Neueste Entwicklungen im Bereich der biomolekularen Analysen

Das Forschungsobjekt der vielfältigen anthropologischen Disziplinen ist stets der Mensch. Doch höchst unterschiedlich sind die Materialien und Methoden, mit denen Anthropologen den Menschen in Raum und Zeit erforschen.

Es geht um Knochen, Körpermaße und körperliche Entwicklungen, aber auch um Verhaltensweisen. Der Forschung stehen neben morphologischen Methoden biomolekulare Untersuchungsmethoden zur Verfügung sowie die Möglichkeit antike und moderne DNA zu sequenzieren.

Die neuen Technologien haben die Entwicklung in allen Disziplinen der Anthropologie vorangetrieben – der biologischen, forensischen und besonders jene der prähistorischen Anthropologie. Dies spiegelte sich auch in den über 50 Vorträgen wieder, in denen Experten Einblicke in ihre jeweiligen Forschungsrichtungen gaben, darunter etwa der weltweit renommierte forensische Anthropologe Douglas Ubelaker.

„Die neuesten Entwicklungen hat es im Bereich der biomolekularen Analysen gegeben. Während früher das Geschlecht bestimmt werden konnte und wenig mehr darüber hinaus, liefern die heutigen Möglichkeiten der DNA-Sequenzierung viele Informationen zur Identität eines Menschen: von der Haar- und Augenfarbe über die Lebensumstände bis hin zu bestimmten Erkrankungen. Aus diesen neuen Erkenntnissen entstehen wiederum neue disziplinübergreifende Fragestellungen“, resümieren Birgit Großkopf vom Vorstand der Gesellschaft für Anthropologie und Albert Zink, Vorsitzender der Gesellschaft und Leiter des EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman.

Besonders spannende Entwicklungen zeichnen sich in der Forschung zur Evolution von Krankheiten ab. In den Bozner Laboren der EURAC analysierten die Forscher zum Beispiel DNA-Proben aus den Zähnen von 39 Individuen aus dem 5. Jahrtausend vor Christus, bestattet im südungarischen Alsónyék-Bátaszék. Beim Untersuchen der Skelettreste entdeckten die Wissenschaftler unter anderem einen Fall der Pottschen Krankheit, einer tuberkulösen Wirbelsäulenverformung.

„Dank biomolekularer Analysemetoden konnten wir viele Informationen über das antike Krankheitsbild gewinnen: über das Erscheinungsbild der Infektion oder in welcher Form die ersten Krankheitsschäden auftreten“, erklärten die ungarische Anthropologin Annamaria Pósa und Frank Maixner, Mikrobiologe an der EURAC, in Bozen. Der Vergleich des antiken Krankheitserregers mit dem heutigen Krankheitsbild der Tuberkulose, die laut Weltgesundheitsorganisation immer noch für den Tod von 1,5 Millionen Menschen pro Jahr verantwortlich ist, erlaubt den Forschern die Mechanismen sowie mögliche künftige Entwicklungen der Krankheit besser zu verstehen.

Auf biomolekulare DNA-Analysen greifen Anthropologen auch zurück, um Migrationsprozesse von Menschen zu untersuchen. So untersuchen EURAC-Forscher beispielsweise, wie heute bestehende genetische Muster einzelner Bevölkerungsgruppen mit ihren kulturellen Traditionen und demografischen Entwicklungen verknüpft sind.

Daneben gab es auf dem Kongress in Bozen auch Einblicke in aktuelle Anwendungsmöglichkeiten der Anthropologie. So hat etwa der international anerkannte forensische Anthropologe Douglas Ubelaker von der Smithsonian Institution aus Washington eine Reihe von komplexen Mordfällen dargestellt, die in erster Linie dank des Einsatzes anthropologischer Methoden gelöst werden konnten.

Der 10. Internationale Kongress der Gesellschaft für Anthropologie ist von der EURAC in Bozen organisiert worden.

Media Contact

Laura Defranceschi idw

Weitere Informationen:

http://www.eurac.edu

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