitere Informationen von uns.

Für fachliche Fragen steht Ihnen Dr. Norbert Micklich gern zur Verfügung.
Dr. Norbert Micklich
Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1, 64283 Darmstadt
Tel.: +49 (6151) 1657-42
E-Mail: norbert.micklich@hlmd.de
Yvonne Mielatz
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Friedensplatz 1
64283 Darmstadt
Tel.: +49 (6151) 16-5793
FAX : +49 (6151) 16-5797
E-Mail: yvonne.mielatz@hlmd.de

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Yvonne Mielatz idw

Weitere Informationen:

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