DFKI beim Tag der KI in Lübeck

Eine intuitive Prothesesteuerung aus der DFKI-Außenstelle Lübeck in der begleitenden Ausstellung beim "Tag der KI".
Olaf Malzahn / Universität zu Lübeck

Die DFKI Außenstelle Lübeck hat im Januar 2021 in drei Forschungsbereichen ihre operative Arbeit aufgenommen. Im Rahmen der „Woche der KI“, 15.-19.11., beteiligt sich das DFKI mit Exponaten zu Künstlicher Intelligenz und Gesundheit an der öffentlichen KI-Ausstellung im Audimax der Universität zu Lübeck.

Zum Thema „KI in der Medizin“ diskutierte DFKI CEO Prof. Antonio Krüger am „Tag der KI“, 17.11., in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Prof. Paul Lukowicz, wissenschaftlicher Direktor am DFKI in Kaiserslautern, beteiligte sich mit einer Keynote „Was ist KI?“ an der Festveranstaltung, an der auch Ministerpräsident Daniel Günther teilnahm.

Prof. Dr. Antonio Krüger, technisch-wissenschaftlicher Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsführung des DFKI: „KI und Gesundheit ist ein Megathema mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz und Lübeck ist dafür ein idealer Forschungs- und Transferstandort. Die drei neuen DFKI-Forschungsbereiche haben ihre operative Arbeit bereits Anfang 2021 aufgenommen und sind produktiv im Kreis der DFKI-Kolleginnen und -Kollegen angekommen. Mit der Außenstelle Lübeck – die Idee dazu entstand nach intensiven Diskussionen im Nachgang einer Sitzung der KI-Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags – wollen wir dazu beitragen, das enorme Potenzial der KI zur Verbesserung der medizinischen Diagnostik und Therapie weiter zu nutzen und die Entwicklung innovativer KI-Lösungen für Medizin und Medizintechnik in Schleswig-Holstein voranzutreiben.“

Prof. Dr. Paul Lukowicz, Leiter des Forschungsbereichs Eingebettete Intelligenz am DFKI in Kaiserslautern, erklärte in seiner Keynote im Rahmen der Festveranstaltung am Tag der KI in Lübeck: „KI-Technologien können wichtige Beiträge leisten für die Smart City, für den intelligenten ÖPNV oder die grundlastfähige Nutzung von erneuerbaren Energien. Die Fortschritte der vergangenen Jahre sind beeindruckend, aber viele Fragen sind noch nicht beantwortet. Manche sind skeptisch, dass KI-Systeme zu wenig nachvollziehbar sind oder übergriffig eingesetzt werden könnten. Wir plädieren für den europäischen Ansatz von Trusted AI, bei dem es um vertrauenswürdige, verlässliche und nachvollziehbare KI-Systeme geht. Da gibt es viel zu tun, und viele Talente werden gesucht, aber Deutschland und Europa sind auf dem richtigen Weg.“

In der begleitenden Ausstellung zeigten die drei Forschungsbereiche der DFKI Außenstelle Lübeck am „Tag der KI“, 17.11., intelligente Systeme, die datenbasierte Hinweise zu Therapien geben, KI-Verfahren für die automatisierte Analyse medizinischer Bilder und Systeme zur Auswertung biomedizinischer Signale.

Der Forschungsbereich „Stochastische Relationale KI im Gesundheitswesen“ unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Möller arbeitet an Intelligenten Systeme, die durch Beobachtung ihrer Umgebung und durch Auswertung von Daten Modelle aufbauen, um Handlungen optimal berechnen zu können. Im Gesundheitswesen treten verschiedenartige, in großem Maße relationale Daten von Patienten, ihrer Krankengeschichte und auch ihren Untersuchungen in Messreihen und Diagnosen auf. Zugeordnete Text- und Bilddaten sollen vielfach auf semantisch höherer Ebene interpretiert und für neuartige Anwendungen nutzbar gemacht werden. Prof. Dr. Ralf Möller: „KI-Systeme können durch Beobachtung und Datenauswertung Modelle aufbauen und Handlungen berechnen. Aber die reale Umgebung ist oft überkomplex. Wir arbeiten daran, dass die Systeme mit Unsicherheiten umgehen können und dass sie in der Lage sind, mit den Nutzenden menschengerecht zu interagieren. Dazu müssen die Systemausgaben eine hohe Qualität haben, die Handlungsempfehlungen müssen angemessen sein und kausal erläutert werden können, und sie müssen die menschlichen Informationsbedarfe bzw. die menschliche Informationsverarbeitung in der Interaktion antizipieren.“

