FOM initiiert Tagung zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR)

Das deutsche Bildungssystem steht einmal mehr vor einer großen Herausforderung: Ein europäischer Beschluss verpflichtet die Bundesrepublik, sich bis Ende 2010 auf einen Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) festzulegen. Damit soll die Durchlässigkeit des Übergangs von Berufstätigen in die Hochschule sowie von der Hochschule in den Arbeitsmarkt erhöht werden.

Zudem sollen Bildungsabschlüsse in Europa vergleichbarer werden. Das Bundesbildungsministerium versucht deshalb mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Hochschulen sowie Bildungsforschern auf einen Nenner zu kommen. Doch obwohl das Ziel des DQR als konsequente Fortführung des Bologna-Gedankens gesehen werden kann, sind die Beteiligten heute uneiniger denn je. Um den Stand der Umsetzung festzustellen und offene Handlungsfelder aufzuzeigen, führt die FOM Hochschule für Oekonomie & Management am 30. September 2010 eine DQR-Tagung in Hamburg durch.

„Für die jährlich circa 800.000 Absolventen einer beruflichen oder einer akademischen Ausbildung wird der DQR nach seiner Einführung zwei Veränderungen bringen: Ihre Zeugnisse werden um eine Aufstellung der arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen ergänzt und durch die Einordnung ihrer Abschlüsse in das Stufenschema des Qualifikationsrahmens werden sie europaweit vergleichbar – unabhängig davon, ob sie an einer Hochschule oder in der beruflichen Bildung erworben wurden. Gleiches gilt für Abschlüsse, die im Rahmen von Weiterbildungen erworben wurden. Allerdings erschweren zurzeit die teilweise sehr unterschiedlichen Interessen der Beteiligten die Einordnung der Abschlüsse“, fasst Prof. Dr. Marco Zimmer, wissenschaftlicher Direktor des ipo Instituts für Personal- und Organisationsforschung an der FOM, die Problematik zusammen. „Mit der Tagung im Herbst wollen wir den aktuellen Stand des Einigungsprozesses erfassen und gegebenenfalls den weiteren Austausch der unterschiedlichen Parteien anregen.“

Zu den Schwerpunkten der FOM-Tagung gehört zum einen die Frage der Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung in Deutschland. Zum zweiten geht es darum festzustellen, wie die Durchlässigkeit zwischen Hochschule, nichtakademischen Bildungsanbietern und dem Arbeitsmarkt erhöht werden kann. „Die im Rahmen der Tagung vorgesehene Analyse des Stands der Umsetzung des Europäischen Qualifikationsrahmens in Österreich wird zeigen, ob und inwieweit ein Land mit einem vergleichbaren Bildungssystem auch mit vergleichbaren Schwierigkeiten zu kämpfen hat“, so Zimmer.

Im Rahmen des DQR sollen unter anderem die in einem Studium erworbenen Qualifikationen in arbeitsmarktfähige Kompetenzen übersetzt werden. Es soll also festgeschrieben werden, welches Wissen und welche Fähigkeiten Absolventen von Bachelor- und Masterstudiengängen für den Arbeitsmarkt mitbringen. Damit soll die Vergleichbarkeit von Hochschul- und Berufsabschlüssen hergestellt werden.

Diese Vorgabe stellt insbesondere für die deutschen Hochschulen eine Herausforderung dar, weil hierzulande auch die beruflichen Abschlüsse eine große Bedeutung haben. „Die Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen mit anderweitig erworbenen Kompetenzen soll entlang eines Acht-Stufen-Schemas erreicht werden“, erläutert Zimmer. „In Zukunft wird also nur noch relevant sein, dass ein Arbeitnehmer über eine bestimmte Kompetenz verfügt, egal, ob er sie in einer Berufsausbildung oder einem Studium erworben hat. Aus Sicht der Bildungseinrichtungen ist das bildungspolitischer Sprengstoff. Wenn beispielsweise der Meister im Maschinenbau demnächst im DQR so viel zählt wie ein Bachelorabschluss, führt ein im Anschluss aufgenommenes Bachelor-Studium des Maschinenbaus zu keinem ‚Aufstieg‘ im Qualifikationsrahmen. Nach dem Studium bleibt der frischgebackene Bachelor auf der Stufe 6 des DQR. Auf der anderen Seite wird der automatische Erwerb von Hochschulzulassungen durch die Erreichung des jeweils entsprechenden DQR-Niveaus aktuell von allen Parteien ausgeschlossen. Das bedeutet in unserem Fall, dem Meister bleibt der Zugang zu einem Masterstudiengang verwehrt. Das erhöht den Wettbewerb zwischen den Systemen der dualen Berufsausbildung und der akademischen Ausbildung.“

Nach einer Einigung über die Inhalte des DQR sollen in einem zweiten Schritt bis 2012 sämtliche Abschlüsse in Deutschland entsprechend der festgelegten Kompetenzstufen zugeordnet werden. Zimmer: „Dabei geht es nicht nur um eine Einschätzung des fachlichen Wissens, sondern auch darum, welche personalen Kompetenzen mit den jeweiligen Bildungsabschlüssen einhergehen. Bis dahin wird auch diskutiert, ob ein Meister sich künftig mit dem Titel Bachelor Professional schmücken darf und was er dann damit anfangen kann.“

FOM HOCHSCHULE FÜR OEKONOMIE & MANAGEMENT
Die 1993 von Wirtschaftsverbänden gegründete private FOM Hochschule für Oekonomie & Management ist eine staatlich anerkannte Hochschule der Wirtschaft mit bundesweit 18 Standorten und weiteren im Ausland. Die Studiengänge richten sich überwiegend an Berufstätige und Auszubildende, die sich neben ihrer betrieblichen Tätigkeit akademisch qualifizieren wollen. Sie können an der FOM Bachelor- und Master-Abschlüsse erwerben. Der Wissenschaftsrat, Deutschlands höchstes Gremium zur Sicherung der Qualität in Forschung und Lehre, hat die FOM als Institution akkreditiert, sämtliche Studiengänge verfügen zusätzlich über eine Akkreditierung der FIBAA. Namhafte Unternehmen wie Aral, Bertelsmann, Daimler, Deutsche Bank, E.ON, RWE und Siemens kooperieren seit Jahren mit der FOM und empfehlen ihrem Führungsnachwuchs ein berufsbegleitendes Studium.

Media Contact

Carsten Döpp idw

Weitere Informationen:

http://www.fom-ipo.de http://www.fom.de

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