Grösster Mathematiker-Kongress in Zürich

Die beiden Zürcher Hochschulen – ETH und Uni – sind dieser Tage fest in der Hand von Mathematikern. Mehr als 3200 Spezialisten aus Wissenschaft und Industrie diskutieren in rund 2900 Vorträgen und bei bis zu 70 gleichzeitig geführten Sitzungen über die neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der Angewandten Mathematik. Der Fachkongress wird von den Departementen Mathematik an der ETH Zürich und der Uni Zürich organisiert. „Der Kongress ist eine fantastische Gelegenheit, sich unter Seinesgleichen auszutauschen und daraus viele Anregungen für die eigene Arbeit zu ziehen“, sagt ETH-Professor Rolf Jeltsch, Vorsitzender der „ICIAM 07“. Wie sehr die Mathematik als Grundlagenwissenschaft weitergehende Forschung und Entwicklungen in der Industrie erst möglich macht, zeigte ein Medien-Lunch an der ETH Zürich.

Schweizer Bundesbahn (SBB): Dichtester Fahrplan Europas

Ein erstes Beispiel betrifft den Fahrplan der SBB. Das neue Leitsystem ETSC der SBB ist einzigartig und führt dazu, dass mehr Züge noch flexibler auf den Schweizer Schienen fahren. Daraus ergeben sich ständig neue logistische Auf-gaben, die ETH-Forschende am Institut für Operations Research in enger Zu-sammenarbeit mit den SBB und mit Hilfe der Mathematik lösen. Es handelt sich dabei um komplexe kombinatorische Optimierungs-Probleme. Ziel ist, die regionalen und internationalen Gegebenheiten der Verkehrsknotenpunkte und des Schienennetzes bestmöglich zu nutzen, um Verspätungen und Kollisionen zu vermeiden.

Leistungsschalter von Kraftwerken

In jedem elektrischen Schalter entstehen unerwünschte Funken. Falls der Schalter ein Kraftwerk von einer Stadt trennt, ist der Funke ein hochenergetischer Lichtbogen und somit sind komplizierte Prozesse notwendig, diesen zu eliminieren und so tatsächlich zu schalten. Das Seminar für Angewandte Mathematik an der ETH modelliert und simuliert im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum von ABB in Dättwil solche Lichtbogen-Prozesse.

Medikamente ab dem Reissbrett

Verfahren des Computer-Assisted Drug Design (CADD) sind heute aus der pharmazeutischen Industrie nicht mehr wegzudenken und Grundlage fast aller neuen Arzneimittel. Mit Computersimulationen versucht man bereits zu einem frühen Zeitpunkt, die Mechanismen der Wirkung des Arzneimittels auf den Körper im virtuellen Raum zu verstehen und dann effizientere, selektivere Moleküle am Computer zu entwerfen und auch zu testen. ETH-Forschende aus dem Institut für Pharmazeutische Wissenschaften arbeiten mit verschiedenen Industriepartnern auf diesem Gebiet.

Lebensmittel-Optimierung

Lebensmittel wie Milch, Butter oder Margarine sind Emulsionen. Beim Homogenisieren werden die Fetttröpfchen so zerkleinert, dass ein Aufrahmen (das Wiederausscheiden des Fettes) der Milch verhindert wird. Das funktioniert seit langem in der Praxis, doch wusste bislang keiner genau, was bei diesem Vorgang geschieht. ETH-Forschende am Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften berechnen und simulieren nun, wie sich die Tröpfchen beim Homogenisierungsprozess verändern. In Zukunft können Emulsionen einfacher und günstiger verbessert werden, was das Interesse der Lebensmittelindustrie an dieser Forschung erklärt.

Media Contact

Franziska Schmid idw

Weitere Informationen:

http://www.iciam07.ch

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