Signale und deren Analyse spielen in vielen Bereichen wie Produktionsüberwachung, automatische Steuerung und Kommunikation eine wichtige Rolle. So vielfältig wie die Anwendungen sind auch die Anforderungen an die auswertenden Systeme. Das gilt insbesondere im medizinischen Kontext, wo Signale für Diagnose, Bildgebung und Therapie sowie Rehabilitation essenziell sind. Der DFKI-Forschungsbereich „KI in der biomedizinischen Signalverarbeitung“ unter der Leitung von Prof. Dr. Alfred Mertins entwickelt neue Modelle und Algorithmen, die nicht nur in der Theorie und auf Benchmark-Datensätzen funktionieren, sondern auch in der Praxis herausragende Ergebnisse liefern. Prof. Dr. Alfred Mertins: „Wir erforschen KI-Methoden, um komplexe Zusammenhänge im Bereich der medizinischen Signalverarbeitung datengetrieben zu lernen und die Beschränkungen derzeit verfügbarer mathematischer Modelle zu überwinden. Von essentieller Bedeutung sind die Robustheit gegenüber Störungen und die Interpretierbarkeit unvollständiger Daten. Dabei geht es z.B. konkret um Schlafanalyse, um intuitive Prothesesteuerung oder die akustische Ereigniserkennung und die Verbesserung von Hörhilfen.“

Der Lübecker Forschungsbereich „Künstliche Intelligenz in der medizinischen Bildverarbeitung“ (AIMedI) unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz Handels entwickelt lernfähige medizinische Bildverarbeitungsmethoden zur Unterstützung der medizinischen Diagnostik und Therapie. In hybriden Bildverarbeitungssystemen werden Methoden der Künstlichen Intelligenz mit medizinischen Bildverarbeitungsverfahren und Visualisierungstechniken zur ärztlichen Unterstützung kombiniert. Prof. Dr. Heinz Handels: „Digitalisierung hat Medizin und Medizintechnik grundsätzlich verbessert, aber auch einschneidend verändert. Die Anzahl von großen, heterogenen, komplexen und oft unstrukturierten Datensätzen hat sich in den Lebenswissenschaften rasant gesteigert. Adaptive selbstlernende KI-Technologien eröffnen die Chancen, das große Potenzial dieser Daten für intelligente Gesundheitssysteme und perspektivisch für personalisierte Medizin zu erschließen.“

Über das DFKI
Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) wurde 1988 als gemeinnützige Public-Private-Partnership (PPP) gegründet. Es unterhält Standorte in Kaiserslautern, Saarbrücken, Bremen, ein Projektbüro in Berlin, ein Labor in Niedersachsen und Außenstellen in Lübeck und Trier. Das DFKI verbindet wissenschaftliche Spitzenleistung und wirtschaftsnahe Wertschöpfung mit gesellschaftlicher Wertschätzung. Das DFKI forscht seit über 30 Jahren an KI für den Menschen und orientiert sich an gesellschaftlicher Relevanz und wissenschaftlicher Exzellenz in den entscheidenden zukunftsorientierten Forschungs- und Anwendungsgebieten der Künstlichen Intelligenz. In der internationalen Wissenschaftswelt zählt das DFKI zu den wichtigsten „Centers of Excellence“. Aktuell forschen ca. 1.250 Mitarbeitende aus über 65 Nationen an innovativen Software-Lösungen. Das Finanzvolumen lag 2020 bei 64,6 Millionen Euro.

DFKI-Kontakt
Reinhard Karger, M.A.
Unternehmenssprecher
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI)
Saarland Informatics Campus, Geb. D 3_2
D-66123 Saarbrücken, Germany
Tel.: +49 681 85775-5253
Mobil: +49 151 1567 4571
E-Mail: reinhard.karger@dfki.de
Internet: http://www.dfki.de

Weitere Informationen:

https://www.dfki.de/web/news/dfki-beim-tag-der-ki-in-luebeck

Media Contact

Reinhard Karger M.A. DFKI Saarbrücken
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Eine der weltgrößten Datenbanken zur Ganganalyse

Die vor kurzem veröffentlichte Gutenberg Gang-Datenbank ist die weltweit größte Sammlung von Ganganalysen gesunder Proband*innen Sie bietet Vergleichsdaten für die Diagnose und Behandlung von Gangstörungen. Erstellt haben die Datenbank die…

In nur wenigen Minuten Zellstrukturen dreidimensional abbilden

Heidelberger Wissenschaftler arbeiten an einem schnellen Verfahren der 3D-Zellbildgebung. Virale Erreger wie das Coronavirus SARS-CoV-2 verändern die innere Struktur der Zellen, die sie befallen. Diese Veränderungen finden auf Ebene der…

Projekt ALBATROS: Aluminium-Ionen-Batterien als alternative Speichertechnologie

… für stationäre Anwendungen. Im Projekt ALBATROS entwickelt ein Konsortium aus Forschung und Industrie die Aluminium-Ionen-Batterie (AIB) weiter. Dabei stehen die Abläufe in der Batteriezelle und an den Grenzflächen zwischen…

Partner & Förderer