Intern. Tagung an der Viadrina: „Infrastrukturnetze und die Phantomgrenzen in Ostmitteleuropa“

„Der Beitritt Polens zum Schengen-Raum hat dazu geführt, dass die deutsch-polnische Grenze allmählich ihren teilenden Charakter verliert und Waren- und Personenströme weitgehend ungehindert über die Oder fließen können.

Dieser Entwicklung muss nun eine Entwicklung der Infrastruktur folgen, wie z.B. der regelmäßige Verkehrsstau an der Oderbrücke deutlich vor Augen führt. Dabei ist das Problem der Überwindung vergangener Grenzen nicht erst in jüngster Zeit aktuell. Das Beispiel der polnischen Staatsbahn, deren Streckennetz in den einst zu Preußen und dem Deutschen Reich gehörenden Landesteilen bis heute wesentlich dichter ist als in den übrigen Regionen des Landes, ist nur eines von vielen“, so die Veranstalter.

Die Tagung wird sich mit Vorträgen aus den Disziplinen Geschichte, Geografie, Wirtschaftsgeschichte, Area Studies, Infrastrukturplanung und benachbarten Feldern an das Thema der Beharrungskräfte nicht mehr existenter politischer Grenzen annähern und folgende Fragen beleuchten: Welche Strategien entwickelten die Regierungen der nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebildeten bzw. auf der Landkarte „verschobenen” Staaten Mittel- und Osteuropas, um eine Territorialisierung der eigenen Länder durch den Aufbau integrierter, nationaler Infrastrukturnetze (Eisenbahn, Telegrafie, Telefon, Straßen, Wasserwege etc.) voranzutreiben? Inwiefern prägten und beeinflussten regionale Infrastrukturnetze die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung in den betroffenen Ländern Mittel- und Osteuropas weit über die genannten historischen Zäsuren hinaus? Welche historischen Spuren deuten bis heute auf die Existenz infrastruktureller „Phantomgrenzen” in Mittel- und Osteuropa hin?

Die Tagung wird mit einem Vortrag von Osteuropa-Historiker Prof. Dr. Karl Schlögel und einer Ausstellung am 5. September, um 19.00 Uhr, im Gräfin-Dönhoff-Gebäude eröffnet. Die Veranstaltungen am Donnerstag und Freitag finden im Hauptgebäude der Europa-Universität Viadrina, im Senatssaal, Raum 109 statt. Beginn ist jeweils um 9.00 Uhr.

Organisatoren der Tagung sind das Centre Marc Bloch Berlin, die Professur für Geschichte Osteuropas der Europa-Universität Viadrina, die Universität Basel sowie die Internationale Gesellschaft für Eisenbahngeschichte. Die Tagung wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Tagungssprache ist Englisch.

Interessierte sind zu den öffentlich stattfindenden Vorträgen und Diskussionen herzlich willkommen!
Die Ausstellung wird noch bis zum 13. September 2012 im Gräfin-Dönhoff-Gebäude zu besichtigen sein.

Aktuelle Informationen zum Programm erhalten Sie unter:
http://www.kuwi.europa-uni.de/de/lehrstuhl/kg/osteuropa/aktuelles
Kontakt:
Elisabeth Borsdorf
Tel.: +49 176 9842 6649
E-Mail: osteuropa@europa-uni.de

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